Der Turbo-Boost sorgt für Tempo und schlechte Sicht.
Bei den diversen Motocross-Spielen der letzten Jahre hat Acclaim sich zwar mit reichlich Schlamm, aber nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Auch mit zwei Rädern mehr war das erste ATV-Spiel (noch für die PSone) da keine Ausnahme. Beim neuen PS2-Nachfolger haben sich die Entwickler (die UK-Truppe Climax, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen japanischen Team!) aber deutlich mehr ins Zeug gelegt. Das fängt schon bei der Optik an: War ATV 1 selbst für PSone-Verhältnisse optisch dröge, so zählt der zweite Teil zur PS2-Oberklasse! Die Quads und Fahrer sehen zwar nur ordentlich aus, doch die hübschen Levels wirken vor allem durch die hochwertigen Effekte (schimmernde Pfützen, strömender Regen, blendendes Sonnenlicht) enorm stimmungsvoll. Einziger Wermutstropfen ist hier die Framerate, die je nach Gegneraufkommen zwischen superflüssigen 60 und (immer noch sehr akzeptablen) 30 Bildern pro Sekunde wechselt - der Spielbarkeit tut dies zum Glück keinen Abbruch. Über den aufdringlichen Rock-Soundtrack kann man streiten, aber der ist zum Glück abschaltbar.
In den Staub getreten
Die Steuerung der Quads ist sehr gut gelungen und ermöglicht neben einer generell rasanten Fahrweise Wheelies, Stoppies oder Zweirad-Einlagen. Wer allein durch seine Fahrkünste nicht an die Spitze kommt, der greift zu rabiateren Mitteln: Per Knopfdruck treten Sie gegnerische Fahrer von ihrem Fahrzeug, wobei Ihnen das Zielen weitgehend abgenommen wird. Die Gegner gehen natürlich mit den gleichen Mitteln gegen Sie vor - und auch gegeneinander! Es hat schon seinen ganz besonderen Reiz, ein herrenloses Quad durch die Gegend rollen zu sehen.
Neben der Platzierung sind auch Punkte für den Sieg wichtig. Diese gibt's für die oben erwähnten Kunststücke oder für Stunts, die im Sprung ausgeführt werden. Hierbei kommt ein Tony Hawk-ähnliches Combo-System zum Einsatz. Die Eingabe dieser Tricks ist prinzipiell einfach, das richtige Timing verlangt aber etwas Übung. Zusätzlich laden Sie durch gelungene Stunts Ihren Boost auf, mit dem Sie den Gegnern davonrasen und noch weitere Sprünge mit noch längeren Trick-Kombos schaffen.
Mehr als nur Schlamm
Der Umfang erscheint mit fünf Strecken in je drei Varianten relativ gering, doch sind die Kurse immerhin relativ lang. Zudem gibt es ein Fahrertraining und acht teilweise recht knifflige Challenges. Da muss man einen Wheelie über 60 Meter (und drei Sprungschanzen!) halten oder in knapp bemessenen Zeitlimits verzwickte Kurven und Sprünge meistern. Die Königsdisziplin sind die vier Stuntparcour-Türme, die alle Aspekte der bisherigen Challenges zu langen Trickfahrten in schwindelerregender Höhe zusammenfassen - hier sind wirklich die ATV-Profis gefragt und ohne gefühlvolle Dosierung von Gas und Bremse sind die letzten zwei Türme nicht zu schaffen.
Obwohl die Gegner sich scheinbar ein wenig an Ihren Fahrkünsten orientieren, fällt das nicht wie bei Sonys direktem Konkurrenten ATV Offroad negativ auf - bei ATV 2 können gute Fahrer problemlos die Konkurrenz weit hinter sich lassen. Durch den ausgewogenen Schwierigkeitsgrad sind sowohl die Challenges als auch die normalen Rennen nicht zu einfach und sehr motivierend, auch wenn man ein ums andere Mal ins Pad beißen und die PS2 an die Wand knallen möchte. Aber sind's nicht just diese Momente, die Videospiele so einzigartig machen?
