Xbox Cloud Gaming: Im Technikcheck von Perfektion bis Unspielbarkeit
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Wir haben uns Xbox' Antwort auf Google Stadia und Amazon Luna angeschaut. Dabei erleben wir eine Achterbahnfahrt von richtig gut laufenden Spielen, bis hin zur absoluten Unspielbarkeit
Seit einigen Tagen steht hier in Deutschland das Xbox Cloud Gaming zur Verfügung, also Microsofts Antwort auf Google Stadia und Amazon Luna, bei dem eure Spiele aus dem Netz gestreamed werden.
Hardcore-Gamer rümpfen bei dem Thema gerne mal die Nase, doch wir haben uns Microsofts Technik trotzdem mal angeschaut und geben ein Update, was Xbox in der Cloud so auf dem Kasten hat und für wen es durchaus eine tolle Funktion ist.
Da es gerade beim Streaming auf ein flüssiges Bild ankommt, empfehlen wir euch unseren Videotest. Dort zeigen wir die alle grafischen Eigenheiten unserer Testspiele im Detail.
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Was ist Xbox Cloud Gaming?
Quelle: Google
Beim Streaming wird das Spiel in der Cloud berechnet. Nur das Bild kommt zu euch nach Hause.
In unserer Bestandsaufnahme schauen wir uns die für alle offene Beta vom Xbox Cloud Gaming auf dem PC und dem Smartphone an. Wir checken die Spielebibliothek, die Steuerungsmöglichkeiten, die Preise und natürlich die technische Seite. Vorher möchten wir aber die Grundlagen klären. Das Xbox Cloud Gaming ist das Pendant zu Google Stadia, Amazon Luna oder Geforce Now und ist ein Streaming-Dienst für Spiele. Das bedeutet, dass ihr euch theoretisch die teure Hardware spart und selbst auf alten PCs oder auf euren Tablets und Handys große Triple-A-Spiele zockt.
Dabei werden die Berechnungen vom Server gemacht und ihr bekommt nur das Bild auf euer Endgerät und schickt wiederum die Tastenbefehle vom Controller zurück an den Server. Gerüchteweise möchte Microsoft das Thema ganz groß ausrollen und tüftelt bereits an Streamingsticks für euren Fernseher, sowie einer reinen App für Smart-TVs. Ihr bräuchtet dann also quasi nur noch einen Controller mit Bluetooth-Funktion.
Wie kann ich spielen?
Im Gegensatz zu beispielsweise Google Stadia müsst ihr eure Spiele nicht extra kaufen. Ein großer Vorteil ist, dass Microsoft sein Game Streaming in den Xbox Game Pass einbettet und keine Zusatzkosten berechnet. Zumindest wenn man ein Auge zudrückt, denn es gibt einen Stolperstein. Ihr braucht das teuerste Modell, den Xbox Game Pass Ultimate. Mit der Standardversion ist kein Streaming möglich. Verfügbar ist das Ganze auf Android, aber auch mittlerweile auf eurem PC und eurem IOS-Gerät. Der ein oder andere hat es sicher mitbekommen, dass sich Apple gesperrt hat, die App in den Store zu nehmen. Daher löst Microsoft das Problem mit einer Version, die rein über den Browser funktioniert. Auf der Xbox soll das Streaming ebenfalls integriert werden. Das ist vor allem für Xbox-One-Besitzer interessant. So können diese ebenfalls Next-Gen-Spiele zocken, ohne sich neue Hardware zu kaufen.
Quelle: Microsoft
Egal, ob Tablet, Smartphone oder PC. Xbox Cloud Gaming wird in Zukunft auch noch mehr Endgeräte ausgerollt.
Das bringt uns dann zu den Spielen! An dieser Front hat Microsoft einen großen Vorteil, denn sie nutzen Xbox-Technik in den Serverfarmen. Das bedeutet, wenn ein Spiel für die Xbox entwickelt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es auch im Streaming läuft. Google Stadia als Beispiel gilt als eigene Plattform und Spiele müssen extra dafür programmiert werden. Das schreckt Entwickler oftmals ab, ihr Spiel für die Plattform anzubieten.
Trotzdem sind bei weitem nicht alle Spiele im Streaming enthalten, die es im Xbox Game Pass gibt. Reine PC-Spiele, wie Age of Empires oder Crusader Kings werden nicht angeboten, aber auch die Titel aus dem EA Play-Abo fehlen ebenfalls. Hier baut Microsoft aber weiter aus und erweitert seinen Katalog. Aktuell kommt die Streamingbibliothek bereits auf stolze 265 Spiele.
Unser Technikcheck
Wir möchten vorweg betonen: Dies soll nur ein kleiner Einblick werden, daher messen wir nicht auf die Sekunde genau den Lag oder die Ladezeiten. Unser Test fand im Home Office am PC statt. Dieser ist per LAN-Kabel mit dem Internet verbunden. Der Anschluss ist Kabelinternet, wie es oft in Städten vorkommt. Mit 200 M/Bit im Download hat das zwar einen guten Datendurchsatz, dafür ist im Kabelnetz gerne mal der Ping höher, als bei DSL. Gerade diese Reaktionszeit ist beim Cloud Gaming wichtig.
Dennoch sind es nahezu optimale Bedingungen, mit denen wir uns das Xbox Cloud Gaming anschauen. Microsoft selbst empfiehlt ein Minimum von 10 M/Bit im Download. Auf der Serverseite kann man aktuell nicht ganz sicher sein, was man bekommt. Microsoft rüstet hier von Xbox One auf Series X-Technik um. Das bedeutet, dass aktuell manche Spiele auf der neuen Hardware laufen und manche nicht. Erkennbar ist das an der wesentlich schlechteren Performance. Für unseren Test haben wir vier verschiedene Spiele herausgesucht: Red Dead Redemption 2, Forza Horizon 4, Ori and the Will of the Wisps und Halo 2 Remastered. Alle Spiele spiegeln dabei unterschiedliche Spielarten wider. Während Red Dead recht träge ist, kommt es bei Ori beispielsweise sehr auf Genauigkeit an.
Red Dead Redemption 2
Quelle: pcgames
Durch seine Trägheit fällt der minimale Lag in Red Dead Redemption 2 gar nicht auf.
Unser erster Kandidat war dann auch Red Dead Redemption 2. Nach einer Ladezeit von wenigen Sekunden war der Stream bereit, was darauf schließen lässt, dass Red Dead bereits mit Series-X-Hardware läuft. Hier haben wir auch direkt einen absoluten Vorteil des Xbox Cloud Gamings herauslesen können: die Spielstand-Synchronisation. Eure Speicherstände sind in der Cloud gespeichert und von dort aus überall abrufbar. Ihr könnt auf eurer Xbox daheim anfangen zu zocken und anschließend per Cloud Gaming exakt dort weiterspielen, wo ihr abgespeichert habt. Das finden wir maximal komfortabel und ist definitiv ein Pluspunkt.
Der Stream an sich läuft in Full-HD-Auflösung mit 60FPS. Eine 4K-Variante gibt es bei Xbox noch nicht, doch sie soll in der Zukunft möglich werden. Dabei ist die Auflösung variabel und regelt sich dynamisch runter, wenn die Internetverbindung nicht will. Gerade bei Red Dead ist uns das sehr selten aufgefallen. Das Spiel sah durchgängig gut aus, selbst in anspruchsvollen Situationen, wie in Valentine oder Saint Denis.
Nur manchmal traten kleinere Stotterer in der Framerate auf, doch das war verschmerzbar. Ähnlich verhält es sich beim Inputlag. Da Red Dead Redemption 2 ein sehr träges Spiel ist, fällt die minimale Verzögerung fast nicht auf. Für so ein anspruchsvolles Spiel ist das durchaus beeindruckend und man kann definitiv sagen: Red Dead 2 ist im Streaming sehr gut spielbar.
Quelle: pcgames
Der Stream läuft in 1080p und 60FPS. Selbst in anspruchsvollen Situationen bleibt Arthur Morgan dabei cool.
Forza Horizon 4
Leider kann man das von unserem nächsten Testspiel leider gar nicht behaupten. Forza Horizon 4 zeigt bereits im Hauptmenü starke Artefakte. Die
Quelle: pcgames
Im Standbild sieht das Spiel sogar knackig scharf aus. Nur wann steht man in einem Rennspiel nur blöd rum?
Qualität schwankt da zwischen okay und hässlich wie die Nacht. Das wird im Spiel leider noch schlimmer. Da hakt der Stream vor allem in schnellen Fahrten immer wieder und sogar der Ton setzt ständig aus. Dazu sind die Texturen matschig, an mancher Stelle ploppen sogar Gegenstände hässlich auf. Alles in allem ist das grafisch unter aller Sau. Direkt auf der Xbox berechnet liegen da Welten dazwischen, denn Forza ist ja eigentlich ein Vorzeigetitel der Xbox.
Wie zu erwarten, fällt der Inputlag hier außerdem viel stärker auf, als in Red Dead. Gerade in einem schnellen Rennspiel kommt es auf Präzision an und hier war deutlich zu sehen, wie spät der Wagen nach unserer Eingabe erst reagiert. Das macht mit 250 km/h den Unterschied zwischen Straße und Hauswand aus.
Wir vermuten hinter diesen Problemen die Hardware, die hier offensichtlich noch auf Xbox One-Technik setzt. Nichtsdestotrotz ist Forza Horizon 4 im Streaming aktuell nicht wirklich spielbar. Wir haben es mehrmals getestet, aber das Ergebnis war immer gleich enttäuschend.
Quelle: pcgames
Forza Horizon 4 enttäuscht bereits im Hauptmenü mit Bildmatsch der Extraklasse
Halo 2 Remastered
Ebenfalls nicht berauschend, aber bei weitem nicht so schlimm läuft Halo 2. Da bleibt zwar die Framerate stabil, doch ist die grafische Qualität wechselhaft. Vor allem bei schnellen Bewegungen wird das Bild gern matschig.
Der Inputlag macht hier ebenfalls einiges zunichte. Wer genau zielen will, muss sich stark eingewöhnen, sonst übersteuert man schnell. Das macht sich im Spielgefühl als schwammig bemerkbar. Gerade bei Halo, dem Vorzeigetitel für präzise Steuerung auf der Konsole, macht sich das durchaus bemerkbar.
Quelle: pcgames
Halo 2 war ein eher durchwachsenes Erlebnis. Die Streamqualität schwankte auch hier immer wieder.
Ori and the Will of the Wisps
Bei 2D-Plattformern kommt es ebenfalls auf maximale Präzision an. Wenn man die Sprünge durch blöden Inputlag nicht gut timen kann, wird schnell gefrustet. Daher hatten wir hier im Vorfeld bereits bedenken, doch wurden die schnell weggeblasen. Bei Ori and the Will of the Wisps lässt das Xbox
Quelle: pcgames
Auch beim Thema "Eingabeverzögerung" konnte uns Ori and the Will of the Wisps überraschen. Das Spiel steuert sich im Streaming griffig und gut.
Cloud Gaming seine Muskeln spielen.
Das Spiel sieht im Stream sehr gut aus und selbst kleine Details werden gut dargestellt. Artefakte sind uns nicht störend aufgefallen. Hin und wieder stotterte die Framerate, doch das war verschmerzbar. Was die Steuerung angeht, wurden wir ebenfalls positiv überrascht, denn die war präzise und griffig. Natürlich hat man auch dort das Gefühl, dass es sich an der Konsole noch etwas direkter steuert, doch dieser Unterschied ist minimal. Sprünge haben sich gut timen lassen und die Male, die wir ins Gras gebissen haben, war unsere eigene Dummheit schuld. Hier zeigte sich also, wie gut das Streaming sein kann, wenn alle Parameter stimmen.
Quelle: pcgames
Ori überzeugt auf ganzer Linie im Xbox Cloud Gaming. Selbst kleinste Details, wie die leuchtenden Spuren beim Sprung sind gut zu erkennen
Xbox Cloud Gaming auf dem Smartphone
Kleiner Abstecher auf das Handy! Auf dem Smartphone gibt es für eine Handvoll Titel eine Touch Steuerung. Damit braucht ihr also nicht mal einen Controller. Die Steuerung ist jeweils extra auf den Titel angepasst, den ihr spielen wollt. Wir haben das ausprobiert und es ist leider genauso, wie man sich eine Touch-Steuerung vorstellt. Unpräzise, ohne Feedback und man macht ständig falsche Eingaben. Dirt 5 war damit unspielbar. Ein Bridge Constructor war durchaus machbar. Wir empfehlen aber dennoch immer den Controller.
Aufgepasst auch bei den mobilen Daten. Nach 10 Minuten zocken im Handynetz waren ca. 300-400 Mbyte Datenvolumen weg.
Was bleibt übrig vom Xbox Cloud Gaming
Quelle: Microsoft
Für manche Spiele gibt es eine angepasste Touch-Steuerung. Die spielt sich aber meistens mäßig.
Zuerst müssen wir tatsächlich eine Warnung aussprechen. Allein wegen des Cloud Gamings sollte man sich definitiv keinen Xbox Game Pass zulegen. Dafür sind die Schwankungen aktuell noch viel zu groß in der Qualität. Von vier getesteten Titeln waren zwei gut bis sehr gut, aber zwei auch mäßig bis unspielbar. Das wird sich in Zukunft sicherlich ändern, doch fallen diese Qualitätsunterschiede aktuell noch stark auf. Die Zukunft, in der sich Microsoft vorstellt, dass jeder nur noch mit der Xbox-App auf dem Smart TV spielt, ist zum Glück noch weit weg.
In Kombination sieht die Sache aber anders aus! Wer den Game Pass eh schon auf PC oder Xbox nutzt, der bekommt mit dem Cloud Gaming eine tolle Ergänzung für Zwischendurch für einen kleinen Obolus obendrauf. Wer unterwegs ist auf dem obligatorischen Familienbesuch oder im Hotel im Urlaub, obwohl er eigentlich ein neues Spiel zocken will, für den ist das Streaming optimal. Durch das geniale Speichersystem könnt ihr immer genau dort weitermachen, wo ihr zuhause aufgehört habt und alles ist immer synchronisiert. Ihr habt damit eure Spielebibliothek auf Abruf dabei. Voraussetzung dafür ist aber natürlich immer eine gute und stabile Internetverbindung, sowie Microsofts Spieleabo.
