Battle Chasers: Nightwar: Spielerisch klassisches Rollenspiel, das sein Potenzial nicht ausschöpft
Test 29,99 €
Die Mischung macht's: Das Entwicklerstudio Airship Syndicate kombiniert für Battle Chasers: Nightwar westliches Artdesign à la Darksiders mit japanischer Rundentaktik. Doch geht der Mix auch auf? Wir verraten euch im Test, für wen Battle Chasers: Nightwar das richtige Spiel ist.
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1998. Der amerikanische Comiczeichner Joe Madureira hat mit der Serie Battle Chasers gerade einen sensationellen Meilenstein geschaffen. Das düstere Fantasywerk begeistert nicht nur durch seine ebenso finstere wie detaillierte Welt, sondern auch durch seine aufwendigen Zeichnungen, die mit bulligen Rüstungen, muskelbepackten Monstern und voluminösen Rundungen sofort ins Auge fallen.
Der Erfolg ist jedoch nicht von langer Dauer, drei Jahre später muss Madureira aufgrund immer größerer Veröffentlichungsabstände mit Ausgabe 9 vorläufig beenden. Wir springen ins Jahr 2017: Battle Chasers befindet sich nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne in Form eines Spiels für PC und Konsolen wieder in aller Munde und möchte neben den alten Comicfans vor allem Freunde des Genres rundenbasierter JRPGs für sich begeistern. Ein passender Gedanke, immerhin lieferten diverse Serien aus Nippon bereits die artistische Vorlage für Madureiras Comic.
Vom Papier auf den Bildschirm
Wer das gedruckte Original kennt, wird mit den Charakteren sofort vertraut sein, denn alle Hauptfiguren haben ihren Weg nach Nightwar
Quelle: N-Zone
Auf der stilvollen, wenn auch etwas sterilen Karte steuert ihr Dungeons und andere Gebiete an und nehmt es mit Gegnern auf, die regelmäßig den Weg versperren.
gefunden. Nach dem Verschwinden ihres Vaters ergreift die junge Gully seine mächtigen Kampfhandschuhe und macht sich, in Begleitung ihrer Kameraden Garrison, Calibretto, Monika und Knolan, auf die Suche nach ihm. Das Luftschiff der Truppe wird allerdings über der mysteriösen Halbmondinsel angegriffen und zur Notlandung gezwungen, woraufhin sich die Helden aus den Augen verlieren. Erst später im Verlauf des Abenteuers wird klar, dass eine geheimnisvolle Totenbeschwörerin ihre Klauen im Spiel hat. Zugegeben, Nightwar punktet nicht unbedingt mit dem innovativsten Plot und bleibt bei der Charakterentwicklung die meiste Zeit über sehr oberflächlich. Dafür setzt das Spiel seine Prioritäten lieber klar auf das Gameplay.
Auf einer Übersichtskarte steuert ihr die Heldentruppe über feste Knotenpunkte durch die Spielwelt, was durch die vorgegebenen Pfade ein wenig an eine Art Brettspiel erinnert. Zufallskämpfe gibt es keine, dafür könnt ihr der Konfrontation auf dem Weg vor euch nicht ausweichen. Sobald die Schwerter gezückt werden, wechselt das Geschehen in die Kampfansicht, wo sich Freund und Feind gegenüberstehen. Bis zu drei Helden können gleichzeitig an einem Gefecht teilnehmen und jeder bringt seine persönlichen Stärken mit. Gully übernimmt ihrer zierlichen Gestalt zum Trotz die Rolle des Tanks, Garrison hingegen konzentriert sich vollends auf die Offensive.
Beeindruckende Kämpfe
Quelle: N-Zone
Die Verliese erinnern stark an Diablo und laden zum Erkunden ein. Hier gibt es viel abzustauben und auch das eine oder andere Rätsel zu lösen.
Die Reihenfolge, wann welche Figur eine Aktion ausführen kann, wird mithilfe des Initiativesystems ermittelt, das auf der linken Bildschirmseite angezeigt wird. Wichtig ist hierbei aber auch, ob euer gegenwärtig ausgewählter Charakter Aktionen oder Fähigkeiten einsetzt. Erstere werden sofort ausgeführt und sind im Wirkungsgrad nicht allzu kampfentscheidend. Fähigkeiten hingegen erfordern neben Mana-Einsatz auch ein bisschen Vorbereitungszeit. Der Pool an magischer Energie ist das ganze Spiel über recht begrenzt, weshalb ihr ausgiebig Gebrauch vom Kraftreserve-Feature machen solltet. Für einfache Angriffe füllt sich so nämlich eine Art rotes Bonus-Mana, das ihr nur für den aktuellen Kampf nutzen könnt. Hierdurch steht man jederzeit vor kniffligen Entscheidungen. Soll man zunächst seine Reserven aufbauen? Oder lieber gleich mit mächtigen, aber kostenintensiven Fähigkeiten in die Vollen gehen? Gepaart mit unzähligen Talenten, über 150 Gegnertypen und tollen Animationen ist der rundenbasierte Kampf das Hoheitsgebiet von Nightwar.
Quelle: N-Zone
Die Kämpfe sind recht knackig und ziehen sich in Ermangelung einer Beschleunigungs-Funktion etwas in die Länge.
Probleme weist das Spiel aber bei der eigenen Ausbalancierung auf. Spätestens ab dem dritten der insgesamt acht Hauptdungeons treten hin und wieder stärkere Gegnerscharen auf, die eurer Truppe klar überlegen sind. Um gegen die harten Bossgegner anzukommen, müsst ihr daher auch mal grinden. Auch bessere Ausrüstung findet sich in Nightwar erheblich schwieriger als man zunächst glauben mag - oder sie ist aufgrund spärlich verteilter Goldhaufen kaum zu bezahlen. Fehlende Komfortfunktionen wie etwa das Beschleunigen des Kampfgeschehens, wenn man gegen unterlegene Feinde antritt, untermauern das eh schon langsame Spieltempo - gut ein Viertel der rund 25 Stunden Spielzeit fließt in den nötigen Grind. Klar, Animationen und Spielumgebung sind hübsch - aber dies ist kein Grund, das Tempo des Spiels dermaßen herunterzudrosseln.
Akustische Debuffs
Quelle: N-Zone
Mit genügend Gold – wovon ihr grundsätzlich immer zu wenig habt – könnt ihr eure Stadt mit der Zeit ausbauen und bei den Händlern wertvolle Ausrüstung kaufen.
Wo wir das Thema Geschwindigkeit gerade schon ansprechen. Unnötig gebremst wird das Spieltempo auch durch die langen Ladezeiten beim Wechsel von Weltkarte zu Dungeons und teilweise auch beim Start eines Kampfes. Außerdem kommt es zu gelegentlichen Rucklern und auch die Musikuntermalung schwächelt etwas. Zwar werden ungewöhnliche Klänge mit einer Mischung aus japanischer Geige und Electrosounds geboten, doch wirklich motivierende Tracks für das Kampfgeschehen sind eine absolute Seltenheit. Auch überzeugen längst nicht alle deutschen Sprecher, ausgerechnet Gully kommt zu gezwungen und übermotiviert rüber und bei den deutschen Texten gibt es hin und wieder kleinere Flüchtigkeitsfehler. Eine nicht ganz saubere Abmischung bei der Lautstärke sorgt für weiteren Frust im Gehörgang, trübt den Spielspaß in seiner Gesamtheit aber nur unwesentlich.
