Bound by Flame im Test: Enttäuschendes Rollenspiel trotz guter Ansätze - mit Video-Review

Test Felix Schütz
Bound by Flame im Test: Enttäuschendes Rollenspiel trotz guter Ansätze - mit Video-Review
Quelle: Focus Home Interactive

Bound by Flame im Test für PC und PS4: Für ihr neues Rollenspiel haben sich die französischen Entwickler Spiders viel vorgenommen und eine Menge guter Ideen von anderen Titeln abgeschaut. Leider enttäuscht das Ergebnis trotz ordentlicher Ansätze: Eine lahme Story, anstregende Kämpfe, platte Dialoge und schwaches Leveldesign lasten schwer auf der Spielspaßwertung. Ein Totalausfall ist Bound by Flame aber nicht - denn das Spiel hat auch positive Seiten.

Nein, mit Meisterwerken ist Spiders bislang nicht aufgefallen. Zuletzt lieferte das französische Team nur das mittelmäßige Mars: War Logs ab, davor hatte es an Of Orcs and Men mitgearbeitet. Bound by Flame soll nun endlich den Durchbruch für Spiders bedeuten, das merkt man auch am selbstbewussten Preis: Mit 35 Euro ist die PC-Fassung zwar noch recht günstig zu haben, doch die Konsolenfassungen schlagen mit 45 Euro (PS3, Xbox 360) und satten 55 Euro (PS4) zu Buche. Auf welcher Plattform man spielt, ist allerdings egal - Bound by Flame macht in keiner Version eine gute Figur.

Der Dämon steckt im Helden und der Teufel im Detail

Interessanter Einstieg: Ein Flammendämon nistet sich in Vulcans Körper ein. Quelle: PC Games Interessanter Einstieg: Ein Flammendämon nistet sich in Vulcans Körper ein. Bound by Flame inszeniert eine Fantasy-Welt aus dem Klischeebaukasten: Auf der einen Seite stehen dort die guten Menschen und Elfen, auf der anderen irgendeine böse Untotenarmee, die alles Leben auslöschen will. In dieser Geschichte schlüpfen wir in die Haut des Söldners Vulcan, wahlweise männlich oder weiblich. Gleich zu Spielbeginn widerfährt Vulcan ein kleines Missgeschick: Ein uralter Flammendämon fährt in das Oberstübchen unseres Helden und sorgt damit für die interessanteste Seite des Spiels. Hin und wieder meldet sich der ungebetene Gast nämlich in Vulcans Gedanken zu Wort und versucht ihn zu überreden, sich seinem dämonischen Einfluss hinzugeben. Wenn Vulcan das zulässt, wachsen ihm bald lustige Hörnchen aus der Stirn und seine Stimme wird bedrohlich tief. Auch spielerisch wirkt sich das aus, wenn auch nur in bescheidener Weise: Durch den dämonischen Einfluss gewinnt Vulcan keine neuen Fähigkeiten oder Kampftalente, sondern erhält nur ein paar passive Boni wie zusätzliches Mana, muss dafür aber auch Nachteile in Kauf nehmen. Immerhin sorgen manche Quest-Entscheidungen dafür, dass die Geschichte leicht anders verläuft. Dadurch bietet Bound by Flame sogar etwas Wiederspielwert - sofern man denn gewillt ist, die öde Story nochmal zu erleben.

Müder Plot trotz netter Begleiter

Die Handlung erstreckt sich über 15 bis 20 Stunden und ist so holprig erzählt, dass kaum Spannung aufkommt. Ein uncharismatischer Held, steife Gesichtsanimationen und zähe Dialoge, die vor allem in der deutschen Fassung abgelesen und träge klingen, trennen das Spiel meilenweit von Atmosphäre-Kalibern wie The Witcher 2. Die englische Sprachausgabe klingt zwar etwas besser, leidet aber auch unter einer mäßigen Übersetzung und schwacher Dialogregie. Wenn nicht gerade jemand redet, machen die Zwischensequenzen zwar einen soliden Eindruck, allerdings gelingt es ihnen nicht, den Plot vernünftig voranzutreiben: Selbst dramatische Ereignisse in der Handlung werden nur beiläufig erwähnt oder gleich gar nicht gezeigt - ein Jammer, da der Spieler häufig daran erinnert wird, das Schicksal aller lebenden Völker liege in seinen Händen. Warum bekommt man diese Verantwortung nicht auch mal ab und an zu spüren? So plätschert der Plot zu lange vor sich hin und mündet schließlich in ein unbefriedigendes Finale.

Dabei hätte Bound by Flame reichlich erzählerisches Potenzial, es wird nur nicht richtig genutzt. Im Spielverlauf trifft man nämlich auf interessante Begleiter: So lernen wir etwa die offenherzige Zauberin Edwen kennen, die zwar nicht ihre dralle Oberweite, dafür aber ein dunkles Geheimnis vor uns verbirgt. Trotz der offenkundigen Anleihen an Biowares Morrigan weckt die unberechenbare Frau unser Interesse, immerhin bringt sie etwas Würze und Tempo in die Handlung. Später treffen wir auch den unsterblichen Mathras, ein gut gelaunter Typ, der seit 6.000 Jahren vor sich hingammelt und uns mit wüsten Frauengeschichten die Zeit vertreibt. Er sorgt für einige heitere Dialoge, die den ernsten Plot ein bisschen auflockern. Doch leider verschenken die Entwickler selbst bei solchen Figuren viele Möglichkeiten: Die versprochenen Romanzen haben wir auch bei zweimaligem Durchspielen nicht entdecken können und Reaktionen auf frühere Entscheidungen bekamen wir nur selten zu hören. Stattdessen stehen unsere Begleiter so wie alle anderen NPCs meist stumm in der Gegend rum und warten darauf, dass wir einen von ihnen für unsere Gruppe auswählen. Überhaupt wirkt die Spieltwelt zu keinem Zeitpunkt wirklich lebendig: Tag-und-Nacht-Wechsel sorgen zwar für optische Abwechslung, aber nicht für mehr Dynamik, da NPCs weder Tagesabläufe haben noch irgendwelchen Tätigkeiten nachgehen - spielerisch ist das Feature also ziemlich sinnlos.

Leblose Spielwelt

Hin und wieder fordert der Dämon unseren Helden auf, ihm mehr Macht und Einfluss zu gewähren. Quelle: PC Games Hin und wieder fordert der Dämon unseren Helden auf, ihm mehr Macht und Einfluss zu gewähren. Obwohl das Spiel zu Beginn noch einen ordentlichen Eindruck macht, wird das Leveldesign mit der Zeit immer enttäuschender: Nach dem kurzen Tutorial verbringen wir zunächst einige Stunden damit, einen Sumpf mitsamt nahe gelegenem Dorf zu erkunden - ein stimmungsvolles, aber auch eintöniges Setting voll immergleicher Monster. Zumindest gibt's hier aber genügend Schätze und Quests zu entdecken, sodass unsere Motivation anfangs noch geweckt ist. Dieser Eindruck vergeht in der zweiten Spielhälfte, wenn wir eine zugefrorene Einöde erreichen, in der es außer Zombies, Geröll und Eisbrocken einfach nichts Spannendes zu sehen gibt. Nach einem ebenso tristen Abstecher in eine mausetote Elfenstadt erkunden wir gegen Ende schließlich eine erschreckend lieblos gestaltete Festung, für die sich die Leveldesigner nicht mehr einfallen ließen, als uns immer wieder die gleichen, übertrieben starken Gegnergruppen vor die Füße zu spawnen. Langweilig! Passend dazu lässt gegen Spielende auch die Qualität der Nebenquests kräftig nach - das ist besonders schade, da wir in den Stunden zuvor auch durchaus interessante Aufträge erlebt haben: Da sollen wir etwa einen Zombie-Soldaten per Gedankenkraft verhören, einen Verräter in unseren Reihen entlarven oder entscheiden, ob wir eine gefährliche Hexe aus ihrem unmenschlichen Gefängnis befreien. Solche Momente zählen zu den Highlights des Spiels und trösten etwas über die schwache Rahmenhandlung hinweg.

Zwischen Anspruch und Frust: Das Kampfsystem

Gut gemeint, aber spielerisch ziemlich sinnlos: In manchen Situationen können wir uns an Gegner heranschleichen, um so einen ersten, kritischen Treffer anzubringen. Das bringt vor allem in späteren Spielstunden herzlich wenig, da Feinde fast immer in Gruppen auftreten und man sowieso mehrere Gegner am Hals hat. Das überflüssige Schleichen ist aber noch das kleinste Problem des Kampfsystems, das gerne taktisch sein will, dabei aber viel zu oft für Frust sorgt.

Schon auf dem zweiten der vier Schwierigkeitsgrade hauen die Monster und Zombies dermaßen stark zu, dass wir ständig mit Ausweichen und Blocken beschäftigt sind - sofern der Gegner uns nicht direkt mit einer magischen Attacke von den Füßen fegt und wir wehrlos am Boden liegen. Vulcan zieht zwar immer mit einem KI-gesteuerten Begleiter in die Schlacht, doch der ist leider auch keine große Hilfe: Die Kameraden gehen schon nach wenigen Treffern zu Boden und richten selbst kaum Schaden an - da nützt es auch nicht viel, dass wir die Verhaltensweise des Begleiters in einem simplen Menü grob festlegen können. Da wir die KI-Freunde auch nicht ausrüsten oder weiterentwickeln dürfen, sind wir in den zähen Kämpfen auf uns allein gestellt.

Die Kampfanimationen sind gut und wuchtig umgesetzt. Quelle: PC Games Die Kampfanimationen sind gut und wuchtig umgesetzt. Wenn wir dann mal selbst zuschlagen, machen die Gefechte anfangs durchaus Spaß, denn unsere Attacken sind fein animiert und fühlen sich wuchtig an. Da es aber nur zwei Kampfstile (schwere Waffen und Dolche) mit einer kleinen Auswahl an Bewegungen und Spezialattacken gibt, werden die Auseinandersetzungen im Laufe der Spielzeit immer eintöniger und anstrengender. Vulcan kann zwar Fallen aufstellen und Feinde auf Distanz mit seiner Armbrust beschießen, doch das macht die Gefechte weder fairer noch spannender: Vor allem gegen Spielenende trifft man auf so viele starke Gegner, dass es keine Schande ist, den Schwierigkeitsgrad eine Stufe runterzuregeln, um die Keilereien einfach hinter sich zu bringen. Sonst verbringt man viel Zeit damit, um Gegner herumzulaufen und zu warten, bis sich die eigenen Lebens- und Manapunkte etwas erholt haben. Oder man versucht, einen Feind aus einer Gruppe rauszulocken und schnell niederzuknüppeln, bevor die anderen Monster nachrücken - man fühlt sich dabei zwar nicht wie ein Held, kommt aber zumindest vorwärts.

Durch seinen dämonischen Passagier erlernt Vulcan auch einige Feuerzauber, die aber arg unspektakulär ausfallen: Die dürren Feuerbällchen, die wir so verschießen, hauen gegen Spielende keinen müden Zombie mehr um. Viel nützlicher ist da die Möglichkeit, Vulcans Angriff und Verteidigung für ein paar Sekunden mit Buffs zu verbessern - das sorgt zwar nicht für mehr Spieltiefe, steigert aber Vulcans Überlebenschancen erheblich. Wir würden trotzdem niemandem raten, zuviele Upgrade-Punkte in das Magiesystem (oder gar in das Schleichen) zu investieren, dazu sind die Auseinandersetzungen einfach zu stark auf Nahkämpfe ausgelegt.

Beutejäger kommen auf ihre Kosten

Vulcans Flammenmagie fällt bescheiden aus, Feuerbälle fühlen sich oft nutzlos an. Quelle: PC Games Vulcans Flammenmagie fällt bescheiden aus, Feuerbälle fühlen sich oft nutzlos an. Simpel gelöst: Für Levelaufstiege gibt's Upgrade-Punkte, die wir in drei kleine Talentbäume verteilen. Dazu dürfen wir einige passive Eigenschaften freischalten, die Vulcan beispielsweise mehr Lebenspunkte oder Mana gewähren. Auf den ersten Blick ein solides System, das nach einer Weile aber auch Schwächen zeigt: Neue Kampftalente und aktive Spezialkräfte gibt es nur ganz am Ende eines Talentbaums, davor schaltet Vulcan lediglich bessere Werte für seine normalen Attacken und Zauber frei. Wer sich also nicht früh auf ein bis zwei Bäume spezialisiert, muss lange mit den immergleichen Angriffen auskommen. Und wer sich verskillt, der muss damit leben: Eine Respec-Funktion gibt es nicht in Bound by Flame.

Einen besseren Eindruck hinterlässt die Ausrüstung: Zwar gibt es nur sehr wenige Waffengattungen (Schwerter, Äxte und Dolche), doch immerhin findet man diese in einer ordentlichen Auswahl. Neue Waffen und Rüstungsteile sind überall in den Levels verborgen und bieten meist mehrere Sockelfassungen. In diese können wir über ein simples Crafting-System kleine Upgrades einbauen, um die Ausrüstung an unsere Bedürfnisse anzupassen. Allerdings fallen die Verbesserungen der Statuswerte sehr gering aus - selbst in dicker Plattenrüstung fühlt sich unser Held darum nie wirklich mächtig an.

Info zu Versionen und Wertung: Wir spielten die PC- und die PS4-Fassung durch. Die PS3- und Xbox-360-Versionen lagen uns nicht zum Test vor, daher verzichten wir für diese Ausgaben noch auf eine Wertung. Bound by Flame erscheint nicht für Xbox One.

Kopierschutz der PC-Fassung: Bound by Flame muss über Steam aktiviert werden.

Meinung

Wertung zu Bound by Flame (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Bound by Flame (PS4)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Nette Grundidee: Ein vom Dämon besessener HeldEtwas Wiederspielwert durch Quest-EntscheidungenEin paar hübsche Texturen und gute KampfanimationenEinige interessante Nebenfiguren und nette Nebenquests
Öde Handlung, die undramatisch präsentiert wirdVor allem im späteren Spielverlauf arg langweilige LevelsAuf Dauer anstrengende KämpfeÖdes Magie-SystemOft unpassender SoundtrackDurchwachsene deutsche Vertonung, viele Dialoge klingen zäh und abgelesenUninspirierte TalentbäumeDesign aus der Fantasy-Klischeekiste

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