Im WET-Test für PlayStation 3 und Xbox 360 lest ihr, ob sich ein Kauf des Actionspiels lohnt und wie sich die Heldin gegen Horden von Bösewichten schlägt.
Test: Die Grundidee von Wet ist verführerisch: Als knallharte Söldnerin Rubi Malone kämpft ihr allerlei Bösewichte und erfüllt Aufträge für diverse Unterwelt-Gestalten. Moral kennt ihr nicht, dafür schüttet ihr euch hin und wieder Whiskey in den Rachen, um eure Gesundheit wieder her zu stellen. Das Ganze ist im Stil der US-Grindhouse-Filme gehalten. WET wirkt also wie ein 70er-Jahre Trash-Kinofilm - inklusive Uralt-Werbspots für Hot Dogs oder Saure Gurken in Kino-Restaurant. Damit wagt der Entwickler AM2 - kurz für Artificial Mind and Movement - erstmals eine ambitionierte Eigenproduktion abseits von Portierungen und Filmspielen. In WET geht es darum, eure Gegner möglichst Akrobatisch um die Ecke zu bringen. Rubi kann mit ihren Pistolen zwei Personen gleichzeitig anvisieren, rutscht auf den Knien über den Boden und läuft an der Wand entlang. Je stilvoller eure Aktionen sind, desto mehr Punkte kassiert ihr und desto schneller könnt ihr neue Aktobatik-Aktionen oder Waffen-Upgrades freischalten.
Akrobatik: Zwischen den größeren Ballereien klettert und springt ihr in bester Tomb-Raider-Manier durch die Levels.
ALTER HUT, NEU VERPACKT
Das Spielprinzip ist nicht neu - bereits in Max Payne oder John Woos Stranglehold konntet ihr euch mit akrobatischen Moves in Schusswechsel stürzen. Doch dank des einzigartigen Stils und der weiblichen Hauptfigur dürfte doch auch WET ein Knüller sein, oder? Leider nicht wirklich. Der Actiontitel hat zwar viele gute Ideen, patzt aber an einigen wichtigen Stellen. Die Inszenierung ist beispielsweise eine solch coole Idee. Nur leider erzeugt der Uralt-Kinofilm-Effekt ein konstantes Flimmern der Spielegrafik, was schnell nervt. Ohne Filter wirkt die Optik gleich deutlich schlichter. Außerdem fehlt die wichtigste Zutat für ein Spiel, das so tut, als wäre es ein 70er-Jahre-Actionfilm: Selbstironie. WET nimmt kommt erstaunlich ernst daher. Vielleicht liegt es aber auch nur an den mittelmäßigen Sprechern, dass keine wirkliche Stimmung aufkommen will.
Rubi sieht rot: Im Blutrausch-Modus müsst ihr möglichst viele Gegner hintereinander besiegen.
BALLER-AKROBATIK NONSTOP
Das reine Spielgeschehen ist durchaus unterhaltsam. Mit Auto-Zeitlupe, Akrobatikmoves und zwei Knarren durch die Levels zu stürmen, macht Spaß. Dabei erlebt ihr immer wieder dieselben Situationen. Entweder geht es darum, lineare Levels mit vielen Klettereinlagen und einigen Gegnern zu passieren oder ihr räumt in einem offenen Areal auf, in das stets neue Widersacher strömen bis ihr alle Eingänge geschlossen habt. Obendrein gerät Rubi an einigen festen Punkten in einen Blutrausch. Die Grafik wechselt dann in einen krassen, rot-schwarzen Cel-Shading-Look und ihr müsst möglichst viele Gegner hintereinander erledigen. Bis ihr jedoch wirklich kunstvoll durch die Levels hechtet benötigt es etwas Übung. Das ist vor allem der etwas hakeligen Steuerung geschuldet. Mit fortlaufender Spielzeit und neuen Moves wird das zwar besser, wirklich sauber lässt sich Rubi jedoch nicht steuern. Aber die Schusswechsel - auch wenn die Gegner kaum variieren - machen Spaß. Man merkt dem Spiel an, dass seine Macher zuvor Fim-Spiele wie Happy Feet oder Lucas der Ameisenschreck produziert haben. WET wirkt wie eine Film-Versoftung: Spielerisch und Technisch solide, aber eher simpel gestrickt. Es gibt stets nur eine Aufgabe und einen klaren Lösungsweg. Und erwartet nicht, dass ihr irgendwann auf neue Gegnertypen trefft!
Kurz vorm Aus: Gerät Rubi in Lebensgefahr wirkt die Grafik, als würde gleich eine Filmrolle entgleisen.
WIRD SCHON WERDEN
WET zeigt, dass sich A2M langsam aber sicher zu einem ernstzunehmenden Studio mausert. In Rubis Abenteuer stecken viele coole Ideen, doch leider auch viele nervige Macken. Wir hoffen, dass die Entwickler bei ihren nächsten Projekten mehr Zeit und Muße in den Feinschliff ihres Titels investieren. Dann sehen wir vielleicht bald ein echtes Hit-Game von A2M. Und hoffentlich behält das Team den Mitarbeiter, der für die Zusammenstellung des Rock-Soundtracks zuständig war. Der ist nämlich richtig gut!
