The Berlin Apartment im Test: So macht man Geschichte greifbar!

Test Marie-Theres Ottowitz Stefan Wilhelm
The Berlin Apartment im Test: So macht man Geschichte greifbar!
Quelle: bildundtonfabrik

Historische Themen sind in Videospielen keine Seltenheit. Einzelschicksale kommen hierbei aber häufig sehr kurz. The Berlin Apartment nimmt sich genau denen an und gibt uns Einblick in historische Ereignisse aus greifbaren Perspektiven.

Vielleicht kennt ihr das auch: Ihr sitzt in eurer Wohnung, lasst die Gedanken schweifen und plötzlich stellt ihr euch die Frage: Was haben diese vier Wände eigentlich schon alles erlebt? Wer hat hier schon gewohnt und einen Teil seiner Lebensgeschichte geschrieben? Besonders einige Altbauten haben Ereignisse erlebt, an die heutzutage leider nicht einmal mehr Zeitzeugen erinnern können.

Das Produktionsunternehmen btf nimmt sich dieser Frage in The Berlin Apartment an und erschafft mit der namensgebenden Wohnung inmitten der deutschen Hauptstadt eine ganz eigene Art Zeuge einer durchwachsenen Vergangenheit.

So liegt der Fokus in diesem First-Person-Abenteuer nicht etwa auf einer Hauptperson, die sich durch die Landschaften ihrer Geschichte bewegt. Vielmehr stellt die Wohnung die Konstante dar und die verschiedenen Personen wohnen deren Geschichte bei - wobei sie diese natürlich maßgeblich mitgestalten.

Im Test konnte das Spiel besonders in Bezug auf sein Storytelling überzeugen. Gerade bei den Themen Gameplay und Technik gibt es aber definitiv noch Luft nach oben. Wieso sich ein Blick ins und aus dem Apartment in Berlin trotzdem lohnen kann, verraten wir euch in unserem Test.

Eine Geschichtsstunde fernab des Schulunterrichts

Bevor wir uns auf die Reise in die Vergangenheit der Wohnung und ihrer vorherigen Bewohner begeben, beginnt die Geschichte erst einmal im Jahr 2020, wo die vier Wände bislang noch leer stehen. Wir begleiten den Handwerker Malik, der mit der Renovierung der Bleibe beauftragt wurde, bevor sie wieder an den nächsten Glückspilz auf dem Immobilienmarkt weitergegeben werden kann. Begleitet wird er hierbei von seiner kleinen Tochter, die eigentlich lieber in der Schule wäre - zumindest am Anfang.

Die Bude ist zu Beginn in fragwürdigem Zustand, überall stehen Sachen rum, die Tapete ist alt und Graffitis zieren die Innenwände - wobei manche davon eigentlich ganz schick aussehen. Nichtsdestotrotz soll die gesamte Wohnung von Grund auf renoviert werden.

Im Jahr 2020 steht die Wohnung bislang leer. Doch auf der Baustelle verstecken sich Relikte vergangener Zeiten, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Quelle: bildundtonfabrik Im Jahr 2020 steht die Wohnung bislang leer. Doch auf der Baustelle verstecken sich Relikte vergangener Zeiten, die nur darauf warten entdeckt zu werden.

Hierfür knöpfen sich die beiden zuerst die Tapete vor und beginnen, diese von den Zimmerwänden zu reißen. Doch plötzlich stößt Dilara auf einen Brief, der bis dato hinter den alten Faserfetzen verborgen geblieben war. Er stammt von einer Person namens Kolja, die wohl 1989 in diesem Apartment gewohnt hatte.

Begeistert von ihrem Fund und getrieben von kindlicher Neugierde bittet das junge Mädchen ihren Vater, ihr die Geschichte hinter dem Relikt zu erzählen - und tritt damit eine Reihe von Kurzgeschichten los, die die Renovierungsarbeiten fortan begleiten sollen.

Mit jeder Baustelle enthüllen sich auch weitere Spuren der Vergangenheit und wir werden Teil von insgesamt vier Erzählungen zu diversen bedeutenden Ereignissen der deutschen Geschichte. Hierfür schickt uns das Entwicklerteam in verschiedene Jahre ab 1933 und strickt seine Handlung somit fast über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Der gemeinsame Nenner? Die Wohnung, welche als stiller Beobachter Teil jeder Erfahrung war.

Das Anfangsdatum der narrativen Zeitreise ist natürlich nicht zufällig gewählt. Neben emotionalen, persönlichen Geschichten vermitteln uns die Entwickler auch klar den historischen Kontext, den der jeweilige Protagonist in Berlin miterlebt hat - also in einer Stadt, die im vergangenen Jahrhundert viele schöne Momente gesammelt, aber auch einige Spuren von dunkleren Kapiteln davongetragen hat.

Das Spiel setzt sich in diesem Kontext mit schwierigen Themen wie Einsamkeit, Krieg, Flucht, Verfolgung und Zensur auseinander. Diese historische Aufarbeitung ist definitiv gelungen und ermöglicht uns einen Blick in die Vergangenheit abseits klassischer Geschichtsbücher. Recht viel mehr wollen wir an dieser Stelle von der Erzählung selbst aber auch gar nicht verraten, denn sie bildet definitiv den bedeutendsten Teil des Spiels und sollte selbst entdeckt werden.

Der Blick aus dem Fenster des Apartments lohnt sich in jedem Kapitel wieder, denn die vielen Details in der Umgebung erzählen manchmal mehr als 1000 Worte und geben Aufschluss über den historischen Kontext der Kurzgeschichten. Quelle: bildundtonfabrik Der Blick aus dem Fenster des Apartments lohnt sich in jedem Kapitel wieder, denn die vielen Details in der Umgebung erzählen manchmal mehr als 1000 Worte und geben Aufschluss über den historischen Kontext der Kurzgeschichten. Lasst euch aber gesagt sein: Der Blick aus dem Fenster lohnt sich in jedem Kapitel immer wieder und stellt für uns ein Highlight des Spiels dar. Nicht, weil der Ausblick so schön ist, ganz im Gegenteil - er ist meist sogar eher bedrückend. Es geht vielmehr darum, dass die Aussicht allein schon durch die liebevolle, detailreiche Gestaltung der Umgebung mehr als tausend Worte erzählt und die Veränderung der Hauptstadt über die Jahre hinweg spürbar und erlebbar macht. Wie es um die Balance zwischen Storytelling und Gameplay steht, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

  1. Seite 1 Einstieg und Geschichte einer Berliner Wohnung
  2. Seite 2 Storytelling und Gameplay
  3. Seite 3 Technische Probleme und Fazit
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