Deliver At All Costs hat grandiose Ideen - an der Umsetzung hapert es aber ...
Special
Gesehen und für genial befunden, gespielt und dann war's nur noch ok: Deliver At All Costs hat Potenzial und viele Probleme!
Manche Spiele sieht man und denkt sich "ja klasse, das wird ein Hit!" So ging es mir, als ich kürzlich im Rahmen eines Events von Konami, bei dem ich das mir im Vorfeld nur sehr oberflächlich bekannte Deliver At All Costs erst einmal im Rahmen einer Präsentation samt gezeigtem Trailer zu sehen bekam.
In Deliver At All Costs (jetzt kaufen 28,44 € / 25,49 € ) spielt man Protagonist Winston Green, seines Zeichens in Geldnöten steckender Tagelöhner, der seinen Alltag in einer wundervoll überzeichneten Version eines US-Städtchens der 1950er-Jahre fristet, stilvoll dargestellt aus einer isometrischen Perspektive.
Sie bestellen, wir zerstören
Eine Annonce bringt den jungen Mann auf Schiene für seine neue Karriere, die da heißt: Kurierfahrer! Und so macht er sich auf, seine Brötchen zu verdienen, indem er völlig abgefahrene Güter wie lebendige Schwertfische, eine Luftballonmaschine und bereits angezündete Feuerwerksraketen transportiert.
Die Idee ist wunderbar, und was ich nach der Präsentation von dem Spiel erwartete, war ein Spin der bewährten Crazy-Taxi -Formel. Also dass man mit Zeitlimit herumfährt, waghalsige Stunts ausführt, alles bunt, alles bizarr, alles sehr flott und arcadeig. Die 50er-Atmosphäre sagte mir zusätzlich gleich zu, und ich konnte es dann auch kaum erwarten, im Rahmen der Demo-Session selbst losspielen zu dürfen.
Deliver At All Costs ist nicht Crazy Taxi in den 1950ern.
Bestellt und nicht abgeholt?
Was ist es dann? Nun, am ehesten fühlte ich mich beim Spielen des Beginns des Spiels an den Klassiker The Simpsons Hit and Run erinnert. Die semi-offene Welt, das Städtchen Saint Monique, ist in mehrere durch Ladezeiten getrennte Bezirke unterteilt, die Winston bereist und allerlei Haupt- und Nebenaufgaben erledigt.
Die meiste Zeit ist man in unterschiedlichen Autos beziehungsweise Gefährten unterwegs, man kann aber auch aussteigen und zu Fuß die Stadt unsicher machen. Als Belohnung dafür, dass man auf Flachdächer und Balkone klettert und andere nur so erreichbare Orte erkundet, gibt's verschiedene Collectables.
Quelle: Konami
Trotz der verrückten Prämisse ist Deliver At All Costs ein unerwartet zurückgenommenes Spiel, inklusive eines überraschend großen Fokus auf die Story. Ein nicht unbeträchtlicher Teil meiner Spielzeit ging für lange Dialoge drauf, die Hinweise auf eine düstere Vorgeschichte des Protagonisten gaben und auch sonst schon relativ viele Handlungsstränge andeuteten.
Die sind zwar alle relativ humorig gehalten, aber auch nicht auf Brachialkomik getrimmt. Ob ich das jetzt positiv meine, weiß ich selbst nicht so genau. Dafür, dass ich eigentlich einfach Bock hatte, mich ins Chaos zu stürzen, zogen sich die Dialoge dann doch zu oft zu sehr, und die Witze zündeten nicht immer.
Zwei Seelen in einem Spiel
Ich will den Machern jetzt sicher nicht vorwerfen, dass sie mehr Kontext für das Gameplay bieten wollen als "fahr rum und liefere bizarre Waren aus", aber bei der Art, wie sich das Spiel nach Außen präsentiert und wie es sich dann spielt, hakt es meiner Meinung nach ein wenig.
Quelle: Konami
Die Ideen, die in die verschiedenen Transportaufträge fließen, kommen dem Überdrüber-Faktor dann schon eher nach. Den lebenden Schwertfisch habe ich ja schon erwähnt, den man zudem regelmäßig zu Fässern mit Futter fahren muss, damit er nicht sauer wird und von der Ladefläche hüpft, ebenso die Luftballonmaschine, dank der man bei jeder Bodenwelle so hoch in die Lüfte emporsteigt, dass Nena ihre Freude hätte, und beim Transportieren der Feuerwerksraketen schlugen diese während der Fahrt ums Auto herum ein und machten den Transport zum Hindernisparcours.
Alles fein, und ein paar der weiteren Ideen, die ich schon erleben durfte, ebenso. Einmal galt es etwa, verdorbene Melonen zum Waschen zu fahren, sie dann zu desinfizieren und anzumalen, damit sie als frisches Obst verkauft werden können. An der Umsetzung hapert es aber etwas.
Picknickfahrt
Denn auch das Gameplay bringt kaum Chaos oder Herausforderung mit sich, obwohl es geradezu danach schreit. Ja, die Steuerung wird je nach Beladung beeinflusst und es geht schon einiges zu Bruch. Manchmal wird erfordert, dass man rücksichtslos durchbrettert, manchmal muss sanft gesteuert werden, damit die kostbare Fracht nicht beschädigt wird.
Bildergalerie
Das alles läuft aber ohne Zeitlimit ab, mit sehr regelmäßigen Checkpoints und bietet kein Highscore-System, wie ich es bei einem Spiel dieser Art erwartet hätte, sondern setzt offenbar rein auf Story-Missionen, die man eben schafft oder noch mal ran muss, ohne echten Widerspielwert. Auch hier: voll okay, aber seltsam zurückgenommen.
