Wenn ihr geschickt seid, nehmt ihr es problemlos mit Gegnermassen auf.
Ob Superman, Die Fantastischen Vier oder Spider-Man, sie alle haben übermenschliche Fähigkeiten, mit denen sie kriminellen Masterminds deren Welteroberungspläne vereiteln. Im Falle von Watchmen: The End is Nigh geht es auch um Helden, welche die Welt vor dem Untergang retten. Doch von den Charakteren der legendären Comic-Vorlage Watchmen besitzt fast niemand Superkräfte. Es sind stattdessen ganz normale Menschen mit alltäglichen Lebensläufen, die sich – von der Grausamkeit der Welt schockiert – eine Maske überstreifen und prügelnd für Gerechtigkeit sorgen.
Es gibt eins auf die Mütze!
Schauplatz der Comic-Vorlage ist ein fiktives New York in den 1980er Jahren, in dem Superhelden per Gesetz verboten sind und entsprechend von der Polizei gejagt werden. Watchmen: The End is Nigh setzt zehn Jahre davor ein, als die Weltenretter noch nicht auf der Abschussliste stehen. In der ersten Episode – das Spiel soll ähnlich einer Fernsehserie mit immer neuen Folgen fortgesetzt werden – schlüpft ihr in die Haut von Night Owl oder Rorschach. Die jagen den Unterweltregenten Underboss, der bei einem Aufstand in einem Gefängnis aus eben diesem flieht. Eine Spurensuche, die mit Zwischensequenzen im Comic-Strip-Stil erzählt wird, treibt die Geschichte voran. Etwas zu aufdringlich wirkt die ständige Gesellschaftskritik, die in den Diskussionen der beiden Spielcharaktere geäußert wird. Night Owl ist eine Art Pseudo-Batman, der asiatische Kampfkunst und technische Spielereien nutzt, um den bösen Buben die Visage neu zu ordnen. Rorschach dagegen ist ein Ex-Polizist, der sich lediglich einen weißen Strumpf mit schwarzem Rorschachtest-Muster überzieht (Rorschachtest: psychodiagnostisches Testverfahren zur Bestimmung der Persönlichkeit) und sich durch die Reihen kloppt – deutlich brutaler als sein Mitstreiter. Überhaupt, die ungekürzte Xbox-360-Version geizt nicht mit Bluteffekten. Doch egal, für welchen der beiden Heroen ihr euch entscheidet, der Spielverlauf bleibt gleich: Ihr hetzt durch die streng linearen Karten und verprügelt Gegner, löst Schalterrätsel, verprügelt Gegner, lernt neue Schlagkombos, verprügelt Gegner, löst Schalterrätsel, verprügelt Gegner – ja, der Spielverlauf wirkt etwas eintönig. Dafür geht die Steuerung leicht von der Hand. Zwei Knöpfe auf dem Gamepad lösen unterschiedliche Schläge aus, mit einem anderen weicht ihr Gegnern aus, ein vierter lässt euch – Geschick vorausgesetzt – Angriffe kontern. Die Kombination der verschiedenen Aktionen fasst das Spiel wiederum zu mächtigen Schlagserien zusammen. Nach wenigen Spielminuten haben geübte Action-Spieler das simple System verstanden.
Gemeinsam stark
Hier knackt Rorschach eines der seltenen Schlösser.
An wenigen Stellen im Spiel merkt man, dass es auf kooperatives Vorgehen ausgelegt ist. Da gibt es Tore, unter denen sich Rorschach hindurchrollen muss, um für Night Owl den Weg freizumachen, indem er einen Schalter betätigt. Oder es gibt andere Türen, die wiederum Night Owl öffnen muss. Dafür hangelt er sich mit seinem Enterhaken über vorgegebene Hindernisse und sucht dann ebenfalls den passenden Hebel. Mit einem menschlichen Kollegen an der Seite kann das für etwas mehr Spaß sorgen. Steuert die künstliche Intelligenz den zweiten Prügelprinz, ist dagegen mit Pech nur doofes Warten angesagt, bis sich wie von Geisterhand das jeweilige Hindernis in Wohlgefallen auflöst.
Gibt es Hoffnung?
Brutal: Die Xbox-360-Fassung ist im Gegensatz zur PS3-Variante uncut!
Was sich bis hierhin wie die typische, ideenlos zusammengestückelte Lizenzumsetzung anhört, spielt zumindest grafisch seine Trümpfe aus: Die Texturen sehen größtenteils realistisch aus, glänzen regennass glaubwürdig im Laternenschein, die Animationen der Figuren sehen ebenfalls meist sehr gut aus. Das alles kann die auf Dauer drögen Massenprügeleien aber nicht ausgleichen. Schade um die exzellente Vorlage.
