Spoilerfreie Kritik zur 7. Folge The Last of Us: Die Serien-Ellie ist viel besser als im Spiel

Test Tobias Tengler-Boehm
Spoilerfreie Kritik zur 7. Folge The Last of Us: Die Serien-Ellie ist viel besser als im Spiel
Quelle: Games Aktuell

Die neue Folge der Hit-Serie The Last of Us ist erneut eine Blaupause für überragendes Storytelling und beweist: Die Serien-Ellie hat der Figur im Spiel einiges voraus.

Wir nähern uns dem Ende. Von der ursprünglich auf zehn Folgen ausgelegten und dann auf neun Episoden herunter gekürzten ersten Staffel der Hit-Serie The Last of Us lässt sich seit vergangener Nacht Nummer 7 abrufen. Während die Videospiel-Adaption des Playstation-Klassikers aus dem Jahr 2013 international Teil des Angebots des Streaming-Dienstes HBO max ist, kann man "TLOU" in Deutschland auf Sky, bzw. Wow sehen. Das Monats-Abo "Serien" kostet 9,99 Euro und die neue Folge beweist einmal mehr, dass sich dieses Geld allein schon wegen The Last of Us lohnt.


Neue Folge The Last of Us: Ein Highlight unter vielen Highlights

Eines spoilerfrei vorweg: Wem The Last of Us (jetzt kaufen 44,99 € ) bisher getaugt hat, den wird auch die neue Folge wieder in den Bann ziehen. Wenn mich jemand fragt, welche die bisher schwächste Episode der ersten Staffel war, würde es mir schwerfallen, eine konkrete Antwort zu geben. Denn bisher erwies sich jedes Kapitel von The Last of Us auf seine Weise als einzigartig und sehenswert. Dies trifft auch auf Folge 7 zu.

Ähnlich wie die mittlerweile fast schon legendäre dritte Episode, die unter anderem homophobes Review-Bombing nach sich zog, erzählen die Macher eine Geschichte zweier Menschen, die sich inmitten der dystopischen Pilz-Pandemie einige wenige Momente Normalität gönnen. Besonders schön: Nostalgische Gefühle eines Videospiel-Nerds wie mich werden auch bedient ("Finish him!"). Wer hätte sich als Kind nicht gewünscht, gemeinsam mit dem besten Freund oder der besten Freundin in einer Spielhalle mit unendlich Gettonis in der Tasche Spiele ab 18 zu zocken?

Neue Folge The Last of Us: So geht Faschismus

Die neue Folge von The Last of Us spart auch politische Themen nicht aus. In wunderbar geschriebenen und herausragend gespielten Dialogen wird deutlich aufgezeigt, wie Faschismus mit der Illusion einer vermeintlichen Ordnung der Gesellschaft spielt und aufgrund falscher Versprechungen seine eigenen Anhänger gegeneinander ausspielt. Passend hierzu werden die Machthaber und deren Mitläufer mehrmals als "Wichser" bezeichnet.

The Last of Us: Bella Ramsey überragt als Ellie die Spielfigur

Ohne zu viel zu verraten: Die neue Folge von The Last of Us ist sehr "Ellie-lastig". Wenn man Bella Ramsey (Game of Thrones) dabei zusieht, wie sie mit ihrem einzigartigen Schauspiel der im ersten Teil eher blass wirkenden Videospiel-Figur Tiefe und Charakter verleiht, mutet es geradezu lächerlich an, wie sich einige profilierungssüchtige Internet-Schreihälse im Vorfeld der Veröffentlichung über das Aussehen der begnadeten britischen Darstellerin mokierten. Nicht falsch verstehen: Auch der Videospiel-Charakter Ellie ist großartig geschrieben, entfaltet sich allerdings erst im zweiten Teil der Reihe so richtig.

Bella Ramsey entpuppt sich mehr und mehr als wahres Highlight der ersten Staffel. Pedro Pascals (Star Wars: The Mandalorian) Darstellung als griesgrämiger Beschützer Joel in allen Ehren, jedoch wirkt diese Art der Figur etwas altbacken, da sie in ähnlicher Weise bereits in unzähligen Serien und Filmen vorkommt. Die Ellie von Bella Ramsey überrascht mit der glaubwürdigen und vor allem klischeefreien Darstellung einer heranwachsenden jungen Frau, die eigentlich noch mitten in der Pubertät steckt, jedoch viel zu schnell erwachsen werden musste. Das Thema ihrer Sexualität wird in der ersten Staffel The Last of Us zwar behandelt, allerdings nicht sexualisiert dargestellt. Bella Ramsey meistert diesen darstellerischen Spagat mit Bravour - das ist ganz große Schauspielkunst.

Neue Folge The Last of Us: Ein Prequel innerhalb der ersten Staffel

Der erzählerische Kniff, sich extrem viel Zeit für in der Serie bereits Vergangenes zu nehmen, erweist sich einmal mehr als unglaubliche Stärke von The Last of Us. So sorgen die Macher um den Schöpfer Neil Druckman für eine emotionale Fallhöhe, die in den letzten beiden Folgen ihre volle Wirkung entfalten dürfte. Die teils sehr ruhige und entschleunigte Erzählweise baut letztendlich eine Spannung auf, die in einem hoffentlich furiosen Staffel-Finale die Zuschauerinnen und Zuschauer mit voller Wucht mitreißen und den letzten Beweis dafür liefern wird, dass The Last of Us eine der besten Serien aller Zeiten ist.

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