Ist der exklusive Nachfolger zu Tenchu: Return of Darkness eines wahren Ninja würdig?
Quelle: OXM
Ich finde typisch japanische Serien, die sich erfrischend vom westlichen Einheitsbrei unterscheiden, sind eine wohltuende Bereicherung für den europäischen Softwaremarkt - egal ob es sich dabei um Beautiful Katamari, Blue Dragon oder Dancing Stage handelt. Doch bis diese Hochkaräter den Weg nach Deutschland finden, dürften noch einige Wochen und Monate ins Land gehen. Abwechslung schafft indes Tenchu Z, das die traditionsreiche Tenchu-Reihe fortführt und erstmals exklusiv auf einer Microsoft-Konsole erscheint. Ob das eine gute Idee ist?
Am berühmten Setting der Serie hat sich natürlich nichts geändert - wieder einmal verschlägt es Sie ins feudale Japan, um sich als Ninja zu beweisen. Um sich auch langfristig mit dem Schattenkämpfer identifizieren zu können (immerhin gilt es über 50 Aufträge erfolgreich auszuführen), bestimmen Sie Geschlecht, Aussehen und Kleidung, und schon stürzt sich Ihr Ninja in den Kampf. Als feudaler japanischer Krieger beherrschen Sie natürlich die Kunst des lautlosen Tötens, ein entscheidender Vorteil, wenn Sie wahlweise aus der Ego- oder Verfolgerperspektive feindliche Dörfer infiltrieren, Gesetzlose und korrupte Staatsdiener meucheln oder einfach nur Informationen beschaffen. Entwickler From Software hat bei den Missionen auf Kreativität gesetzt, das wird aber durch die aufgesetzte Komplexität des Gameplays schnell zunichte gemacht. Vermutlich hatte ein Ninja selten so viele Möglichkeiten, seine Gegner ins Nirwana zu schicken - lautlose Wand-Morde, heimtückische Angriffe durch Papierwände oder tödliche Waffen wie Shurikens sind nur einige der über 130 Möglichkeiten.
Doch leider reicht fast ausschließlich banales Anschleichen und Aufschlitzen aus, um Informanten aufzuspüren oder illegalen Glücksspielern das Handwerk zu legen. Dabei übt Tenchu Z eine sonderbare Faszination aus. Ein gewisses Gefühl der Allmacht liegt in der Luft, wenn Sie über die Dächer springen, sich im Schutz der Dunkelheit tarnen und nur auf die richtige Gelegenheit warten, um lautlos zuzuschlagen. Gelingt das nicht, dann werden Ihnen zwar wertvolle Punkte gestrichen, die zum Freischalten zusätzlicher Angriffe, Waffen oder Kleidung benötigt werden, aber vom Scheitern der Mission sind Sie weit entfernt. Das könnte an der unglaublich schlechten KI der feindlichen Kämpferriege liegen, die sich dermaßen naiv und blind verhält, dass man glauben könnte, sie hätten sich vor Spielbeginn mit drei Litern Sake Mut angetrunken. Selbst blutende Leichen sorgen nur wenige Sekunden für Panik im feindlichen Lager, wegtragen oder verstecken ist also überflüssig. Werden Sie entdeckt, springen Sie flugs hinter die nächste Mauer, warten zwanzig Sekunden und schon gelingt doch noch ein tödlicher Überraschungsangriff. Entschuldigung, aber entweder ich zwinge den Spieler zu einer vorsichtigen Vorgehensweise, bei der jeder Schritt wie im Leben eines richtigen Ninja auch tödlich sein könnte, oder ich verzichte auf Tausende von Angriffsmöglichkeiten, die dann doch nicht genutzt werden.
Wer optisch ein erstklassiges Next-Generation-Update der Tenchu-Reihe erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Wie auch bei Vampire Rain ist die Atmosphäre hier zwar durchaus gelungen, optisch erreicht das Abenteuer aber lediglich gehobenes Xbox-Niveau. Dafür sorgen stimmungsvolle Klänge mit dezenter Percussion-Untermalung für eine schöne Soundkulisse, aber das rettet den Titel auch nicht vor dem Versinken im Mittelmaß. Lediglich der solide Online-Mehrspieler-Koop-Modus sticht aus dem Einheitsbrei heraus.
