Das Terrain im Südosten heißt Dementia und ist das genaue Gegenteil von Mania. In den trostlosen Sumpflandschaften treiben düstere Gesellen ihr Unwesen. Eine Warnung gibt uns der Portier noch auf den Weg: Aus dem Land des verrückten Prinzen sind nur wenige lebend zurückgekehrt - und diese armen Teufel waren nicht mehr bei Verstand. Nachdem wir wissen, was uns erwartet, entscheiden wir uns für die Gefahr, schließlich wollen wir die 2.400 Microsoft-Punkte nicht umsonst ausgegeben haben, egal wie verrückt wir am Ende sein mögen.
Doch bevor Sie in die tieferen Regionen von Shivering Isles vordringen, gelangen Sie in das Dorf Passwall. Hier bewacht der riesige Torwächter den Zugang in das Reich. Wie Sie es aus Oblivion schon kennen, gibt es meist mehrere Wege, einen Auftrag zu erfüllen oder ein Rätsel zu lösen. In diesem Fall können Sie auf die Hilfe der Dorfbewohner zählen. Wir begegnen zufällig einem jungen Mann, der sich als Knochensammler entpuppt und liebend gern die Gebeine des Riesen seiner Sammlung hinzufügen möchte.
Mit seiner Hilfe geraten wir an Knochenpfeile, die sich als äußerst wirksam gegen den Koloss erweisen. Jetzt ist der Weg nach Shivering Isles endgültig frei. Die erste Station unserer Reise ist Fürst Sheogorath persönlich, ein sehr schizophrener Kauz, der mit seiner Art ein wenig Humor in das bierernste Heldenepos bringt. Er bittet uns um Hilfe in seinem Kampf gegen den Zerfall seiner Welt, den der Graue Marsch, der Jyggalag und die Ritter des Ordens herbeiführen wollen.
Wem Sie den Marsch blasen, bleibt ganz Ihnen überlassen, auf Shivering Isles herrscht der Gegensatz, denn so wie Dementia und Mania die beiden grundverschiedenen Welten des Kontinents darstellen, haben auch Sie stets die Wahl zwischen einer von zwei Seiten. Wie Sie sich auch immer entscheiden, die Geschichte entwickelt sich abhängig von Ihrem Verhalten.
Arbeiten Sie für oder gegen den Fürsten? Für welche der Parteien entscheiden Sie sich während der Erfüllung Ihrer Aufgabe? Es liegt allein in Ihrer Hand. Wollen Sie alle Winkel erforschen und alle Nebenquests erfüllen, sind Sie mit Sicherheit länger als die angegebenen 30 Stunden unterwegs. Übrigens: Da Fürst Sheogorath etwas gegen Reittiere hat, können Sie die Inseln nur per pedes bereisen.
Dank der vielen alternativen Lösungswege, die die Geschichte maßgeblich beeinflussen, lohnt sich ein zweites Durchspielen auf jeden Fall. Dafür können Sie problemlos einen neuen Charakter anlegen, mit dem Sie das Eiland betreten, denn die Stärke der Gegner passt sich dynamisch an die Stufe Ihres Charakters an - eine Levelbegrenzung gibt es also nicht. Somit kann Shivering Isles auch bedenkenlos The Elder Scrolls-Einsteigern ans Herz gelegt werden.
Eines sollte aber alten Oblivion-Hasen klar sein: Die Erweiterung bringt keine grundlegenden Veränderungen im herausragenden Gameplay. Wer Revolutionäres erwartet, könnte enttäuscht werden, denn in erster Linie ist Shivering Isles ein Add-on im ganz klassischen Sinn. Ein neues Gebiet, neue Quests, neue Charaktere und Gegner und neue Gegenstände sind die wesentlichsten Änderungen im Spiel, dafür vergrößern sich die Welt und die Spieldauer um rund ein Viertel. Wer von Oblivion noch immer nicht genug oder das Spiel schon seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Regal geholt hat, weil es nichts Neues mehr zu entdecken gab, sollte den Vorstoß zu den Zitternden Inseln auf alle Fälle wagen.
