Bulletstorm: Full Clip Edition im Test: Wir haben die Remastered-Version des Spaß-Shooters unter die Lupe genommen.

Test Sascha Lohmüller
Bulletstorm: Full Clip Edition im Test: Wir haben die Remastered-Version des Spaß-Shooters unter die Lupe genommen.
Quelle: Gearbox

Endlich kommen auch deutsche Spieler in den Genuss eines ungekürzten Bulletstorm. Wir haben uns die Full Clip Edition genauer angeschaut - und ärgern uns über die völlig überzogene Preispolitik.

Etwas mehr als sechs Jahre ist es nun her, dass einer der besten Shooter des letzten Jahrzehnts auf den Markt kam: Bulletstorm. Entwickelt von People Can Fly, persiflierte der Ballerspaß testosterongeschwängerte Macho-Fantasien à la Duke Nukem oder Gears of War - selbst wenn diese teilweise auch schon nicht allzu ernst gemeint waren. Gearbox ging aber noch einen Schritt weiter und ließ das Geschehen mitunter gar in Richtung Slapstick abdriften - ein großer Spaß. Neben der satirisch angehauchten Story war es aber vor allem das äußerst innovative Gameplay, das Shooter-Fans aufhorchen ließ. Die Gefechte basierten nämlich auf einer coolen Skillshot-Mechanik, die euch mit Bonus-Punkten und somit mehr Freischalt-Optionen belohnte, je spektakulärer und vor allem abwechslungsreicher ihr eure Gegner in die ewigen Jagdgründe befördert habt.

Diese rollende Kraftwerk-Turbine verfolgt uns fast schon komödiantische fünf Minuten lang durch die Wüste - eine der lustigsten und übertriebensten Szenen in Bulletstorm. Quelle: PC Games Diese rollende Kraftwerk-Turbine verfolgt uns fast schon komödiantische fünf Minuten lang durch die Wüste - eine der lustigsten und übertriebensten Szenen in Bulletstorm. Das Dumme an der Sache: Davon bekam hierzulande kaum jemand etwas mit. Aus Jugendschutzgründen nämlich wurden viele der makaberen Kills extrem entschärft. Kein Ragdoll-System, kaum Blut- und Splatter-Effekte, sodass Gegner teilweise einfach verschwanden und somit für Verwirrung sorgten, und vor allem kein optisches Feedback für viele Aktionen, die Bonuspunkte einbrachten, Kopf-, Beine- oder - autsch! - Weichteile-Treffer etwa. Das nahm dem Skillshot-System nicht nur einen Teil seiner zugegebenermaßen morbiden Faszination, sondern machte es auch unnötig kompliziert und wenig nachvollziehbar. Die ungekürzte internationale Fassung wurde dann auch wenig später auf den Index gesetzt. Im Februar 2017 jedoch wurde nicht nur der Duke vorzeitig aus dem USK-Gefängnis entlassen, auch die Uncut-Fassung von Bulletstorm wurde nachträglich durchgewunken. Anlass genug für Publisher Gear­box, dem Spiel einen Re-Release mit dem Untertitel Full Clip Edition zu verpassen.

Bulletstorm: Full Clip Edition im Test - Remastered light

Gegner, die ihr heranzieht oder beispielsweise durch Explosionen betäubt, bewegen sich in Zeitlupe. So lassen sie sich gezielt in einen Kaktus oder eine Energiequelle kicken oder für andere Skillshots herrichten. Quelle: PC Games Gegner, die ihr heranzieht oder beispielsweise durch Explosionen betäubt, bewegen sich in Zeitlupe. So lassen sie sich gezielt in einen Kaktus oder eine Energiequelle kicken oder für andere Skillshots herrichten. Während sich Konsolen-Zocker immerhin über einen Generationensprung - Bulletstorm erscheint nun nach PS3 und Xbox 360 erstmals für PS4 und Xbox One - freuen können, folgt für PC-Nutzer direkt die Ernüchterung. Auf der technischen Seite hat sich nämlich nur sehr wenig getan.
Grafische Verbesserungen fallen, wenn überhaupt, erst in höheren Auflösungen auf und sind dann äußerst marginal. Immerhin entfernten die Entwickler aber den 60-FPS-Lock und verbesserten die im Original doch arg störrische Mausbeschleunigung. Natürlich wurde auch der inzwischen tote Dienst Games for Windows Live herausgepatcht. Ein paar andere Unzulänglichkeiten wurden aber auch in der Neuauflage nicht behoben. Manche Menüs, etwa die Upgrade-Kapseln, lassen sich nach wie vor nur über die Pfeiltasten bedienen, was damals schon eindeutig darauf schließen ließ, dass die Konsolen die Hauptentwicklungsplattform waren. Nach sechs Jahren wäre hier eine Mausunterstützung aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen, liebe Entwickler.

Hinzu kommen sogar ein paar ganz neue Bugs. Einer davon sorgt beispielsweise dafür, dass sich das Spiel kurz vor dem Hauptmenü einfach selbst beendet und euch wieder ins Steam-Menü katapultiert. Das ist zwar nicht weiter tragisch, da ihr nach ein, zwei Versuchen das Spiel wieder ganz normal starten könnt und dann auch keine Probleme mehr habt, unnötig ist es aber allemal. Dass Gearbox zu allem Überfluss auch noch 45,99 Euro für die Full Clip Edition aufruft, obwohl das Urspiel mittlerweile zum Budget-Preis erhältlich war, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. So eine Preisgestaltung an der Grenze zur Abzocke hat der Titel nicht verdient.

Bildergalerie

Rein inhaltlich ist Bullet­storm nämlich nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Die humorige Rache-Story rund um Ex-Killer und Sauf-Space-­Pirat Gray punktet mit jeder Menge Humor, einigen Wendungen, denkwürdigen Charakteren und vielen Höhepunkten wie ein Bosskampf gegen eine gigantische Mutantenpflanze, eine Flucht aus einem riesigen Eidechsenbau oder ein steuerbarer Robo-Saurier und das Gunplay wird auch nach ein paar Stunden noch nicht langweilig, da euch das Spiel mit immer neuen Waffen und Skillshot-Möglichkeiten konfrontiert und somit zum Experimentieren anregt. Wer nach der Story noch nicht genug hat, stürzt sich in den kooperativen Wellen-Modus Anarchy oder die Highscore-Jagd Echoes - mit allen damals erschienenen DLC-Karten an Bord. Apropos DLC: Der Vorbesteller-Bonus, der Gray durch Duke Nukem ersetzt, ist auch einzeln erhältlich. Für weitere fünf Euro ...

Meinung

Wertung zu Bulletstorm: Full Clip Edition (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Bulletstorm: Full Clip Edition (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Herrlich motivierendes Skillshot-SystemUnterhaltsame, witzige, wenn auch klischeebeladene Rache-StorySehr abwechslungsreiches Gameplay ohne LängenWitzige Einfälle wie steuerbare Robo-Saurier oder Gefechte im betrunkenen ZustandAlle DLCs für den Mehrspieler-Part mit an BordKleinere technische Verbesserungen (entfernter FPS-Lock; kein GFWL)
Preisgestaltung eine FrechheitNach wie vor nicht hundertprozentig für den PC optimiert (Menü-Steue­rung)Kleinere BugsDeutsche Synchro eher mau(Vorbesteller-)DLC mit Duke Nukem eher lieblos umgesetzt
Fazit

Grandioses Shooter-Remake mit kleineren technischen Problemen und viel zu hohem Preis.

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