Test der PS4- und PS3-Version zu Assassin's Creed 4: Black Flag: Beim Klabautermann! Ubisofts neuester Teil der Open-World-Reihe entpuppt sich als unterhaltsames Piraten-Abenteuer und bringt endlich frischen Wind in die Spielereihe. Wie sich Assassin's Creed 4: Black Flag im Test schlägt, erfahrt ihr an dieser Stelle. Update: Jetzt mit Test der PC-Version.
Vertrautes Spielgefühl an Land
Während die Seefahrt aufregend, ungewohnt und mitreißend ist, wirkt Black Flag sehr vertraut, sobald sich Edward an Land begibt. Die großen Städte im Spiel - Havanna, Kingston und Nassau - sind zwar nicht derart dicht bebaut und weitläufig wie die aus den Vorgängern, dennoch stecken sie voller Nebenaufgaben und spielerischer Möglichkeiten. Ihr könnt Huren anheuern, um Wachen abzulenken, versteckt euch in Heuhaufen oder kauft in Läden ein. Zahlreiche Kletterrouten über Dächer und Baumwipfel erleichtern das Beschatten von Zielpersonen - eine Aufgabe, die ihr sehr häufig absolvieren müsst. Generell ist das Schleichen im neuesten Assassin's Creed deutlich in den Vordergrund gerückt.
In einigen Missionen müsst ihr es und in vielen Missionen werdet ihr dafür belohnt, ungesehen zu bleiben und Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Damit das alles weniger frustriert als bei den Vorgängern, haben sich die Entwickler dem Fahndungssystem gewidmet: Es gibt keines mehr. Vielmehr reagieren nur die Wachen auf euch, die euch sehen - und auch nur dann, wenn ihr in einem Sperrgebiet unterwegs seid. Obendrein vergehen im Hirn von KI-Soldaten einige Denksekunden, bevor sie laut "Alarm!" schreien. Zeit genug, um von Busch zu Busch zu sprinten oder von einem Dach auf das nächste zu springen. Leider ist das Kletter-System serientypisch zickig: Hin und wieder springt Edward plötzlich von einer Fassade ab, an der ihr leise entlang klettern wolltet. Zuweilen rennt er im Spurt an einem Baum vorbei, den er erklimmen sollte, und manche Schleich-Mission krankt an schlecht gewählten Rücksetzpunkten oder frustrierend positionierten Wachen. Seid also gewarnt, dass ihr oft auf leisen Sohlen wandeln müsst.
Es wird weniger gekämpft!
Quelle: Bild: play³
PS3-Fassung: Inhaltlich identisch mit der Next-Gen-Version, jedoch schlechtere Pertormance.
Abseits der Schleicheinlagen werdet ihr in vielen weiteren Disziplinen gefordert: Ihr erklimmt Aussichtspunkte, verfolgt flüchtige Personen, löst kleinere Rätsel und zückt eure Säbel, Edwards einzige Standard-Nahkampfwaffen. Daneben trägt er noch bis zu sechs Pistolen und ein praktisches Blasrohr. Die Kämpfe verlaufen gewohnt konterlastig und erfordern bei jedem Gegner-Typ eine spezielle Taktik. Die starken Musketen-Schützen, die euch mit zwei Treffern bereits niederstrecken, entpuppen sich als willkommene Neuerung. Sie bewahren die Kämpfe davor, zu einfach zu werden.
Dass ihr im Vergleich zu Vorgängern deutlich weniger Hilfsmittel für die Kämpfe besitzt, begrüßen wir. Jedes Item, ob Rauchbombe, Seilpfeil oder Pistole, hat seinen Zweck - auch wenn die teils etwas willkürliche Gegner-KI und manch Animationsmacke ihn zuweilen vereiteln. Alles in allem haben wir das Gefühl, dass Black Flag mit seinem Weg, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, vieles richtig macht, aber immer noch an vielen Serien-Altlasten leidet. Das Kletter-System funktionierte vom ersten Spiel an nicht perfekt - und das spürt man jetzt noch. Auch wenn Black Flag eine gute Richtung einschlägt: Was Engine und Gameplay-Mechaniken angeht, wären wir froh, wenn Ubisoft für das nächste Assassin's Creed bei null anfangen würde. Die neue Konsolengeneration wäre ein guter Anlass dafür!
Lange Spielzeit, lahme Story
Wer gern einen 100%-Spielstand schafft, nimmt sich für Black Flag besser Urlaub. Denn abseits der Story-Missionen könnt ihr euch mit unzähligen Sammel- und Nebenaufgaben die Zeit vertreiben. Da gibt es Maya-Artefakte zu finden, Animus-Fragmente zu sammeln oder Mord-Aufträge zu erledigen. Lobenswert: Bei den Meuchel-Missionen habt ihr endlich die Freiheit, nach Belieben vorzugehen und eigene Strategien zu entwickeln. Das Spiel zwingt euch übrigens dazu, zwischen den Story-Missionen Geld zu scheffeln und damit die Jackdaw aufzurüsten. Anders habt ihr keine Chance, die Seeschlachten in späteren Missionen zu bestehen. So kommt es, dass wir für das einmalige Durchspielen von Black Flag satte 20 Stunden benötigen.
Leider fordert dieser Riesenumfang ein großes Opfer: die Story. Die ist durchaus interessant und gut gemeint, wird aber denkbar ungünstig erzählt. Charaktere werden schlecht etabliert, Zeitsprünge kaum vermittelt und Edwards Entwicklung vom Egoisten zum wahren Assassinen wirkt recht gezwungen als natürlich. An den eher groben Animationen und plastikartigen Gesichtern der Charaktere wird obendrein ersichtlich, dass es sich mit Black Flag um einen Cross-Generation-Titel handelt. Er fußt immer noch auf dem groben Fundament der PS3-Engine, die auf PS4 immerhin mit feinen Effekten, 1080p-Auflösung und hoher Sichtweite daherkommt. Gleichzeitig wirken viele Animationen sowie die Art und Weise, wie ihr mit der Umgebung interagiert, etwas altbacken. Assassin's Creed 4: Black Flag ist ein gelungenes, riesengroßes und vor allem sympathisches PS4-Spiel. Nur so richtig "next gen" ist es leider nicht.
Quelle: PC Games
Assassin's Creed 4 - Die PC-Version im Test. (4)
Die PC-Version im Technik-Check: Gelungene Portierung!
Unsere PC-Testversion musste noch ohne den Day-One-Patch auskommen, der zum pünktlich Verkaufsstart eingespielt wird. Wir erwarteten also ein etwas unrundes Spielgefühl, wurden aber eines Besseren belehrt. Die PC-Fassung läuft fehlerfrei, sieht gut bis absolut prächtig aus und bietet eine gute Performance. Auf unseren Obere-Mittelklasse-Testrechnern konnten wir problemlos mit maximalen Details und Full-HD-Auflösung spielen. Wer noch Hardware-Leistung übrig hat, investiert sie in höhere Auflösungen oder anspruchsvolle AA-Modi, von denen das Spiel eine Vielzahl anbietet. Die Steuerung per Tastatur und Maus ist prima spielbar, wir kamen mit Gamepad allerdings einen Tick besser klar. In den Menüs stolperten wir über einige Bugs, die aber mit dem Day-One-Patch behoben werden sollen.
Insgesamt wirkt die Technik der PC-Version den Konsolen-Spielen klar überlegen, besonders von den umfangreichen Anti-Aliasing-Modi profitiert die PC-Fassung und bietet ein ruhiges, flimmerfreies Bild. Ansonsten gibt es kaum merkliche Unterschiede zur PS4-Fassung: Auch der PC-Version sieht man an, dass die Technik des Open-World-Spiels seine Wurzeln auf PS3 und Xbox 360 hat, was bei manch groben Animationen sowie den recht ausdruckslosen Gesichtern der Charaktere deutlich zutage tritt. Dafür entschädigen gelungene Effekte sowie die insgesamt wunderbar stimmige Spielwelt. Wir stellen also fest: Ubisoft ist die PC-Fassung diesmal wirklich gelungen!
