Arkham Knight im Test: Das Batmobil - Fluch oder Segen?
Test
Das dramatische Batman-Finale im Test: Allen Fans des Dunklen Ritters macht Rocksteady nochmal ein letztes großes Abschiedsgeschenk. Arkham Knight ist riesig, packend, aufregend inszeniert - und doch kein Spiel-des-Jahres-Kandidat. Warum der letzte Batman nicht ganz an die Vorgänger heranreicht und weshalb PC-Spieler vorerst in die Röhre gucken, klärt der spoilerfreie Test.
Arkham Knight: Das Batmobil - Licht und Schatten
Quelle: PC Games
Manche Verfolgungsjagden sind eher nervig als spaßig. (PC)
Wenn die Monsterkarre auf Knopfdruck herandonnert, ist Gänsehaut angesagt: Perfekt designt mit quietschenden Reifen, grellen Scheinwerfern und dröhnendem Motorensound brettert das Batmobil vollautomatisch auf uns zu – was für eine Schau! Doch dann hüpfen wir ans Steuer und die Begeisterung verpufft ein wenig. Das Auto steuert sich zwar meistens gut und präzise (gilt auch für die PC-Fassung!), doch für die Art von Gameplay, die Rocksteady damit umsetzen will, ist die Spielwelt einfach nicht gemacht: Viele Straßen und Gassen sind so unübersichtlich und vollgepackt mit Details, dass es oft kaum möglich ist, ohne Anzuecken oder hin und wieder von einer Plattform zu stürzen ans Ziel zu kommen. Da der Spieler aber nicht ständig auf die Bremse treten soll, sind fast alle Umgebungselemente zerstörbar, was anfangs noch cool, später aber auch albern wirkt: Massive Säulen zerbröckeln, Autos explodieren, Zäune werden umgerast, ganze Häuserecken abgemäht – das Batmobil sorgt für solche Verwüstung, dass man glaubt, Batman würde im nächsten Moment von einer Horde wütender Stadtarchitekten gelyncht.
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Quelle: PC Games
Mit Maus und Tastatur spielen sich die Panzerkämpfe deutlich leichter als mit dem Gamepad. (PC)
Trotzdem sorgt das Autofahren auch manchmal für Frust – ein doofes Gefühl, das wir bislang nicht von der Arkham-Reihe kannten. Besonders die Verfolgungsjagden, die man für manche Nebenaufgaben absolviert, kosten uns Nerven: In einem Affenzahn heizen wir da minutenlang durch Gotham und versuchen, ein feindliches Fahrzeug mit einer überempfindlichen Zielautomatik von der Straße zu pusten. Ein kleiner Fahrfehler genügt, schon ist der Gegner entwischt und wir müssen die Mission neu starten – das nervt! Ähnlich blöd sind einige der Nebenaufgaben, in denen wir den Superschurken Firefly jagen oder durch einen Hindernisparcours des Riddlers rasen müssen. Möglich, dass echte Rennspielexperten darüber nur müde lächeln – doch für die war die Arkham-Reihe nun mal nie gemacht. Vielmehr stand Batman bislang für verzeihendes, faires und vor allem rundes Gameplay, das sich auf einen menschlichen Helden konzentriert – nicht auf einen Highspeed-Flitzer.
Arkham Knight: Panzerkrieg in Gothams Straßen
Leider belässt es Rocksteady nicht dabei: Auf Tastendruck verwandelt sich das Batmobil in eine Art Schwebepanzer, inklusive schwerem Geschütz und Maschinengewehr. Diesen Modus brauchen wir, um feindliche, unbemannte Panzerdrohnen von Gothams Straßen wegzuballern, was zwar spektakulär aussieht, spielerisch aber ziemlich eintönig ausfällt. Müssen wir anfangs nur eine Handvoll Drohnen zerstören, sind es gegen Spielende gleich ein paar Dutzend auf einmal – hohle, teils knackig schwere Materialschlachten, die nichts mehr mit dem zu tun haben, was die Arkham-Reihe einst groß machte. Bei aller Liebe zum Dunklen Ritter, derartige Explosionsgewitter hätten besser in ein Transformers-Spiel gehört. Da helfen auch die wenigen "Schleichabschnitte" nicht, in denen wir mit unserem Panzerfahrzeug leise durch Gassen huschen und uns so an feindliche Tanks heranpirschen, die nur von hinten verwundbar sind. Diese Abschnitte nutzen sich schnell ab, vor allem in den späteren Bosskämpfen, die sich nur mit dem Batmobil bestreiten lassen. Richtig große Brocken à la Bane oder Solomon Grundy, die wir geschickt im Nahkampf bezwingen müssen, gibt's diesmal dafür nicht - schade!
Arkham Knight: Rätseln mit Stil
Quelle: PC Games
Das Batmobil kommt auch für viele Rätsel zum Einsatz. Wirkt zwar oft aufgesetzt, spielt sich aber gut. (PC)
Glücklicherweise findet Rocksteady aber auch deutlich bessere Anwendungen für die Karre: Das Batmobil kommt für die Lösung vieler Rätsel zum Einsatz, beispielsweise sprengen wir damit Wege frei, betätigen Schalter per Schleppkabel oder überraschen Gegner, indem wir das Auto per Fernsteuerung hinterhältig in Stellung bringen. Das fühlt sich zwar oft aufgezwungen an, spielt sich aber dafür richtig gut! Überhaupt ist die Rätselqualität erfreulich hoch und erinnert an den überragenden Vorgänger: Egal ob wir einen Weg durch ein verschachteltes Gebäude suchen oder eine der vielen Aufgaben des Riddlers knacken, es gibt jede Menge zu tun. Natürlich kommt dabei wieder Batmans bewährter "Predator"-Scanner zum Einsatz, mit dem wir schon seit Arkham Asylum durch Wände blicken, Gegnerrouten ausspähen und wichtige Umgebungsdetails entdecken. Frische Gadgets gibt es diesmal allerdings kaum, zu den wenigen Neuerungen zählen etwa ein Funkgerät, mit dem wir Gegner in Fallen locken, oder ein Störgewehr, das feindliche Schusswaffen lahmlegt. Anderes Werkzeug wie die Eisgranaten oder der Seilwerfer spielen kaum noch eine Rolle. Sehr schön sind Rocksteady dafür die vielen Minispiele gelungen: Egal ob wir Leichen scannen, Filmschnipsel analysieren, Schlösser knacken oder wie in Arkham Origins virtuelle Tathergänge vor- und zurückspulen, das alles ist so stilvoll gemacht, dass es einfach nie langweilig wird. Dickes Lob!
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