Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit!

Test Felix Schütz
Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit!
Quelle: Bethesda

Bethesda im Größenwahn: Haben sich die Schöpfer von Skyrim diesmal selbst übertroffen? Oder ist Starfield doch "nur" ein Fallout im Weltall? Wir haben das Sci-Fi-Schwergewicht mehr als 80 Stunden lang getestet.

Keine Frage: Es ist oft ungeheuer atmosphärisch, so eine neue Welt zu betreten, einen Hügel zu erklimmen und einfach mal den Blick schweifen zu lassen. Selbst wenn es da oft nur totes Geröll zu sehen gibt, weil der Großteil der Himmelskörper schlichtweg kein Leben bietet. Auf kargen Monden oder staubigen Wüstenplaneten könnt ihr zumindest noch Rohstoffe finden, die ihr einfach mit eurem Laser aus dem Gestein schneidet. Auf anderen Welten gibt es auch blühende Vegetation und abgefahrene Kreaturen, manche aggressiv, andere friedlich. Auch diese Viecher könnt ihr scannen oder für Erfahrungspunkte jagen, wenn ihr Lust drauf habt. Das ist zwar nicht spannend, aber: Wer einfach mal auf eigene Faust fremde Planeten erkunden will, ohne dabei einer Quest zu folgen, kann das auf jeden Fall tun.

Mit aktiviertem Scanner entdeckt ihr in der Ferne außerdem oft interessante Orte, zu denen ihr erst mal hinlaufen müsst - Fahrzeuge gibt's nämlich nicht. Manche dieser Orte sind einfach nur Naturphänomene, oft entdeckt man aber auch Piratenstützpunkte, Farmen, Fabriken, kleine Außenposten und so weiter. Manchmal findet man dort sogar eine kleine Quest oder ihr könnt zumindest etwas Beute einsacken.

Was uns aber wirklich fehlt, sind spannende Zufallsbegegnungen, einprägsame Momenten und schlichtweg mehr Leben, zumindest auf besiedelten Planeten. Abgesehen von gelegentlichen Schiffen, die zufällig in der Pampa landen, war auf unseren Planeten einfach kaum etwas los! Wir haben zum Beispiel mehrmals Höhlen besucht, in denen außer ein paar Ressourcen oder einem Kadaver nichts zu entdecken war. Warum sollten wir also noch weitere Höhlen erkunden, wenn schon die ersten ziemliche Nieten waren? Da machen wir lieber etwas anderes mit unserer Spielzeit.

Die Hauptquest führt euch an interessante Orte. Quelle: PC Games Die Hauptquest führt euch an interessante Orte. Zum Beispiel habt ihr auch die Möglichkeit, auf Planeten eigene Stützpunkte zu errichten. Kleine Habitate, Generatoren, Landeplätze, Extraktoren, Frachträume - das alles dürft ihr einfach in die Landschaft pflanzen. Die Grundmechanik kennen wir schon aus Fallout 4, allerdings dürfen wir hier auch eine praktische Vogelperspektive nutzen, die deutlich mehr Übersicht bietet.

In unserem Test haben wir uns noch nicht umfassend mit dem Basisbau beschäftigt, denn dafür sind massenhaft Ressourcen nötig. Wir können aber schon jetzt sicher sagen, dass der Basisbau völlig freiwillig ist. Wer sich schon in Fallout 4 gerne ein Zuhause gebastelt hat, wird daran sicher seine Freude haben - alle anderen können das Feature aber einfach ignorieren.

Falls es zum Basisbau auch eine spannende Questreihe geben sollte, ist sie uns in unseren 80 Spielstunden schlichtweg nicht begegnet. Dafür haben wir aber noch reichlich unerledigte Aufträge in unserem Questlog und sehr viele Systeme haben wir noch nicht mal besucht - an Umfang mangelt es also nicht, selbst wenn man auf das öde Planetenerkunden und den Basisbau verzichtet.

Nach der Hauptquest ist natürlich nicht einfach Schluss, jedenfalls nicht, wenn ihr das wollt. Wie Bethesda vorab schon verraten hat, gibt es in Starfield nämlich tatsächlich eine Art "New Game Plus". Wie genau dieser Modus aussieht, welche Fortschritte übernommen werden und warum man sich überhaupt darauf einlassen sollte - das alles wäre ein dicker Spoiler, den wir hier nicht verraten wollen.

Reichen 30 Bilder pro Sekunde?

Wir haben Starfield auf PC, Xbox Series S und Xbox Series X getestet und kommen auf allen Plattformen zum gleichen Ergebnis: Bethesdas Qualitätskontrolle hat saubere Arbeit geleistet, grobe Bugs sind uns in insgesamt mehr als 140 Spielstunden keine begegnet. Abstürze waren äußerst selten und kaputte Quests hatten wir auch keine. Dass die Gegner-KI hin und wieder mal kleinere Aussetzer zeigt oder dass die Wegfindung bei manchen NPCs für lustige Momente sorgt, lässt sich gut verschmerzen.

Was und aber gestört hat, sind die mangelhaften Zugänglichkeitsoptionen. Auf Wunsch gibt's hier lediglich große Menüschriften und Untertitel sowie die Optionen, per Tastendruck Items zu ziehen oder das Visier umzuschalten. Da sind wir von anderen AAA-Games deutlich mehr gewohnt. Immerhin lässt sich aber die Tastenbelegung umfassend anpassen. (Hinweis für Arachnophobiker: Es gibt Spinnen im Spiel, aber keinen Modus, um sie optisch zu entschärfen.)

Grafikvergleich: Niedrig bis Ultra-Settings (kein Upscaling)
Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit (17)
Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit (17) Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit (18) Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit (19) Starfield im Test: Houston, wir haben einen Hit (20)

Spannend bleibt die Frage nach der Performance. Mit der Ankündigung, dass Starfield auf den Xbox-Konsolen nur 30 Bilder pro Sekunde packt, hat Bethesda vorab für einigen Unmut gesorgt. Nach ein paar Minuten Eingewöhnung stellten wir aber fest, dass wir mit den 30 Bildern pro Sekunde bestens zurechtkamen, das Spielerlebnis fühlte sich in den allermeisten Momenten flüssig und sauber an.

Auf dem PC sind zwar höhere Frameraten möglich, allerdings braucht ihr dazu einen leistungsstarken PC. Und wenn ihr in Ultra-Settings und in 4K zocken wollt, reicht die von Bethesda empfohlene Hardware schlichtweg nicht mehr aus, da kommt selbst eine RTX 3080 ins Schwitzen. Bethesdas Creation Engine wurde sichtbar aufgemöbelt und unterstützt jetzt sehr schöne Beleuchtung und detailreiche Schatten. Dazu gibt's sehr hohe Weitsicht, kurze Ladezeiten und angenehm wenig Pop-Ups, was aber ordentlich Leistung kostet.

Grafikvergleich: Mittel vs. Ultra (mit FSR 2.0)

Mittlere Grafikeinstellung Ultra Grafikeinstellung

Was viele Nvidia-Besitzer vorab schon geärgert hat, ist der Verzicht auf DLSS, stattdessen stehen nur Upscaling-Methoden (FSR 2.0 wird unterstützt) von AMD zur Wahl. Die werdet ihr höchstwahrscheinlich auch brauchen, um auf einem Mittelklasse-System in ordentlicher Qualität zu spielen. Unser Tipp: Nicht zu sehr bei den Details sparen, Starfield lässt sich nämlich auch mit 30 bis 40 FPS gut genießen! Umso ärgerlicher, dass das Grafikmenü kaum nützliche Infos bietet. Was sich hinter den Einstellungen verbirgt und wie viel Performance sie kosten, muss man sich selbst zusammenreimen. Gamma-Regler und FOV-Slider hat man sich gespart. Sogar die Möglichkeit, die Framerate zu begrenzen, fehlt hier komplett. Vsync an, Vsync aus - mehr dürft ihr da nicht einstellen. Wer eine Obergrenze für die Framerate festlegen will, muss das also manuell über den Grafiktreiber regeln.

Update: Mit Patches hat Bethesda viele technische Verbesserungen nachgereicht, darunter auch Support für DLSS.

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Tipp: Falls ihr noch mehr Infos zu den Hardware-Anforderungen von Starfield sucht, schaut einfach bei unseren Kollegen von PC Games Hardware vorbei. Dort findet ihr erste Benchmarks und Eindrücke aus der PC-Version, in Kürze werden hier noch weitere Messungen und Infos hinzukommen. Im verlinkten Video oben bekommt ihr auch schon eine erste Einschätzung vom Hardware-Experten Phil. Hier findet ihr außerdem ein Übersicht mit CPU-Benchmarks für Starfield.

Hinweis: Wir haben unser Wertungssystem angepasst, das wirkt sich auch auf diesen Test aus. Alle Details dazu findet ihr hier.

Wertung zu Starfield (PC)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Starfield (XSX)

Wertung:

8.5 /10
Fazit

Fantastisch designtes Sci-Fi-Rollenspiel mit vielen typischen Bethesda-Stärken, guten Dialogen und spaßigen Kämpfen. Raumfahrt und Planetenerkundung verlieren zwar schnell an Reiz, stören das Spielerlebnis aber auch nicht.

Doch selbst wenn ihr bei den Grafiksettings ein paar Kompromisse eingehen müsst, sollte euch das nicht abhalten. Starfield setzt vielleicht keine neuen Maßstäbe und nein, es kann am Ende auch nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen. Aber es ist trotzdem ein starkes Abenteuer geworden, das nicht nur von seiner Technik, sondern auch von seinem tollen Design lebt. Besonders das Setting hat Bethesda toll hinbekommen und auch die meisten Charaktere, Quests und Geschichten machen Spaß. Bei der Action hat sich das Team deutlich gesteigert und für Umfang ist gesorgt. Dass man nun auch mit einem Raumschiff rumdüsen und sich im Weltall Kämpfe liefern kann, fühlt sich allerdings eher wie Bonus an, der Potenzial verschenkt.


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Ähnlich verhält es sich mit dem offenen Planetenerkunden: Manchen Spielern dürfte das ziellose Herumlaufen einfach zu öde sein. Andere könnten ihm mehr abgewinnen, vielleicht, weil sie sich lieber mit dem Basisbau oder Ressourcensammeln beschäftigen, anstatt Quests zu machen. Uns haben diese Inhalte zwar nicht abgeholt, aber immerhin: Das Spiel lässt uns genug Freiheiten, um es so zu erleben, wie wir es wollen. Spielt man Starfield in erster Linie wie ein Fallout 3, ist es trotz vieler Ladebildschirme ein tolles Erlebnis!

Auch wenn es diesmal keine riesige, zusammenhängende Open World à la Skyrim gibt, auch wenn nicht jedes Feature voll in Schwarze trifft, ist Starfield also immer noch ein Bethesda-Spiel durch und durch - und wie wir finden, es ist auch eines der besten, die das Studio je gemacht hat. Dass wir mit dieser Meinung nicht den Massengeschmack treffen, ist allerdings eindeutig: Allein die User-Wertungen auf Metacritic sprechen eine deutliche Sprache.

Dass Starfield trotzdem noch eine spannende Zukunft hat, daran besteht für uns kein Zweifel: Ein erstes Add-on ist bereits angekündigt, größere Patches sind in Arbeit und die Modder scharren schon mit den Hufen. Wenn's am Ende auch nur halb so erfolgreich wird wie Skyrim, dann ist Starfield ein Spiel, über das wir sicher noch häufiger reden werden. Und sei es nur, weil die PS5-Umsetzung schon lange ein offenes Geheimnis ist.

Update: Für Starfield sind mittlerweile mehrere Patches erschienen, manche verbesserten die Technik, andere fügten neue Features hinzu - darunter ein Fahrzeug und eine deutlich verbesserte Sternenkarte. Auch ein erstes großes Add-on wurde veröffentlicht, der DLC mit dem Titel Shattered Space konnte uns im Test allerdings nicht überzeugen.

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