Aus der verrückten Idee, Ego-Shooter mit Rollenspielen zu verschmelzen, wird Borderlands und damit die Geburt den Genres der Loot-Shooter. Wir schauen im Retro-Special auf die Entstehung zurück.
Genre-Gründer und Auftakt einer großen Marke
Insgesamt fiel die Resonanz auf Borderlands bei Kritikern weltweit sehr positiv aus. Zwar hat das Spiel keine Fabelwertungen eingefahren, aber durch die Bank weg mit meistens über acht von zehn Punkten gut abgeschnitten. Das machte sich auch an der Ladentheke bemerkbar. Zwei Monate nach Release konnte 2K-Mutterkonzern Take-Two bereits zwei Millionen verkaufte Exemplare verkünden.
Ein Quartal später war die Zahl um eine weitere Million gestiegen. Die letzte offizielle Verkaufszahl aus dem August 2011 beläuft sich auf 4,5 Millionen. Seitdem wurden das Spiel noch in Neuauflagen und auf neuen Plattformen wie PS4 und Xbox One veröffentlicht, die für weitere Verkäufe gesorgt haben dürften.
Der Start des Loot-Shooter-Genres in eine goldene Zukunft war geglückt. Bei Gearbox ruhte man sich jedoch nicht auf diesen Lorbeeren aus. Noch während Borderlands vor seinem Launch in der physischen Produktion war, begannen die Arbeiten am ersten DLC The Zombie Island of Dr. Ned. Das Team war zu dem Zeitpunkt so sehr im Flow, was die Produktion von Borderlands-Inhalten angeht, dass der DLC schon wenige Wochen nach dem Hauptspiel erschien. Im ersten Jahr nach dem Release sollte Borderlands insgesamt vier große Erweiterungen erhalten.
Quelle: 2K Games
Drei Jahre nach Borderlands, legte Gearbox mit dem Nachfolger in allen Aspekten noch einen drauf und schuf mit Handsome Jack einen der ikonischsten Videospiel-Bösewichte.
Währenddessen liefen bei Gearbox zudem auch schon die Arbeiten an Borderlands 2. Der Nachfolger sollte schließlich die von Borderlands definierte Formel noch verfeinern und in vielen Aspekten besser und größer sein. Drei Jahre nach dem Erstling erschien der zweite Teil und setzte die Erfolgsgeschichte fort. Inzwischen umfasst die Reihe diverse Teile und Ableger. Neben dem 2019 erschienen Borderlands 3 und dem bevorstehenden Borderlands 4 gab es das von 2K Australia entwickelte Pre-Sequel. Dabei trafen die Entwickler nicht immer den Geschmack der Fans, was Randy Pitchford wie folgt beschreibt.
Mit Borderlands Legends erschien 2012 ein Strategiespiel für iOS-Geräte. Viel Begeisterung erzeugte 2014 Telltale mit dem Adventure-Ableger Tales from the Borderlands, der 2022 noch einen Nachfolger spendiert bekam. Ebenfalls aus dem Borderlands-Kosmos ging im gleichen Jahr Tiny Tina's Wonderlands hervor, das die Idee eines DLCs von Borderlands 2 aufgriff und zu einem eigenständigen Spiel ausweitete.
Quelle: 2K Games
Zum Borderlands-Universum gehört inzwischen sogar ein Ableger rund um die durchgedrehte Tiny Tina und ihre imaginären Fantasywelten.
Das Universum hat sich zudem inzwischen auch auf andere Medien ausgebreitet. Es gibt zahlreiche Comic-Serien, die zum Beispiel die Hintergrundgeschichten der Original-Kammerjäger behandeln. Hinzu kommen drei Romane mit Abenteuern von Roland und Mordecai sowie ein weiterer Roman basierend auf Tales from the Borderlands. Mit Borderlands: Tiny Tina's Robot Tea Party erschien vor einigen Jahren sogar ein Kartenspiel. Und dann gibt es da ja noch den Kinofilm von Eli Roth aus dem Jahre 2024, über den wir aber lieber den Mantel des Schweigens hüllen.
Das Vermächtnis von Borderlands
Das größte Vermächtnis von Borderlands ist ohnehin nicht die Größe, die die Marke inzwischen erreicht hat. Dem Spiel gebührt die Ehre, der Urvater eines Genres zu sein, das sich heute sehr großer Beliebtheit erfreut. Wer weiß, ob es Dauerbrenner wie Destiny, Warframe oder The Division in der Form je gegeben hätte ohne die Grundlagen, die Borderlands gelegt hat.
Dabei hat das Spiel nicht mal irgendein Rad neu erfunden, sondern nur existierende Räder auf interessante und bisher unbekannte Weise neu zusammengesetzt. Angetrieben von der verrückten Idee von ein paar Shooter-Entwicklern, dass man dieses kurzfristig befriedigende Gefühl von schneller Action doch irgendwie auch mit der langfristigen Erfahrung einer RPG-Charakterentwicklung vereinen können muss.
Mit der Entschlossenheit, diese Vision umzusetzen, und dem Mut kurz vor der Ziellinie nochmal einschneidende Veränderungen vorzunehmen, ist den Entwicklern von Gearbox ein außergewöhnliches Werk gelungen. Zu Recht hat sich Borderlands damit auf jeden Fall seinen Platz in der Videospiel-Geschichte verdient. Als einer der Titel, die einen prägenden Beitrag zur Entwicklung des Mediums geleistet haben.
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