Arkham Knight im Test: Starkes Gameplay, schwache Sidequests
Test
Das dramatische Batman-Finale im Test: Allen Fans des Dunklen Ritters macht Rocksteady nochmal ein letztes großes Abschiedsgeschenk. Arkham Knight ist riesig, packend, aufregend inszeniert - und doch kein Spiel-des-Jahres-Kandidat. Warum der letzte Batman nicht ganz an die Vorgänger heranreicht und weshalb PC-Spieler vorerst in die Röhre gucken, klärt der spoilerfreie Test.
Arkham Knight: Eintönige Nebenaufgaben
Bei manchen Sidequests hat Rocksteady dafür unerwartet geschlampt. Viele sind grundsätzlich gut gemeint, zum Beispiel eine Mordserie zu untersuchen, Feuerwehrleute zu retten oder Banküberfälle zu vereiteln. Doch die meisten dieser Aufgaben bestehen aus zig Etappen, die sich einfach nur wiederholen. Das gilt besonders für den Kampf gegen die Armee des Arkham Knight: Im Spielverlauf befreien wir zig besetzte Überwachungstürme, sprengen Minen und prügeln Militärstützpunkte leer – das läuft immer nach dem gleichen Muster ab, sodass uns das Gefühl beschleicht, die Entwickler wollen damit nur ein wenig die Spielzeit strecken und ihre riesige Welt füllen. Immerhin werden aber einige Story-Quests aus Arkham City diesmal zu Ende erzählt – geduldige Fans, die sich an den teils repetitiven Aufgaben nicht stören, dürfen sich also auf ein paar spannende Story-Momente freuen.
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Arkham Knight: Bekanntes Gameplay, genial inszeniert
Quelle: PC Games
Die Kämpfe sind noch beeindruckender choreografiert als in den Vorgängern. (PC)
An den großartigen Spielmechaniken der Vorgänger hat Rocksteady zum Glück nichts verändert, darum spielt sich das Finale abseits des Batmobils genauso wie Arkham City oder Arkham Origins: Das herrlich dynamische Schleichsystem funktioniert immer noch ausgezeichnet und ist dank einer aggressiveren Gegner-KI sogar noch einen Tick spannender geworden. Und dann ist da noch das gewohnt spektakuläre Nahkampfsystem, oft kopiert, aber eben nie ganz erreicht: Dank neuer Moves und Konter spielen sich die erstklassig animierten Prügeleien noch flüssiger als früher, hinzu kommt ein mächtiges Fear-Takedown-System, das brutal inszenierte Erstschläge erlaubt. Das Highlight der Gefechte sind diesmal aber die Begleiter: In ausgewählten Szenen kämpft Batman endlich Seite an Seite mit Catwoman, Nightwing oder Robin – das sind herrlich choreografierte Kloppereien, in denen man blitzschnell zwischen den Helden hin und her wechselt. Leider dürfen wir keinen der Sidekicks für längere Zeit steuern, um damit die Stadt zu erkunden und Nebenquests zu lösen, wie es in Arkham City noch mit Catwoman möglich war. Nur in einer einzigen Szene sind wir mal ein paar Minuten mit Robin unterwegs - davon hätten wir gern mehr gesehen!
Arkham Knight: Teurer Seasonpass (Update)
Auf einen Koop-Modus oder Multiplayer wie in Arkham Origins haben die Entwickler komplett verzichtet. Macht nix, dem Spiel mangelt es ohnehin nicht an Inhalt: Für die Hauptgeschichte kann man gute 15 Stunden einplanen; wer die Nebenquests lösen will, ist locker doppelt so lang beschäftigt. Wer schließlich noch alle Riddler-Trophäen sammeln und Puzzles knacken will, sollte noch mal 10 Stunden draufrechnen. Hat man wirklich alle Sidequests gelöst, bekommt man einen zusätzlichen Abspann serviert, der das (ohnehin dramatische) Ende erweitert. Und selbst damit soll noch nicht Schluss sein: Für Arkham Knight ist bereits ein Season Pass erhältlich, der das Spiel ein halbes Jahr lang um Quests, Superschurken, Skins, Challenge Maps und dergleichen erweitern soll, darunter auch Story-Missionen, die Batgirl in früheren Jahren zeigen. Ob das aber den absurd hohen Preis von 40 Euro rechtfertigt?
Darum unser Tipp zum Season Pass: Besser nicht die Katze im Sack kaufen, stattdessen lieber abwarten und erst mal schauen, welche Inhalte der Pass wirklich liefert! Zumal es rund ums Hauptspiel schon jetzt vor lauter DLCs, Sondereditionen und Vorbestellerinhalten nur so wimmelt. PS4-Spieler erhalten beispielweise einen Sony-exklusiven Story-DLC, in dem ihr mit Batman durch Scarecrows Albtraumwelten jagt. Vorbesteller bekommen dagegen das Red Hood Story Pack und das Harley Quinn Story Pack. Wem das alles zu viel ist, der kann natürlich auch einfach eine Weile abwarten, bis WB Games irgendwann die unvermeidliche "GOTY" oder Complete Edition veröffentlicht, wie es schon bei den Vorgängern der Fall war.
Update: Mittlerweile haben wir den Harley Quinn-DLC durchgespielt und berichten euch in einem eigenen Artikel, warum das Story-Häppchen trotz guter Ansätze eine Enttäuschung ist.
Arkham Knight: Die Probleme der PC-Version + neue Patch-Eindrücke (Stand: 9. September 2015)
Die PC-Fassung von Batman: Arkham Knight hat Rocksteady zusammen mit dem externen Studio Iron Galaxy umgesetzt, das schon an Batman: Arkham Origins beteiligt war. Leider nicht mit dem erhofften Erfolg: Die PC-Fassung hat für reichlich Ärger und Frust gesorgt. So ist das Spiel auf 30 Bilder pro Sekunde beschränkt, wer mehr FPS haben will, muss die Framerate erst per Ini-Änderung von Hand entriegeln (mehr Infos im Kasten rechts). Trotzdem kommt es selbst bei Standard-Grafikeinstellungen auf vielen PCs zu teils drastischen Performanceeinbrüchen, vor allem bei Fahrten mit dem Batmobil. Zwar gibt es durchaus Rechner, auf denen das Spiel ordentlich läuft und problemlos spielbar ist, doch die technischen Schwierigkeiten sind leider keine Einzelfälle: Nach massenhaft vernichtenden User-Reviews sah sich Warner Bros. darum sogar gezwungen, den Verkauf der PC-Fassung einzustellen und Rocksteady weiter an der Version arbeiten zu lassen, bis sie (voraussichtlich im Herbst) neu veröffentlicht werden kann.
Jenseits der Performanceprobleme enttäuscht die PC-Fassung aber auch durch ihre abgespeckte Optik. Zwar sieht das Spiel immer noch fantastisch aus, im Vergleich zur PS4-Version fehlen aber beispielsweise die aufwendigen Regeneffekte, durch die Wasser sehenswert an Oberflächen und Batmans Kostüm abperlt. Auch die Grafikoptionen sind überraschend limitiert: Ihr könnt neben Auflösung und Anzeigemodus nur V-Sync, Anti-Aliasing (An/Aus), Texturauflösung (Low/Normal), Schattenqualität (niedrig, normal, hoch) und Level of Detail (niedrig, normal, hoch) einstellen. Hinzu kommen Nvidia Gameworks-Effekte wie interaktiver Nebel/Rauch, Papiermüll, verbesserte Regen- sowie verbesserte Lichteffekte.
UPDATE: Am 4. September hat Rocksteady einen dicken Patch für die PC-Version veröffentlicht. Der fügt dem Spiel neue Grafikoptionen hinzu, verbessert spürbar die Performance und beseitigt Darstellungsfehler. Eine deutliche Verbesserung gegenüber der ungepatchten Verkaufsfassung! Wie gut sich Batman: Arkham Knight mit dem neuen Patch spielt, welche Probleme es noch gibt und welche Hardware ihr für ungetrübten Spielgenuss braucht, erfahrt ihr in einem umfangreichen Special bei unseren Kollegen von PC Games Hardware. Da Warner aber den Verkaufsstopp noch nicht aufgehoben hat, stehen vermutlich noch weitere Optimierungen an - solange das Spiel nicht offiziell erhältlich ist, sehen wir auch weiter von einer Wertung ab.
Quelle: PC Games
Im Vergleich zur PS4-Fassung wurden die Regeneffekte auf dem PC leider reduziert. (PC)
Die verhältnismäßig komplexe Steuerung lässt sich frei anpassen und ist ähnlich gut geglückt wie in den Vorgängern. Vor allem die schnellere Kamera-Bewegung per Maus erleichtert die Übersicht in den Kämpfen. Das Batmobil steuert sich per Maus und Tastatur allerdings etwas ungenauer als mit dem Gamepad. Einen klaren Vorteil genießt man dafür in den Panzer-Kämpfen - hier fällt das Zielen per Maus sehr viel leichter. Nur in manchen Minispielen, in denen wir analoge Eingaben per Maus umsetzen müssen (zum Beispiel als wir ein Überwachungsvideo vor- und zurückspulen), fehlt es im Vergleich zum Gamepad an Bedienkomfort.
Fazit und Wertung - vorerst nur für PS4 (Update)
Für diesen Test haben wir die PS4-Fassung komplett durchgespielt, inklusive aller Nebenquests und Riddler-Aufgaben. Obwohl wir die PC-Fassung leider erst ab offiziellem Release spielen konnten (Warner Bros. hat vorab keine PC-Testmuster verschickt!), sprachen wir noch am gleichen Tag eine Kaufwarnung aus. Seitdem haben wir den Ärger um den missglückten Port umfassend begleitet und kommentiert. Natürlich wurden auch zahlreiche Stimmen laut, die eine saftige Abwertung für das PC-Spiel fordern. Doch wie sollte die fairerweise aussehen? Zieht man 5 Punkte ab oder eher 10? 20 vielleicht? Oder gleich 30? Hier kann es nur eine symbolische Abwertung geben, aber keine, die den eigentlichen Werten des Spiels gerecht wird. Zumal es durchaus Spieler gibt, die den Titel auch am PC ohne nennenswerte Probleme durchgespielt haben. Aus diesem Grund und weil Warner Bros. den Verkauf der PC-Fassung bereits gestoppt hat, verzichten wir derzeit noch auf eine PC-Wertung.
Update: Der große Patch vom 4. September 2015 bringt viele Verbesserungen für die PC-Version. Obwohl sich das Spiel damit bereits empfehlen ließe, hat Warner den Verkaufsstopp noch nicht aufgehoben - es ist also noch mit weiteren Optimierungen zu rechnen. Solange das Spiel keine Neuveröffentlichung erhält, sehen wir weiter von einer Wertung ab.
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