Bear With Me - The Complete Collection im Test: Tolles Adventure mit viel Charme - jetzt mit Video!
Test
Das kroatische Entwicklerstudio Exordium Games entführt uns mit dem vier Episoden umfassenden Point&Click-Adventure Bear With Me in die facettenreiche Fantasiewelt der zehn Jahre alten Amber. Das schwarzweiße Abenteuer brilliert ganz besonders auf narrativer Ebene, überzeugt aber auch darüber hinaus. Wir klären im Test, warum Genre-Veteranen sowie Neulinge das Abenteuer im Noir-Stil unbedingt auf dem Schirm haben sollten.
Im Mystery-Adventure Bear With Me begleiten wir die zehnjährige Amber und ihren mürrischen Teddy "Ted I. Bear", einen pensionierten Privatschnüffler, auf einem gar nicht so knuffigen Abenteuer, wie man zu Anfang vielleicht vermuten würde. Die facettenreiche Krimi-Geschichte fokussiert sich auf die Suche nach Ambers vermissten Bruder Flint und das plötzliche Auftauchen eines mysteriösen Brandstifters, der es auf die Stadt Paper City und ihre tierischen Einwohner abgesehen hat. Die Hauptgeschichte von Bear With Me wird in den ersten der drei Episoden erzählt.
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Passend zur Veröffentlichung der Complete Edition packt der kroatische Entwickler noch eine brandneue, vierte Episode oben drauf: The Lost Robot erzählt eine Prequel-Geschichte, die sich statt auf Amber auf ihren Bruder Flint konzentriert. Wie der Name schon vermuten lässt, verschwinden zahlreiche Roboter aus Paper City. Und wer ist besser geeignet, sich dieses Falles anzunehmen als der in der Stadt durchaus respektierte Privatdetektiv Bear? Die sympathische Amber ist leider verhindert und so machen sich Ted und Flint auf, den Übeltäter zu finden und zu stellen. Ohne uns in Spoilergefilde zu begeben, können wir sagen, dass die neue Episode sich trotz eigenständigem Ansatz gut in den Hauptplot einfügt und diesen sogar durch interessante Aspekte erweitert.
Ein fesselnder Mix aus kindlicher Fantasie, düsterer Mystery und tollem Humor
Doch zurück zur Haupthandlung. Unser Abenteuer beginnt nicht in einer düsteren Gasse, in der wir einen Mordfall untersuchen, oder einer verqualmten Lokalität voller deprimierter Trunkenbolde. Die Geschichte von Bear With Me beginnt im gemütlichen Kinderzimmer der jungen Amber. Die Giraffe Millie reißt unsere Protagonistin aus einem Alptraum und warnt vor dem Ausnahmezustand, der in Paper City herrscht. Ein geheimnisvoller Brandstifter, welcher "der rote Mann" genannt wird, verbreitet Angst und Schrecken. Millie kam mit dem Ziel zu Amber, sie und ihren Bruder vorerst aus der Stadt fernzuhalten. Bei ihrer Ankunft musste sie jedoch feststellen, dass Flint nicht aufzufinden ist. So sieht sich Amber gezwungen, den Kontakt zu ihrem alten Partner, dem Privatschnüffler Ted I. Bear, zu suchen. Zwar haben sich die beiden in der Vergangenheit ordentlich ins Fell gekriegt - zusätzlich befindet sich der mürrische Teddybär auch noch im Ruhestand -, aber die brenzlige Situation lässt der Zehnjährigen keine anderen Optionen.
Quelle: Exordium Games
Bear With Me lebt vom einzigartigen Setting und den toll geschriebenen Charakteren, die sich überall in Paper City finden lassen.
Praktisch, dass der Detektiv unseres Vertrauens sich ganz in unserer Nähe befindet. Wir finden sein Büro sogar im selben Raum: in Ambers Kleiderschrank. Das intensive Zusammentreffen des Duos strotzt vor verletzten Egos, Sticheleien und doch einem nicht zu übersehenden gegenseitigen Vertrauen. Kein Wunder also, dass es Amber gelingt, den Bären für sich zu gewinnen. Nach erfolgreicher Überredungsarbeit widmen sich unsere Protagonisten Flints Verschwinden und der Situation von Paper City. Die Story rund um Bear und Amber beeindruckt dabei vor allem durch einen gekonnten Mix aus typischen Noir-Elementen, abwechslungsreichen Charakteren und einer durchweg fesselnden Grundstimmung. Über all dem stehen die sympathischen Dialoge, die mit cleveren Witzen und unzähligen popkulturell intelligent gesetzten Anspielungen aufwarten.
Quelle: PC Games
Nach jedem Kapitel erzählt Ted im Noir-Stil über die bisherigen Ereignisse und seine Gedanken zu dem Fall. Die Inszenierung erinnert dabei an eine Graphic Novel und strotzt nur so vor Liebe zum Detail.
Das Herz von Bear With Me bildet ganz klar das Detektiv-Duo. Ambers Optimismus und ihr fröhliches Wesen treffen mit einer faszinierenden Wucht auf die verbitterte und pessimistische Persönlichkeit des Bären. Dabei hält sich Amber keinesfalls zurück mit kleinen Sticheleien bezüglich Teds grummeliger Art oder seiner zu starken Vorliebe für den ein oder anderen "Karottensaft". Die große Stärke von Bear With Me ist somit, wie es sich bei einem Adventure gehört, die Geschichte und die Art, wie sie erzählt wird. Spannung, Witz, Horrorelemente und sehr emotionale Momente sind großartig miteinander verknüpft und bieten zusammen eine auf allen Ebenen unterhaltsame Spielerfahrung. Gegen Ende von Episode 3 erhält das Spiel, ohne hier zu viel zu spoilern, noch eine interessante neue Facette, welche die Qualität der Handlung noch einmal emporhebt. Erwischt man sich bei den Credits dabei, das Abenteuer gleich ohne Verschnaufpause von vorne beginnen zu wollen, dann ist das vor allem eines: ein Qualitätsmerkmal.
Liebenswürdige Charaktere & tolle Dialoge mit cleveren popkulturellen Referenzen
Die Einwohner von Paper City sind zwar allesamt schräge Persönlichkeiten, unterhalten aber auf einem so hohen Level, dass wir zu keinem Zeitpunkt des Abenteuers die Lust an den Dialogen verlieren. Die Inszenierung der Gespräche ist zwar ab und an etwas langatmig, hat man sich daran aber erst einmal gewöhnt, dann taucht man mit viel Freude in die Beziehungen der Figuren untereinander und deren Dynamiken ein. Die Dialoge sind clever geschrieben und helfen mit, die Geschichte zu erzählen. Ein Hai als zwielichtiger Untergrund-Boss oder der Bürgermeister in Form eines Schweines sind da nur wenige der vielen tollen Charaktere in Paper City.
Quelle: PC Games
Die popkulturellen Anspielungen sind über das ganze Spiel verstreut. Von aktuellen Blockbustern bis hin zu alten Spieleperlen ist alles vertreten.
Popkulturelle Referenzen finden sich zuhauf über das ca. sechsstündige Abenteuer verteilt und sorgen bei uns immer wieder für laute Lacher. Bear With Me verfügt zwar nur eine englische Sprachausgabe, diese ist aber extrem gelungen, abwechslungsreich und gibt den unterschiedlichen Charakteren viel Persönlichkeit und Charme. Die Texte und Untertitel sind in insgesamt sechs Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch.
Spaßige, abwechslungsreiche Knobeleien auf solidem Niveau
Die Rätsel bewegen sich auf einem soliden Niveau, erwartet vom Spieler aber etwas zu wenig kreatives Vorgehen. Oft lässt sich des Rätsels Lösung bereits durch einen kurzen Blick ins Inventar erahnen, was zwar gut für Einsteiger des Genres, bei Veteranen aber sicherlich als Minuspunkt zu verbuchen ist. Die Knobeleien sind aber immerhin abwechslungsreich gestaltet. Mal finden wir uns hinter einer Theke wieder und sollen den richtigen Drink mixen, mal die Einzelteile eines zerstörten Roboters zusammensuchen und ihn wieder auf Vordermann bringen, um an wichtige Informationen für unserem Fall zu kommen. Ein störendes Merkmal des Spiels ist der schwankende Anspruch. Hier hätten wir uns eine besser ausbalancierte Lernkurve gewünscht.
Der vermutlich größte Störfaktor des Adventures ist der sehr langsame Ablauf. Befiehlt man dem Hauptcharakter, sich von einer Ecke des Raumes zur anderen zu bewegen, dann kann das schon einmal eine gute Menge an Zeit schlucken. Die dichte Atmosphäre von Bear With Me lässt das aber schnell verzeihen. Die Kulissen des Noir-Adventures bieten viel Abwechslung und schaffen es, uns selbst zum Ende hin noch motiviert durch die Lokalitäten von Paper City streifen zu lassen. Die Noir-Inszenierung gepaart mit dem Cartoon-Stil gefällt und gibt dem Adventure einen einzigartigen Look mit viel Wiedererkennungswert.
