The Last of Us im Test: Mit dem neuen Action-Abenteuer erscheint eines der letzten Highlights für PlayStation 3. Im Test erfahrt ihr, wie sich der Überlebenskampf von Joel und Ellie spielt, was The Last of Us mit Filmen wie I am Legend gemeinsam hat - und welche Ungereimtheiten sich eingeschlichen haben.
Das Schleichen
Zwar bietet die Schleichmechanik von The Last of Us nicht so viel Tiefgang wie bei einem richtigen Stealth-Spiel à la Splinter Cell oder Hitman, dennoch funktioniert sie hervorragend und ist vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden an einigen Stellen fast schon alternativlos. Schleicht ihr euch nämlich an Gegner heran, könnt ihr sie hinterrücks und munitionssparend beseitigen. Ausnahme: die Infizierten der zweiten Stufe, die sogenannten Clicker, und ihre dicken Brüder der dritten Stufe, die Bloater. Erstgenannte lassen sich nur mithilfe eines zusammengebastelten Messers meucheln, letztere gar nicht. Dank des Bogens könnt ihr Feinde sogar aus der Entfernung unbeachtet erledigen. Wer allerdings unvorsichtig ist, fliegt schnell auf. Gegner reagieren nicht nur auf Sichtkontakt, sondern auch auf den Schein eurer Taschenlampe oder auf beseitigte Kontrahenten, die ihr habt liegen lassen.
Und auch Geräusche können euer Versteck schnell verraten, vor allem bei den blinden, aber dafür hervorragend hörenden Clickern und Bloatern. Tretet ihr also beim Schleichen auf Zweige, Glassplitter und dergleichen oder feuert laut um euch, habt ihr schneller eine Meute am Hals, als euch lieb ist. Die Geräuschkulisse lässt sich jedoch auch zu eurem Vorteil nutzen: Herumliegende Flaschen und Backsteine lassen sich zur Ablenkung der Gegner in der Gegend herumwerfen. Ein beim Schleichen äußerst nützliches Tool ist der Lausch-Modus. Auf Knopfdruck spitzt euer Charakter dann die Ohren und jeder Gegner, der selbst Krach in Form von Schritten oder Lauten produziert, wird dann als Silhouette durch Wände oder Hindernisse hindurch angezeigt. Wem dieses Tool jedoch zu wenig "Hardcore" in einem Survival-Spiel ist, schaltet es in den Optionen einfach aus. Oder spielt auf den höheren Schwierigkeitsgraden.
Das Sammeln und Basteln
Quelle: Sony/Naughty Dog
Wenn ihr gerade keine Banditen oder Pilzmutanten in die ewigen Jagdgründe schickt, durchsucht ihr die verlassenen Häuser nach verwertbaren Gegenständen.
Wenn ihr gerade keine Banditen oder Pilzmutanten in die ewigen Jagdgründe schickt, durchsucht ihr die verlassenen und verfallenen Häuser und Straßen der postapokalyptischen USA nach verwertbaren Gegenständen. The Last of Us kommt nämlich gleich mit zwei verschiedenen Crafting- und einem Perk-System. Beim Basis-Handwerkssystem bastelt ihr jederzeit aus gefundenen Materialien wie Klingen, Alkohol, Stofffetzen oder Zucker nützlichen Kram wie Medi-Kits, Messer oder Nagelbomben. Alternativ haftet ihr die Klingen an eure derzeit ausgerüstete Nahkampfwaffe. Derartige Aufrüstungen halten nur für ein paar Gefechte, töten eure Gegner (auch Clicker) aber sofort. Das zweite Crafting-System nutzt zwei weitere Ingredenzien: Werkzeuge und mechanische Ersatzteile (schlicht "Teile" genannt). Damit verbessert ihr dann an feststehenden Werkbänken eure Fernkampfwaffen. Dann streut die Schrotflinte nicht mehr so arg, das Gewehr fasst mehr Munition oder eure Pfeile fliegen weiter. Die Waffenverbesserungen lassen sich allerdings wirklich nur an den vorgesehenen Plätzen vornehmen, unterwegs einen Revolver zu tunen, ist unmöglich. Und schlussendlich findet ihr noch regelmäßig medizinische Vorräte, die euch in Form von Pillen angerechnet werden. Welche Pillen das genau sind, wissen wir nicht, es muss aber verdammt starkes Zeug sein – schließlich müsst ihr nur ein paar Dutzend davon schlucken, um eure Lebensenergie zu erhöhen, den Einsatz von Medi-Kits zu beschleunigen oder euer Gehör im Lauschmodus zu verbessern. Doping in Videospielen – wer hätte gedacht, dass ein Actionspiel damit anfängt.
Die Oldschool-Gameplay-Elemente
Ein freies Speichersystem zusätzlich zu den ganzen Checkpoints, häufige Bildschirmtode bei undurchdachtem Vorgehen, keinerlei Autoheal-Funktion, ständige Munitionsknappheit, der Fokus auf Story und Atmosphäre statt auf Dauer-Action – es gibt viele Design-Entscheidungen der Entwickler, die The Last of Us fast zu einem Vertreter der alten Videospielschule machen, viele davon auch nicht gerade massenmarkttauglich. Zumindest wenn man den immer wiederkehrenden Aussagen der Industrie Glauben schenken mag. Wir persönlich finden diesen etwas old-schooligen Anstrich jedoch super, denn das Spiel driftet glücklicherweise bei diesem Wagnis nie in nervige Bereiche ab. Und das obwohl wir an manch einer Clicker-verseuchten Stelle wirklich oft ins virtuelle Gras gebissen haben.
Die Technik
Dass die Macher bei Naugty Dog in der Lage sind, technisch hervorragende Spiele zu entwickeln, sah man spätestens an der Uncharted-Reihe. Und The Last of Us reiht sich nahtlos an Nathan Drakes Abenteuer an. Die Grafik ist, was die aktuelle Konsolengeneration angeht, Spitzenklasse und auch der Sound ist über jeden Zweifel erhaben. Vor allem die fantastischen englischen Sprecher und die sehr spärlich eingesetzten Musikstücke tragen zur hervorragenden Atmosphäre bei. Aber auch die deutsche Synchronisation ist äußerst gelungen. Lediglich die deutsche Stimme von Ellie wirkt an einigen wenigen Stellen etwas gekünstelt. Großartig gestört hat uns das nicht, wer das jedoch anders sieht, kann problemlos im Hauptmenü auf die englische Variante umstellen.
