Und als ob das nicht schon cool genug wäre, ließen es sich die Entwickler auch nicht nehmen, die Zerstör- ungsvor-gänge etwas aufzupeppen. Schmeißen Sie beispielsweise eine Granate in ein Gebäude, dann fallen nicht einfach nur ein paar Ziegel vom Dach, sondern riesige Explosionsfeuer brechen durch die Fenster, Glas zersplittert, die halbe Wand fliegt weg und Sie haben das Gefühl, Ihre Handgranate wäre in Wahrheit mit fünf Kilogramm Plastiksprengstoff gefüllt! Das mag nicht realistisch sein, sieht aber genauso aus wie in einem guten Actionfilm der Achtziger!
I'll be back!
Diese optische Ähnlichkeit zum Medium Film ist übrigens kein Zufall. Alex Ward, Creative Director des Spiels, gibt es ganz offen zu: "Viele Menschen lieben Actionfilme. Wir wollten die Action von der Leinwand direkt ins Wohnzimmer bringen." Ob Terminator, Stirb langsam, True Lies oder The Rock, Fans dieser Actionklassiker werden immer wieder Stellen im Spiel entdecken, die eindeutig von diesen Zelluloid-Vorlagen inspiriert wurden.
Dabei verstehen es die Entwickler ganz hervorragend, die Xbox-Technik zu nutzen. Zwar bieten Titel wie Halo 2 oder Chronicles of Riddick edlere Texturen und fortschrittlichere Technik, doch im Gegenzug läuft Black mit absolut konstanten 30 Bildern pro Sekunde und wertet die Grafik mit zahlreichen Effekten und Farbfiltern auf. Bringt man dann noch die Zerstörbarkeit der Umgebung und die unglaubliche Masse an Action auf die Rechnung, muss sich Black nicht hinter seinen Konkurrenten verstecken.
Storyboard vom Bierdeckel
Anders sieht es beim Inhalt aus, doch wenn man ganz ehrlich ist, gehört die Story auch bei den genannten Filmen nicht gerade zum Kern der Faszination. Die Geschichte von Black ist kaum vorhanden und untypisch inszeniert. Zwei echte Schauspieler sitzen in einem Verhörraum und lassen die Ereignisse der Vergangenheit Revue passieren.
Dieses Kammerspiel wird zwar optisch mit schnellen Schnitten und einer Flut von Effekten aufgepeppt, interessiert aber letztlich niemanden so recht. Innerhalb des eigentlichen Spiels hören Sie gelegentlich einen Funkspruch, ansonsten dominieren die Waffensounds und die (russischen) Rufe Ihrer Gegner die Akustik. In spannenden Momenten setzt der aufwendig produzierte Orchester-Soundtrack ein, ansonsten ist die Welt von Black merkwürdig still.
Wem das so überhaupt nicht in den Kram passt, der dürfte mit Freuden zur Kenntnis nehmen, dass sich eigene Soundtracks ins Spiel einbinden lassen. Wer also schon immer mal einen ganzen Straßenzug zu den Klängen von Metallicas "Seek & Destroy" zerlegen wollte, wird so schnell keine bessere Gelegenheit dazu bekommen.
Fast-Food
Quelle: Criterion
Im Prinzip ist Black also eine Art Serious Sam mit realistischem Setting und anspruchsvoller Levelarchitektur und hätte Lob und Auszeichnungen verdient. Ein Hit ist es allemal, doch für höchste Wertungsweihen ist das Gebotene einfach zu wenig. Nach sechs Stunden locken lediglich höhere Schwierigkeitsgrade und aufgewertete Waffen mit silbernem Look.
Bonusmaterial fehlt ebenso schmerzlich wie ein Mehrspielermodus. Gerade Letzterer hätte mit der vorhandenen Spielmechanik und Levelgestaltung sicherlich eine Menge Spaß bereitet. So bleibt Criterions Ausflug ins Shooter-Fach eine spaßige und brachial inszenierte Spielerfahrung, die einen etwas faden Nachgeschmack hinterlässt.
