The Last Remnant im Test

Test Christian Schönlein

Auf Standbildern sehen die Schlachten toll aus. In Bewegung ruckeln solche Kampfszenen aber ungeheuerlich. Auf Standbildern sehen die Schlachten toll aus. In Bewegung ruckeln solche Kampfszenen aber ungeheuerlich. Ein wenig darf man sich schon wundern über das, was derzeit mit Square Enix los ist. Erst laufen dem einstigen Rollenspielgiganten die bes­ten Entwickler weg, um mit Mistwalker ein eigenes Studio zu gründen, dann veröffentlicht man mit Infinite Undiscovery ein Spiel, das zwar nicht schlecht, aber auch alles andere als herausragend ist, sondern „nur“ gut. Ein für Square Enix’sche Verhältnisse ziemlich maues Fazit. Und jetzt? Jetzt legt man mit The Last Remnant einen Schnellschuss nach, der nicht einmal mehr dieses Qualitätsurteil erreicht. Dabei wurde so viel versprochen: eine spannende Story, angesiedelt in einem bezaubernden Fantasy-Setting, massig Quests, die man nach eigenem Tempo spielen darf, und ein innovatives Kampfsystem, das das rundenbasierte Genre-Einerlei aufbrechen sollte. Nun hat Square Enix kaum eines dieser Versprechen gebrochen, denn im Grunde sind alle Elemente da. An der Umsetzung hapert es aber gewaltig.

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Bösewichte wollen magische Artefakte an sich reißen und der naive Held der Geschichte trägt ein mystisches Amulett mit sich. Ob es da eine Verbindung gibt? Klischee olé! Bösewichte wollen magische Artefakte an sich reißen und der naive Held der Geschichte trägt ein mystisches Amulett mit sich. Ob es da eine Verbindung gibt? Klischee olé! Wie so oft geht es um einen etwas naiven Jüngling, der ohne sein Zutun in eine große Verschwörung gerät. Ein paar üble Gesellen wollen die Remnants (alte Artefakte mit mystischen Kräften) für ihre Zwecke missbrauchen und entführen zu diesem Zwecke die Schwester des Helden. Zwischen dem Geschwisterpärchen und den Remnants scheint es also eine Beziehung zu geben. Die etwas klischeebehaftete Story bietet Genre-Kennern kaum Neues, aber immerhin ist sie in einer Fantasy-Welt angesiedelt, die einige wirklich hübsche und zum Teil auch außergewöhnliche Orte zu bieten hat. Nur zu dumm, dass einem diese Spielwelt trotzdem immer verschlossen bleibt. Der Zutritt ist nämlich durch kurze, dafür aber permanent auftretende Ladebildschirme verwehrt sowie durch anschließend nachladende Texturen. Besonders das Erkunden von Städten wird so zum nervigen Zeitvertreib. Das mag nach technischen Mängeln klingen, die viele Spiele aufweisen, aber hier verhindern sie zu jedem Zeitpunkt das Eintauchen in eine an sich schöne Spielwelt. Ein Umstand, den man übrigens selbst durch eine Installation des Spiels auf die Festplatte der Xbox 360 nicht beheben kann.

SCHLACHTPLATTE
Bevor ihr eure Recken in den Kampf führt, müsst ihr sie zu einem Trupp zusammenfügen. Bevor ihr eure Recken in den Kampf führt, müsst ihr sie zu einem Trupp zusammenfügen. Die technische Umsetzung schadet dann auch dem Kampfsystem. Die Auseinandersetzungen mit allerlei Monster-Gesocks sind cool inszeniert, ruckeln aber so heftig, dass einem auch die spektakulärsten Kameraeinstellungen nichts mehr bringen. Das ist aber nicht das einzige Problem bei den Schlachten, denn diese sind gar nicht so komplex und taktisch, wie Square Enix das versprochen hatte. Ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass das Kampfsystem prinzipiell so funktioniert wie jedes andere rundenbasierte auch. Nur befehligt man statt einzelner Charaktere eben Truppenverbände mit bis zu fünf Recken. Das Potenzial, das hier schlummert, wird erst in einigen Massenschlachten auf der zweiten der beiden Disks genutzt – und selbst dann nur im Ansatz. Dass sich ein Rollenspiel Zeit lässt, um die Spielwelt und sämtliche Gameplay-Finessen zu entfalten, ist ja nichts Neues. Wenn es damit aber erst nach der Hälfte der Spielzeit beginnt, und selbst dann nur im Ansatz, ist das einfach zu viel (beziehungsweise zu wenig) des Guten.

FÜR WEN SOLL DIESES SPIEL SEIN?
Die Spielwelt ist an sich sehr stimmig. Aufgrund der Ruckler kann man trotzdem nicht so richtig eintauchen. Die Spielwelt ist an sich sehr stimmig. Aufgrund der Ruckler kann man trotzdem nicht so richtig eintauchen. Zudem kollidiert dieser arg lange Spannungsbogen, mit dem im besten Fall Hardcore-Genre-Fans glücklich werden, mit dem Anspruch, dass Last Remnant anscheinend für ein Publikum mit wenig Rollenspiel-Erfahrungen entwickelt wurde. Oft reicht es, jedem Truppenverband einfach einen Angriff auf ein beliebiges Ziel zu befehlen und abzuwarten. Selbst die oft auftretenden Quicktime-Events, die bei erfolgreicher Absolvierung zu erhöhtem Schaden führen, kann man meist getrost ignorieren. Wenn nach jedem Kampf verwundete und selbst gefallene Party-Mitglieder komplett geheilt werden, spornt das eben kaum zu einer überlegten Handlungsweise an. Das macht das Ganze eher zu einem Kinderspiel. Wer eine Herausforderung sucht, muss schon eine Übermacht von Gegnern anlocken und diese gleichzeitig provozieren. Denn immerhin gibt es keine nervigen Zufallskämpfe, sondern stets sichtbare Gegner, die ihr entweder umgehen oder eben in einen Kampf verwickeln
könnt.

Bildergalerie: The last Remnant
Bild 1-3
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