Aliens: Colonial Marines im Test - Solide Shooter-Action mit toller Atmosphäre, aber schwacher Technik
Test
Aliens: Colonial Marines ist nach einer langen Entwicklungsodyssee endlich im Handel erhältlich. Wir nehmen den aktuellen Gearbox-Shooter in unserem Test ausführlich unter die Lupe und verraten euch, ob sich das Warten gelohnt hat. Soviel sei vorweg verraten: Atmosphäre und Story sind auf hohem Niveau, spielerische und technische Macken verwehren dem Spiel aber den Vorstoß in obere Wertungsregionen.
Unser Test zu Aliens: Colonial Marines: Der Gearbox-Shooter wurde bereits Ende 2006 angekündigt und mehrfach verschoben. Dass ein sich derart lang in Entwicklung befindliches Spiel technisch keine Bäume mehr ausreißt, ist daher nur verständlich. Warum Aliens: Colonial Marines aber dennoch ein sehr solides Spiel geworden ist und was zum Hit fehlt, lest ihr auf den folgenden Seiten. Wer sich übrigens über fehlende Eindrücke zum Mehrspielerpart wundert: Der war mit unserer Review-Version noch nicht zufriedenstellend testbar. Sobald uns die Retail-Fassung vorliegt und der Rest der Menschheit sich online gegenseitig die Köpfe einschlägt, liefern wir unsere Eindrücke selbstverständlich nach.
In diesem Artikel
Aliens Colonial Marines - Infos zur PC-Version und den DLCs
Besondere technische Schmankerl oder anderweitige Vorteile bietet die PC-Version nicht im Vergleich zu den Konsolenversionen. Zwar sind die Texturen etwas höher aufgelöst, qualitativ aber immer noch lediglich Mittelklasse. Immerhin wurde die (frei konfigurierbare) Maus-und-Tastatur-Steuerung gut umgesetzt und ermöglicht in den teils hektischen Gefechten ein deutlich genaueres Zielen. Zur Aktivierung der PC-Version benötigt ihr zudem ein Steam-Konto, weitere Kopierschutz- oder Dauer-Online-Maßnahmen gibt es nicht. Auch die Thematik DLC spielt bei Colonial Marines eine große Rolle. Als erstes erscheint Mitte März für rund 15 Euro der Multiplayer-DLC "Bug Hunt", der dem Spiel eine Art Horde-Modus hinzufügt. Folgende Download-Inhalte sollen dann aber auch Stoff für Einzelspieler mit sich bringen, eigene Story inklusive. Wer keine Lust hat, sich jeden der vier geplanten DLCs einzeln zu kaufen, greift auf den Season Pass für 30 Euro zurück.
UPDATE: Probleme und Lösungen bei der Steam-Version (PC)
Wie mehrere User in den Steam-Foren berichten, scheint es mit der Retail-Version auf Valves Vertriebsplattform bei einigen Spielern zu Problemen zu kommen. Nichtauslösende Scripts und fehlende Zwischensequenzen wurden mehrfach gemeldet, ließen sich bei uns im Praxistest jedoch bisher nicht nachvollziehen.
Sollte euch hingegen der Steam-Fehler "Fehlende Programmdatei" angezeigt werden, gibt es eine einfache Lösung: Beendet Steam, geht in euren Steam-Ordner und löscht dort den gesamten Inhalt des Appcache-Unterordners. Wenn ihr danach Steam erneut aufruft, folgt ein kleinerer Download zu Colonial Marines, wonach das Spiel fehlerfrei starten sollte. Fallen euch weitere Fehler auf, weist uns bitte darauf hin, damit wir eventuelle Käufer auf die Probleme hinweisen können. Sollten uns selbst während der nächsten Tage noch Bugs oder Ungereimtheiten auffallen, fügen wir dies selbstverständlich ebenfalls an dieser Stelle an.
UPDATE #2: Infos zum Mehrspieler-Part
Nach mehreren Stunden und Tagen in den Online-Modi von Aliens: Colonial Marines (jetzt kaufen ) lässt sich nun auch ein finales Urteil bezüglich des geselligen Parts fällen: Er passt sich leider nahtlos dem mittelprächtigen Einzelspieler-Erlebnis an.
Zwar sind die Gefechte in den vier kompetitiven Modi gut gebalanced und das Erfahrungspunkte-System mit seinen freischaltbaren Extras motiviert ungemein, aber leider krankt auch hier der Spielspaß an diversen technischen Mängeln. Beispielsweise gibt es keine dedizierten Server, sondern lediglich Spieler, die als Hosts fungieren. Das allein ist schon ärgerlich genug, sorgt es doch für Lags, Aussetzer und andere verbindungstechnische Ärgernisse. Dass die Entwickler es aber nicht einmal geschafft haben, eine vernünftige Host-Migration einzubauen, ist fast schon eine Frechheit. Bricht die Verbindung des Hosts nämlich ab, landet ihr in Colonial Marines unsanft in der Lobby statt nach einer kurzen Wartepause weitermachen zu können. Im ebenfalls enthaltenen LAN-Modus, der bei uns problemlos funktionierte, sind derlei Lags natürlich kein Faktor - LAN-Party-Freunde wird's freuen.
Zweites, großes Problem des Mehrspieler-Parts: Die Steuerung der Aliens. Die Xenomorphen lassen sich nicht in der Ego-Perspektive sondern nur aus der Verfolger-Sicht lenken. Eigentlich eine durchaus nachvollziehbare Idee, da so die erhöhte Übersicht bei der ganzen Wandkraxelei für deutlich weniger Verwirrung sorgt. Leider funktioniert die Steuerung bei der Verfolger-Perspektive aber deutlich schlechter als in der Ego-Ansicht. Aliens bleiben oft hängen, Sprünge sind Glückssache und überhaupt fühlt sich die Handhabung der Xenomorphen durchweg hakelig an - schade.
Positiv hervorzuheben ist hingegen die Fokussierung auf den Team-Aspekt. Während unserer Test-Matches hatten Teams, die planlos vorgingen, absolut keine Chance. Nur Spieler, die zusammenbleiben, miteinander arbeiten und sich gegenseitig Deckung geben, gehen erfolgreich aus den Matches hervor - und das gilt sowohl für Aliens als auch Marines.
Etwas gewöhnlicher gibt sich da schon der Koop-Modus - klar, hier spielt ihr ja nur die Story mit drei Mitstreitern nach. Und so erwarten euch hier auch keine Besonderheiten - von technischen Problemen und Lags einmal abgesehen, da natürlich auch in der kooperativen Variante der Mehrspieler-Partien keine dedizierten Server zur Verfügung stehen.
Besonders frech: Der Menüpunkt für den Splitscreen-Modus scheint ein Überbleibsel aus den Konsolenversionen zu sein und ist in der PC-Version ohne Funktion. Grund genug nun zum dritten Update überzugehen ...
UPDATE #3: Bugs, Glitches, tote Menüpunkte - eine kleine Abwertung ist fällig (PC)
Im Normalfall werten wir keine Spiele ab, genausowenig wie wir Titel, die durch Patches verbessert werden, in einer Nachbetrachtung aufwerten. Nach reiflicher Überlegung machen wir bei der Aliens-PC-Version allerdings eine kleine Ausnahme. Die Gründe: Zum einen ist die Version, die bei Steam in den Verkauf gelangte, etwas bug- und glitch-behafteter als die Testversion, die wir vor Release durchspielten. Dies fiel uns vor allem beim erneuten Durchlauf im Koop-Modus auf. In Wänden festhängende Aliens, ineinander clippende Charaktere, nicht funktionierende Scripts - all das schlägt auf die Atmosphäre, die den größten Positiv-Aspekt des Spiels ausmacht. Zum anderen finden wir es eine Frechheit, Menüpunkte im Spiel zu belassen, die keinerlei Funktion haben. Deswegen gehen wir ein paar Wertungspunkte runter, belassen Aliens aber noch im 7er-Wertungsbereich.
Das hat uns an Aliens: Colonial Marines gefallen
Quelle: PC Games
Aliens: Colonial Marines - Geschickt gesetzte Schockeffekte sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Atmosphäre
Wer an das Alien-Franchise denkt, denkt sofort an ein düsteres Horror-Spektakel. Und diesem Anspruch wird Colonial Marines durchaus gerecht. Die Lichteffekte etwa sind gelungen, Aliens werfen dynamische Schatten an die Wände, krabbeln an Decken entlang und schlagen oft aus dem Hinterhalt zu. Zudem setzen die Entwickler auf viele ruhigere Passagen, um die Spannung aufzubauen. Statt also im Dauerfeuer-Modus durch Alien-Massen zu pflügen, stapft ihr auch schon mal minutenlang durch verlassene, halb zerstörte Areale und starrt gebannt auf den Motion Tracker. In derartigen Situationen sorgen oftmals geschickt gesetzte Schockeffekte für reichlich Stimmung. Dann verschwindet etwa ein Alien in eurem Augenwinkel in einen Lüftungsschacht, ein Stoff-Fetzen in einem Ventilator lässt den Tracker ausschlagen oder ein simples Gitter kracht neben auch zu Boden - Erschrecken vorprogrammiert. Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, Colonial Marines als ein reines Survival-Horrorspiel anzusehen. Die Entwickler orientieren sich an Aliens: Die Rückkehr von James Cameron, bieten also eine Action-Achterbahnfahrt mit einigen ruhigeren Horror-Passagen. Subtiler Psycho-Grusel wie in Ridley Scotts erstem Film sucht ihr vergeblich.
Soundkulisse
Für ein Horror-Erlebnis ist die Geräuschkulisse fast noch wichtiger als das visuelle Erlebnis - und hier leistet Gearbox ganze Arbeit. Englische Original-Sprecher aus den Filmen (etwa Lance Henriksen und Michael Biehn) sorgen für Film-Feeling und auch die Soundeffekte sind unverkennbar der Leinwandvorlage entnommen. Wer das Pulse Rifle abfeuert und seinen Motion Tracker hervorholt, fühlt sich direkt heimisch. Lediglich die deutsche Synchro hinkt an der Sound-Front etwas hinterher, wirkt monoton und hinuntergeleiert - blöd!
Das Upgrade- und Sammelsystem
Wo andere Spiele ihr Levelsystem auf den Mehrspielermodus beschränken, bietet Colonial Marines auch in der Einzelspieler-Kampagne ein umfangreiches Erfahrungspunkte-Modell an. Für erledigte Gegner, Missionen oder Herausforderungen hagelt es Erfahrung, die euch nach und nach im Level aufsteigen lässt. Pro Stufe verteilt ihr dann einen Upgrade-Punkt auf verschiedene Waffen-Aufrüstungen oder schaltet schicke Lackierungen für die Schießprügel frei. Wer zudem die Areale durchforstet, findet diverse "legendäre Waffen", etwa Hicks' Schrotflinte. Und das Beste: All diese gefundenen, aufgerüsteten und umlackierten Bleispritzen dürft ihr ohne Umschweife auch direkt im Mehrspielerpart nutzen. Lediglich die Alien-Spezialattacken müsst ihr dort neu freispielen. Neben den legendären Waffen findet ihr zudem regelmäßig Audiobänder, die euch die Story näherbringen und noch mal für ein kleines Atmosphäre-Plus sorgen.
Quelle: PC Games
Aliens: Colonial Marines - Gearbox verzichtet auf Auto-Heilung.
Health-System
In Zeiten der Auto-Heilung, die mittlerweile Standard in fast jedem Spiel ist, bildet Colonial Marines eine erfreuliche, fast old-schoolige Ausnahme. Hier setzen die Entwickler nämlich auf Medi-Packs und sammelbare Rüstung. Auf ein wenig Auto-Heilung wollten die Macher aber dann doch nicht verzichten. Und das funktioniert so: Eure Gesundheitsleiste ist in drei Drittel unterteilt. Nehmt ihr Schaden und fallt unter eine der Drittel-Markierungen, regeneriert sich eure Gesundheit nur bis zu dieser Markierung von selbst. "Leere" Drittel könnt ihr nur durch das Einsammeln von Medi-Packs wieder auffüllen. Und die sind rar gesät. Umso erfreulicher, dass ihr regelmäßig unterschiedliche Rüstungsteile wie Helme oder Westen findet. Die füllen eine Art zweite Gesundheitsleiste, die als Puffer dient und schwere Angriffe abfangen kann.
Story
Gut, sind wir mal ehrlich: Die Stories der Alien-Filme qualifizieren sich sicher nicht für den Literatur-Nobelpreis. Aber sie sorgen für gute Horror-Unterhaltung und sind vor allem in sich stimmig. Gleiches gilt für die Geschichte von Colonial Marines. Sie ist weder sonderlich anspruchsvoll, noch lässt sie Marine-Hoorah!-Klischees aus, fügt sich aber gut in die Handlung der Filme ein und - was noch viel wichtiger ist - sorgt für keinerlei Logik- oder Kontinuitäts-Fehler. Stattdessen fühlt es sich so an, als würde man einen bisher noch unbekannten Film nachspielen, zumal die elf Levels vollgestopft sind mit Andeutungen an die vier Alien-Filme (und sogar Prometheus). Besonders erwähnenswert: Die Filmfirma 20th Century Fox hat die Story von Colonial Marines sogar in den offiziellen Alien-Kanon aufgenommen. Das Spiel ist also ein vollwertiger, wichtiger Part des Alien-Universums.
