Uncut: Videogameszone über Spiele, die es ungekürzt nach Deutschland geschafft haben.
2960 Spiele habe die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) im vergangenen Jahr geprüft, 153 mehr als 2007. "Ein neuer Spitzenwert", wie das Gremium in seiner Jahresbilanz 2008 bestätigte. Der Anteil der Konsolenspiele beträgt fast ein Drittel des Gesamtvolumens an allen getesteten Spielen.
Jahresbilanz 2008 der USK. Quelle: www.usk.de
Über 80 Prozent aller getesteten Produkte erhielten eine Freigabe bis 12 Jahre, für lediglich 5,1 Prozent habe die USK "keine Jugendfreigabe" (Fallout 3, Far Cry 2, Dead Space etc.) vergeben. Das Genre der Shooter sei mit lediglich 148 Unterhaltungsmedien vertreten gewesen. Platz Fünf in der Rangliste, die von Geschicklichkeits- und Denkspielen angeführt werde.
Der Prüfungsprozess der USK räumt jedem Antragssteller (Publisher) ein, aufgrund der Klassifizierung in Berufung zu gehen. 21 solcher Verfahren habe die Kontrollinstanz im vergangenen Jahr verzeichnet. Ein paar davon gehen auf die Kappe von Electronic Arts ...
Odyssee ins Weltraum: Der Fall Dead Space
Quelle: EA Redwood Shores
Dead Space: Drei Anläufe waren nötig, bevor die USK "keine Jugendfreigabe" vergab.
Drei Anläufe waren nötig, bevor die USK dem Horror-Shooter Dead Space die Kennzeichnung "keine Jugendfreigabe" erteilte. Drei Anläufe, geprägt von knappen Abstimmungsergebnissen, das letzte zu Gunsten des Publishers. Dem vorausgegangen war die unmissverständliche Aussage von Produzent Glen Schofield: "Wir werden das Spiel für niemanden entschärfen!" Zum damaligen Zeitpunkt befand sich das Grusel-Abenteuer bereits im Prüfungsverfahren der USK, Gerüchte machten die Runde, Dead Space werde entweder gar nicht oder wenn, dann geschnitten, in Deutschland erscheinen.
Knapp drei Wochen später, die Überraschung: Dead Space komme ungekürzt nach Deutschland. "Wir sind froh, für Dead Space eine Alterskennzeichnung erhalten zu haben", meinte Olaf Coenen, Geschäftsführer von Electronic Arts Deutschland. "Dead Space ist ein sehr kunstvolles Spiel, das sich ausschließlich an Erwachsene richtet - wie es auch die USK bestätige." Währenddessen philosophierte Art-Director Ian Milham in der [url=http://www.youtube.com/watch?v=Z9_SwOcT6Mo ]"Art&Gore-Dokumentation"[/url] über "gedropkickte" Babys. Lustig habe sie niemand gefunden, sagte er, sondern furchteinflößend.
Die Figuren in Dead Space haben nur wenig Ähnlichkeit mit echten Menschen, obgleich dezent gesetzte Merkmale auf einen humanen Ursprung schließen lassen. Zerfetzte Kleidungsteile geben Hinweise, ebenso die Art der Bewegung. Den Babys wachsen übrigens Tentakeln aus dem Rücken. Es waren wohl die Abstrusitäten, die Dead Space "keine Jugendfreigabe" sicherten. Letztlich stand und steht das Produkt ohne jegliche Kürzungen im Laden. Zwei Wochen später als geplant, aber immerhin.
Odyssee in die Vergangenheit: Der Fall Clive Barker's Jericho
Quelle: PC Games
Clive Barker's Jericho entging der Indizierung.
Clive Barker's Jericho erschien pünktlich im Oktober 2007. Ohne Zensur; allerdings auch ohne USK-Siegel. In Berlin verweigerte man dem Ego-Shooter eine Kennzeichnung, schob ihn weiter zur Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM). Im Normalfall geschieht dort das Unausweichliche: der Kandidat kommt auf die Liste. Über der thront, bildlich gesprochen, das Wort INDIZIERT, in großen dicken Buchstaben. Jericho jedoch, inhaltlich gezeichnet von zerplatzenden Köpfen, Fontänen aus Blut und aufgespießten Leichen, wich aus, zur Überraschung fast aller Beteiligten. Knapp vier Monate dauerte das Prüfverfahren der BpjM.
Vier Monate, in denen die PC-Version bereits im Laden stand, theoretisch von jedem käuflich zu erwerben. Publisher Codemasters hatte sich dazu entschlossen, auch ohne USK-Siegel in die Verkaufsphase zu starten. Microsoft und Sony jedoch untersagten die Veröffentlichung für Xbox 360 und Playstation 3, der Richtlinien wegen.
Am Ende der Geschichte steht die Floskel "Viel Lärm um Nichts": Weder Verkaufszahlen noch Kritiken nährten von der hitzigen Mediendiskussion.
