Blacksad: Under the Skin im Test - dieses miese Adventure geht unter die Haut
Test 17,99 €
Ermittlungsarbeit ist nicht immer einfach. Allerdings macht es euch Blacksad: Under the Skin durch technische Probleme schwerer, als es sein müsste.Wir haben trotzdem unseren Detektivhut gezückt und uns für unseren Test in die eigentlich interessante Welt des Abenteuers begeben. Wo der Titel trotz all der Probleme zumindest ein bisschen glänzt, erfahrt ihr hier.
John Blacksad ist ein schwarzer Kater und Privatdetektiv im New York der 1950er-Jahre. Comicleser kennen seine Noir-Abenteuer aus den bislang fünf veröffentlichten Bänden, das Videospiel basiert aber auf keiner der Geschichten, ist also auch für Fans neu - zumindest teilweise, denn Orte und Figuren wurden partiell aus dem ersten Band "Irgendwo zwischen den Schatten" entnommen.
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Man merkt, dass Entwickler Pendulo mit einem Auge fürs Detail an die Umsetzung der Vorlage gegangen ist, Blacksads Büro zum Beispiel entspricht minutiös dem aus der Comic-Vorlage, vom Telefon mit Wählscheibe auf dem Schreibtisch mit der herumliegenden Zeitung bis zur Unordnung auf der Kommode und den Bildern an der Wand. Auch die antropomorphen Tiergestalten sehen gut aus, allerdings nur, wenn sie sich nicht bewegen. Denn trotz einer spannenden Detektivgeschichte und wundervoller Jazz-Musik als Untermalung wird Blacksad: Under the Skin (jetzt kaufen 10,30 € / 17,99 € ) der fantastischen Vorlage nicht gerecht. Die meiste Schuld daran trägt die miese technische Umsetzung, vor allem im Falle der Switch-Fassung.
Auf Spurensuche
Nicht nur im portablen Betrieb, auch im gedockten Modus läuft Blacksad in seinen schlechtesten Momenten wie ein Daumenkino. Da dies meistens bei Actionsequenzen der Fall ist, erschwert dieser Umstand auch die rechtzeitige und korrekte Ausführung von Quick-Time-Events. Störend sind die Ruckler aber immer, weil sie so extrem ausfallen.
Quelle: PC Games
Im Untersuchungsmodus nutzt ihr eure Augen, Ohren und den Geruchssinn, um Hinweisen nachzugehen. Sonia etwa sieht nicht aus, als hätte sie geweint.
Dazu kommen sehr niedrig aufgelöste Texturen, wenn sie überhaupt geladen werden. Die Aussicht aus dem Bürofenster über die Dächer New Yorks ist deshalb statt atmosphärisch einfach nur traurig. Mimik und Gestik der Charaktere sind steif und roboterhaft, die lange Pausen zwischen Dialogzeilen nerven. Apropos Pausen: Macht euch auf ausufernde Ladezeiten gefasst, sowohl beim Start des Spiels, als auch immer wieder mittendrin. Kürzere Unterbrechungen kommen dann vor, wenn ihr den Schauplatz oder in den Untersuchungsmodus wechselt. Sobald ihr Hinweise kombinieren wollt, ist die verschwommene, flimmernde Schrift kaum zu erkennen. Das waren noch lange nicht alle Probleme, aber zumindest die wichtigsten. Immerhin begegneten uns keine Bugs, die ein Voranschreiten permanent hinderten. Aber das ist kein Umstand, der besonderes Lob verdient. Auf PC, PS4 und Xbox One läuft das Spiel besser, im Endeffekt aber auch nur marginal.
Die guten Seiten
Quelle: PC Games
Viele bekannte Figuren aus den Comics tauchen auch im Spiel auf, etwa der Reporter Weekly rechts im Bild.
Der technische Zustand des Spiels ist umso trauriger, da hinter Blacksad tatsächlich eine interessante, stimmungsvolle Geschichte steckt und man trotz all der Stolpersteine wissen möchte, wie sie ausgeht. Die Zutaten sind klassisch, aber bekömmlich: Ihr werdet von Sonia Dunn, der Tochter von Joe Dunn angeheuert. Der Gute betrieb einen Box-Club, wurde erhängt im Ring aufgefunden und seitdem ist auch noch der Champ des Studios spurlos verschwunden. Ihr ermittelt am Tatort, sammelt Hinweise und schnüffelt herum, redet mit Zeugen und eurer Klientin und bekommt zwischendurch immer wieder Details aus der turbulenten Vergangenheit des Protagonisten Blacksad mit. Wie es der Kater mit der Moral hält, liegt dabei in euren Pfoten, äh, Händen. Gleich am Anfang bestimmt ihr, ob er das Bestechungsgeld eines fremdgehenden Ehemannes annimmt oder dessen Frau die Wahrheit erzählt.
Dementsprechend warten nach etwa acht Stunden unterschiedliche Enden auf euch. Ansonsten ist der Verlauf des Abenteuers aber ziemlich linear. Für die jüngeren Spieler ist Blacksad wegen der düsteren Story und der Gewalt nicht geeignet, thematisch orientiert sich der Titel an klassischen Noir-Filmen und scheut auch nicht vor der Darstellung von Rassismus, Kriegstraumata und Frauenfeindlichkeit zurück.
All die Stärken des Spiels, die es natürlich zum großen Teil der exzellent ausgearbeiteten Vorlage zu verdanken hat, haben jedoch keine Chance gegenüber den technischen Unzulänglichkeiten, die die Spaßflamme in dem Moment ersticken, in dem sie wieder entflammt. Ohne einen umfangreichen Patch, der zumindest die nervigsten Probleme behebt (das Ruckeln und die unlesbare Schrift beim Hinweiskombinieren), ist Blacksad: Under the Skin kein Adventure, das man Möchtegern-Detektiven empfehlen kann.
