Ace Combat 7 - Skies Unknown: Die Arcade-Dogfights im Test

Test Matti Sandqvist
Ace Combat 7 - Skies Unknown: Die Arcade-Dogfights im Test
Quelle: PC Games

Nach einigen Verschiebungen ist es endlich soweit: Die legendäre Flug-Arcade-Reihe von Namco Bandai geht in die nächste Runde. In unserem Test verraten wir euch, ob die Serie endlich wieder zu ihren alten Stärken zurückgekehrt ist und wie viel Spaß man mit dem VR-Mode haben kann.

Auch wenn es nicht viele wissen: Die Ace Combat-Serie gehört zu den ältesten und langlebigsten Spielereihen für die Playstation und hat trotz des eher durchschnittlichen Erstlingswerks in seiner knapp 25-jährigen Geschichte Hobbypiloten auf den wichtigsten Spieleplattformen begeistert.

Dabei muss man auch sagen, dass viele Fans die Reihe nach dem mäßigen Ace Combat: ­Assault Horizon von 2011 und dem unrühmlichen Free2Play-­Ableger Ace Combat: Infinity aus dem Jahr 2014 fast schon abgeschrieben hatten. Nun dürfen sich Freunde arcadelastiger Dogfights, Hochglanzoptik und wirrer Zwischensequenzen japanischer Machart freuen: Project Aces, das seit 2001 für die Reihe verantwortliche Studio, liefert uns - nach etlichen Terminverschiebungen - mit Ace Combat 7 (jetzt kaufen 22,57 € ): ­Skies Unknown einen Nachfolger, der sich auf die alten Stärken der Reihe zurückbesinnt. Dieser bietet uns so richtig rasante Flugkämpfe mit modernen Kampfjets und erspart uns die eh unnötigen Ausflüge etwa in schlecht inszenierte Helikopter-Kämpfe. Zudem gibt es im neuen Teil für Besitzer von Play­station VR drei spezielle Virtual-­Reality-Missionen, die es wirklich in sich haben, aber wegen der sehr knappen Spielzeit leider keinen wirklich Kaufgrund darstellen - doch dazu später mehr.

Ace Combat 7 im Test: Handlung aus der Hölle

Das Hauptaugenmerk haben die Entwickler von Ace Combat 7 wieder auf die Kampagne gelegt, die uns mit ihren 20 Missionen gut und gerne rund 15 Stunden bei der Stange hält. Im nun schon insgesamt 17. (!) Teil der Reihe erleben wir den Konflikt zwischen den zwei fiktiven Staaten Erusea und Osea aus der Sicht des gesichts- und sprachlosen Hauptcharakters Trigger. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn in den Missionen sitzen wir zwar in der Haut von Trigger unter der Cockpithaube und können anhand der Funksprüche ein wenig mehr über ihn und seine Fliegerkameraden erfahren. Die technisch aufwendigen, aber ebenso unglaublich klischeehaften und schnulzigen Zwischensequenzen erzählen wiederum - aus unerklärlichen Gründen - eine Story um eine Mechanikerin, die aus dem Schatten ihrer Familie treten will, eine Prinzessin von Erusea, die versucht, ihr Volk zusammenzuhalten, und ein ehemaliges Fliegerass, das ... nun ... einfach alt und weise ist. Die drei haben für unseren eigentlichen Helden und die Missionen im Spiel kaum eine Bedeutung und insgesamt müssen wir sagen, dass man eigentlich nichts verpasst, wenn man konsequent die Cutscenes überspringt.Das ist schon schade, denn man merkt den Zwischensequenzen ihren hohen Produktionsaufwand an, sowohl in puncto Optik als auch wegen der professionellen (englischen) Vertonung. Es kann natürlich sein, dass die Cutscenes für Fans japanischer Anime-Filme sehr wohl taugen und wir sie wegen der Kulturunterschiede eben nur als triefig-kitschig ansehen. Wie dem auch sei: Auch anhand der Missionen erfährt man, dass Drohnen nun die größte Bedrohung für Osea darstellen und wir uns ihnen als Pilot einer Strafgefangenenflugstaffel stellen müssen. An dieser Stelle sparen wir uns die Frage, warum ausgerechnet Mörder und andere Kriminelle mit High-Tech-Waffen ausgestattet und auf die Jagd nach feindlichen Fliegern, Fahrzeugen und Schiffen geschickt werden. Wer sich an solchen Details unheimlich stört, sollte lieber großen Abstand zu der gesamten Ace Combat-Reihe halten. Immerhin dauert unsere Zeit bei der Strafgefangenenstaffel nicht ewig, in den späteren Missionen ist Trigger Teil der Strider Squadron und mit seinen Kameraden an vorderster Front in einem Feldzug, der uns bis zur Hauptstadt der Feinde führt. Eine bemüht-überraschende Wendung hält die Kampagne ebenso in ihrem letzten Drittel parat, wobei wir zumindest den Story-Twist schon meilenweit voraussahen und daher nur am Ende müde gelächelt haben. Wer also Ace Combat 7 nur wegen seiner Geschichte kaufen möchte, sollte sich das lieber noch einmal stark überlegen.
Die Missionen bieten viel Abwechslung. Hier müssen wir zum Beispiel gegen eine feindliche Flotte vorgehen. Quelle: PC Games Die Missionen bieten viel Abwechslung. Hier müssen wir zum Beispiel gegen eine feindliche Flotte vorgehen.

Ace Combat 7 im Test: Schwer, aber fair

Die Missionen sind aber der Grund, warum wir die Kampagne trotz unserer großen Bedenken in Sachen Handlung als gelungen bezeichnen. Jeder der 20 Levels stellt bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad eine ganz besondere Herausforderung dar, die sich aber stets mit der richtigen Taktik als lösbar und fair herausstellt. Mal gilt es, in einer Canyon-Landschaft feindliche Luftabwehrstellungen auszuschalten, dann geht es auch mal zu einer richtigen Schlacht gegen einen ganzen feindlichen Flottenverband. Zudem gibt es auch Aufträge, in denen wir - fast wie in den guten, alten Arcade-Hallen-Klassikern der Neunzigerjahre - gegen riesige Flugzeuge mit zig Motoren und Geschützen antreten dürfen. Abwechslung ist also auch durchaus vorhanden. Zu den besten Missionen zählen wir einen Auftrag, in dem wir mit unserem Geschwader unbemerkt - sprich unter der Wolkendecke - an Radaranlagen vorbei fliegen und feindliche Flugabwehrraketenanlagen zerstören müssen. Gerade als wir schweißgebadet damit durch sind, werden wir von einer Ass-Staffel urplötzlich angegriffen und müssen uns zum guten Schluss mit unserem schrottreifen Flieger der Gefahr stellen. Genau das hat uns an den Levels gefallen: Sie verlangen viel von uns und überraschen uns oft mit einer Wendung. Gestört hat uns hingegen, dass wir meistens zwar mit einer ganzen Fliegerstaffel unterwegs sind, wir aber weder unseren KI-Kameraden Befehle geben, noch auf irgendeine Unterstützung ihrerseits setzen können. Zudem muss man sagen, dass es in den Levels zwar Checkpoints gibt, sie uns aber nicht wirklich weiterhelfen. Meistens muss man nach einem Bildschirmtod 15 der meist insgesamt 20 Minuten wiederholen, was nach heutigen Standards ein wenig altbacken wirkt. Ansonsten sind wir aber rundum zufrieden mit den Missionen. Wer sich übrigens an der haushohen Übermacht der Feinde und den oftmals knappen Zeitlimits stört, kann auf den leichten Schwierigkeitsgrad zurückgreifen. Auch hier gibt es zur Genüge Herausforderungen, sodass Fluganfänger hin und wieder eine Mission mehrmals spielen müssen und die Kampagne deshalb zu keinem Zeitpunkt zu einem Casual-Game mutiert.
Die Performance von Ace Combat 7 geht in Ordnung. Nur wenn sehr viele Objekte auf dem Bildschirm sind, kommt es zu gelegentlichen Rucklern auf einer normalen PS4. Quelle: PC Games Die Performance von Ace Combat 7 geht in Ordnung. Nur wenn sehr viele Objekte auf dem Bildschirm sind, kommt es zu gelegentlichen Rucklern auf einer normalen PS4.

Ace Combat 7 im Test: Joystick empfohlen

Ebenso zufrieden waren wir mit der Steuerung - vor allem mit dem T.Flight Hotas 4 von Thrustmaster. Von der Joystick-Gashebel-Kombination gibt es sogar ein spezielles Ace Combat-Modell, das aber bis auf ein minimal anderes Aussehen und einen deutlich höheren Preis keinerlei Unterschiede zur normalen Fassung aufweist. Jedenfalls ist das Fluggefühl exzellent mit der passenden Steuerung und man hat dank der vielen, genau richtig positionierten Knöpfe immer das Gefühl, die volle Kontrolle über den eigenen Kampfjet zu haben. Wer - verständlicherweise - die rund 65 Euro nicht wegen eines einzelnen Spiels ausgeben möchte, ist mit der Gamepad-Steuerung ebenfalls ganz gut beraten. Natürlich fehlt hier das Ich-sitze-in-einem-Jetfighter-Feeling, das man nun mal in einem Flugzeugspiel mit einem Joystick hat, aber die Missionen lassen sich trotzdem ebenso gut mit einem Controller bewältigen. Fans von waschechten Flugsimulatoren werden sich natürlich über das doch sehr arcadige Flugverhalten der knapp 30 unterschiedlichen Jetfighter beklagen, aber da die Ace Combat-Reihe nie den Anspruch gehabt hat, realistisch zu sein, sehen wir das nicht als einen Kritikpunkt an. Für komplette Anfänger gibt es zudem noch einen vereinfachten Steuerungsmodus, von dem wir aber eher abraten: Hier lassen sich Loopings und andere Flugmanöver nicht vernünftig absolvieren und so ist man vor allem in den rasanten Dogfights im Nachteil.
Optisch ist Ace Combat 7 zwar nicht mehr die Grafikreferenz, weiß aber durchaus zu überzeugen. Quelle: PC Games Optisch ist Ace Combat 7 zwar nicht mehr die Grafikreferenz, weiß aber durchaus zu überzeugen. Ein anderer Punkt, für den die Ace Combat-Reihe berühmt ist, dreht sich um die Grafik. Dieses Mal müssen wir aber sagen, dass Ace Combat 7 es nicht in die Klasse der Grafikreferenztitel schafft wie etwa das Xbox-360-exklusive Ace Combat 6: Fires of Liberation zu seiner Zeit. Dafür sind die Bodentexturen für heutige Verhältnisse zu matschig und die Flugzeugmodelle lassen im Vergleich zu Spielen wie War Thunder an Details missen. Versteht uns aber nicht falsch: Ace Combat 7 sieht ohne Frage gut aus und vermittelt exzellent das Gefühl, Teil von rasanten Dogfights zu sein. Auch die Performance geht weitestgehend in Ordnung. Nur in Missionen, in denen wir nah am Boden viele Ziele zerstören müssen, sorgen für gelegentliche Ruckler. Auf einer PS4 Pro taucht das Problem natürlich nicht auf, was aber auch daran liegt, dass es keine 4K-Option oder eine höhere Detailfülle in jener Version gibt. Lediglich ein Supersampling-Modus verbessert die Grafik minimal im Vergleich zu der normalen PS4-Fassung.

Ace Combat 7 im Test: Die Dreingaben

Neben der Kampagne gibt es in Ace Combat 7 einen Online-Mehrspielerpart für bis zu acht Spieler. Hier gibt es zwei Varianten, einen Team-Deathmatch- und einen Battle-Royale-Modus. Beide Gefechtstypen machen für eine Weile Laune, aber wer im Internet beinharte Dogfights erleben und mehrere Monate gut unterhalten werden möchte, ist weiterhin mit dem kostenlosen War Thunder deutlich besser beraten. Der Konkurrenztitel von Gaijin Entertainment bietet viel mehr Spielmodi, Maps sowie Flugzeugtypen und dazu ein noch besseres Fluggefühl samt einem realistischen Schadensmodell. Zudem lassen sich die Flugzeuge in War Thunder detaillierter upgraden. In der Kampagne von Ace Combat 7 funktioniert das Verbesserungssystem unserer Meinung nach hingegen tadellos, aber für Mehrspielergefechte fehlen dann doch etliche Taktikoptionen - auch wegen des deutlich kleineren Flugzeugarsenals.

Die Auflösung und die Sichtweite ist im VR-Modus etwas schwächer als in der Kampagne. Bei den rasanten Dogfights stört das aber kaum. Quelle: PC Games Die Auflösung und die Sichtweite ist im VR-Modus etwas schwächer als in der Kampagne. Bei den rasanten Dogfights stört das aber kaum. Zum Schluss noch ein paar Worte zu dem VR-Modus: Die drei mitgelieferten Virtual-Reality-Missionen sind klasse inszeniert und führen vor, wie gut die Hardware der PS4 für einen solchen Modus geeignet ist. Die Aufträge sind zeitlich vor der Kampagne des Hauptspiels angesiedelt und uns steht mit einem F/A-18 Hornet lediglich ein Flugzeugmodell zur Verfügung. Das Gefühl, in einem Cockpit zu stecken, dabei waghalsige Loopings und High-G-Turns durchzuführen und obendrein feindliche Flieger vom Himmel zu holen, ist aber einfach klasse - wer sich wie Tom Cruise oder Val Kilmer in Top Gun fühlen möchte, ist hier genau richtig aufgehoben! Es ist aber wirklich schade, dass die Entwickler sich entschieden haben, uns nicht die gesamte Kampagne, sondern eben nur drei kurze Missionen zu servieren. Die Aufträge hat man nämlich innerhalb einer Stunde durchgespielt und dann dient der VR-Modus eigentlich nur noch Vorführungszwecken, falls mal Freunde vorbeischauen. Es wäre unserer Meinung durchaus vorstellbar, dass ein reines VR-Ace Combat mit einem deutlich größeren Umfang wunderbar funktionieren würde und zudem die Verkäufe von PS VR ankurbeln könnte. Wir können die Entscheidung der Entwickler aber nachvollziehen, da die VR-Zielgruppe auch heute noch recht gering ist. Zudem lässt sich auch festhalten, dass die normale Kampagne von Ace Combat 7 ein guter Grund für jeden Flugzeugfanatiker ist, das Spiel zu kaufen.

Meinung

Wertung zu Ace Combat 7 (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Abwechslungsreiche MissionenKnackiger Schwierigkeitsgrad, der aber nicht unfair wirktEine große Auswahl unterschiedlicher KampfjetsGute Bedienung, vor allem mit einer Joystick-Gashebel-KombinationZwar keine Grafikreferenz, aber optisch trotzdem eine WuchtGrandios inszenierte VR-Missionen …
… die aber innerhalb einer Stunde durchgespielt sindHanebüchene StoryCheckpoints schlecht gesetztKI-Kameraden nur Beiwerk
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