Rebel Assault war Kino zum Anfassen: Rückblick auf einen Meilenstein der PC-Spiele

Special Felix Schütz
Rebel Assault war Kino zum Anfassen: Rückblick auf einen Meilenstein der PC-Spiele (1)
Quelle: Lucas Arts, Mobygames, Collage: PC Games

Spiele, die zum Großteil aus Videosequenzen bestehen? Was heute furchtbar klingt, war Anfang der 90er Jahre noch der letzte Schrei. Ihren Erfolg haben sie vor allem Star Wars: Rebel Assault zu verdanken.

Wer Rebel Assault heutzutage startet, reibt sich erst mal verwundert die Äuglein: Matschige Grafik, stumpfes Gameplay, wenig Umfang - wie konnte uns ein simpler Rail-Shooter damals nur so umhauen?

Im Jahr 1993 weht freilich noch ein anderer Wind, denn Rebel Assault wird bei Release als echtes Grafikwunder gefeiert. Mit flüssigen Videos und digitalem Sound ballert das Arcade-Actionspiel gnadenlos an der Konkurrenz vorbei. Möglich macht's die gute, alte CD-ROM, die gewaltige Datenmengen fassen kann. Ein riskanter Schritt für LucasArts, der sich aber richtig lohnt: Wo sich die meisten Disketten-Spiele noch mit einfachen Pixeleien zufriedengeben müssen, brennt Rebel Assault bereits ein waschechtes Multimedia-Spektakel ab.

Hinweis: Dieser Artikel ist schon vor einigen Jahren erschienen. Wir haben den Text überarbeitet, neue Infos hinzugefügt und das Layout aktualisiert. Damit bekommt ihr unser Retro-Special in seiner bislang besten Form.

Die Allianz schlägt zurück

In Star Wars: Rebel Assault (jetzt kaufen ) schlüpft ihr in die Haut von Rookie One, einem stinknormalen Piloten, der zum Helden der Rebellenallianz aufsteigt und mal so nebenbei den berüchtigten Todesstern pulverisiert. Die simple Story weicht damit deutlich von der Handlung der Filme ab und zählt deshalb auch nicht zum offiziellen Kanon. Macht aber nix!

Das Spiel entpuppt sich bei Release trotzdem als voller Erfolg, vor allem unter eingefleischten Star-Wars-Fans wird es schnell zum Kassenschlager. Denn LucasArts präsentiert hier erstmals einen kleinen Star-Wars-Film zum selbst spielen - und damit trifft das Kult-Studio genau den Nerv der Zeit.

In unserer großen Retro-Rubrik knöpfen wir uns regelmäßig Spiele, Marken und Studios vor, die Gaming-Geschichte geschrieben haben. Von bahnbrechenden Klassikern über längst vergessene Geheimtipps bis hin zu kontroversen Ausnahmetiteln, wir nehmen euch mit auf eine Reise durch vier Jahrzehnte Gaming-Kultur. Hier findet ihr noch viele weitere Retro-Specials und Videos!

Eine neue Grafik-Hoffnung

Die meiste Spielzeit in Rebel Assault verbringt man in Cockpits von Raumschiffen: Mit dem ikonischen X-Wing fliegt ihr Angriffe auf Sternenzerstörer, erlebt im Snowspeeder die Schlacht um den Eisplaneten Hoth und im A-Wing düst ihr waghalsig durch Asteroidenfelder.

Es gibt auch ein paar Bodenmissionen, in denen sich der steif animierte Spielheld mit Seitwärtsschritten in Deckung begeben und von dort aus Sturmtruppen bekämpfen muss. Im Grunde hat man aber in allen Einsätzen eh nur zwei Dinge zu tun: Gegner abschießen und gelegentlich mal einem Hindernis ausweichen. Das ist kaum anspruchsvoller als Moorhuhn, aber Himmel, sieht das für die damalige Zeit gut aus!

Die wenigen Bodenmissionen in Rebel Assault fallen unspektakulärer und langweiliger aus als der Rest des Spiels. Quelle: PC Games Die wenigen Bodenmissionen in Rebel Assault fallen unspektakulärer und langweiliger aus als der Rest des Spiels. Das Besondere an Rebel Assault ist nämlich nicht das Geballer, sondern die innovative Inszenierung, die bei Release für Staunen sorgt: Alle Level liegen als vorgerenderte, pixelige Filmsequenzen vor, das heißt: Anders als in einem richtigen 3D-Level kann man sich nicht frei in den Umgebungen bewegen.

Der Grund dafür ist natürlich die Rechenleistung: Im Jahr 1993 sind Computer noch meilenweit davon entfernt, Grafiken in solcher Qualität in Echtzeit berechnen zu können. (Das erste Doom erscheint erst einen Monat später!) Vorgerenderte "Video-Level" sind darum die einzige Option für LucasArts, um eine Show abzuziehen, die der Filmvorlage würdig ist.

Weiter aufs Ziel zu!

Gegner und andere Ziele abschießen, das klingt banal, stellt die Entwickler aber vor eine Herausforderung. Schließlich können feindliche TIE-Fighter, Geschütze oder Asteroiden nicht einfach aus dem Video verschwinden, sobald man sie zerstört hat. Darum werden sie als interaktive Objekte über dem Film eingeblendet, der unbeirrt im Hintergrund weiterläuft. Weil die Videos aber aufgrund der niedrigen Auflösung noch arg matschig daherkommen, müssen Gegner mit grünen Markierungen versehen werden, damit sie sich richtig vom Hintergrund abheben.

Alle Level liegen als vorgerenderte Videos vor, Gegner werden einfach darüber eingeblendet. Quelle: PC Games Alle Level liegen als vorgerenderte Videos vor, Gegner werden einfach darüber eingeblendet. Die Entwickler greifen außerdem zu einem cleveren Trick: Die Videos haben etwas größere Maße als der eigentliche Bildausschnitt des Monitors! Wenn man also mit dem Cursor in eine Richtung zeigt, bewegt sich der Bildausschnitt ein paar Zentimeter mit dem Mauszeiger mit. Dadurch entsteht der Eindruck, man könne die eigene Flugbahn ein wenig beeinflussen, obwohl wir natürlich wissen, dass das Unsinn ist - die Level sind schließlich nur einfache Filmsequenzen.

Atmosphäre pur: In Rebel Assault können Star-Wars-Fans große Momente wie die Schlacht um Hoth hautnah miterleben. Quelle: PC Games Atmosphäre pur: In Rebel Assault können Star-Wars-Fans große Momente wie die Schlacht um Hoth hautnah miterleben. Und natürlich bietet das Spiel alles, was die Technik von 1993 hergibt: Vollständige Sprachausgabe, John Williams' legendären Soundtrack und sogar Ausschnitte aus den originalen Kinostreifen werden auf die CD-ROM gepresst. Der heimische Computer mutiert damit vollends zur Multimedia-Maschine und gibt einen Vorgeschmack auf das, was PC-Spieler in den kommenden Jahren erwartet.

Screenshots aus Rebel Assault 1


Schon gewusst? Rebel Assault wird auch für zwei Konsolen portiert. Während die Umsetzung für das 3DO gelungen ist, genießt die Portierung für das Sega CD einen schlechten Ruf: Die Grafikqualität wird sichtbar zurückgeschraubt, außerdem fehlt der komplette siebte Level.


Die Folgen des Erfolgs

Obwohl die meisten PC-Spieler noch Diskettenlaufwerke in ihren Rechnern haben, entpuppt sich das erste Rebel Assault als Überraschungshit. Laut LucasArts werden mehr als eine Million Einheiten verkauft. Damit senden die Entwickler ein wichtiges Signal durch die Industrie! Bis heute sagt man Rebel Assault deshalb nach, es sei ein wichtiger Grund für den raschen Erfolg des CD-ROM-Laufwerks gewesen.

Dass ihm allein diese Ehre gebührt, darf bezweifelt werden, schließlich gibt es zu der Zeit bereits einige CD-Spiele auf dem Markt. Doch der Trend ist nicht mehr zu übersehen: Ab 1994 ist kaum noch ein Spiel in Entwicklung, das ohne schicke Filmsequenzen, Sprachausgabe und anderen Digitalbombast auskommt. Das Zeitalter winziger Plastikdisketten ist damit endgültig vorbei. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie eine völlig neue Generation von Videospielen entsteht - und wie LucasArts daran scheitert, an den Erfolg von Rebel Assault anzuknüpfen.

  1. Seite 1 Star Wars: Rebel Assault - Der bahnbrechende erste Teil
  2. Seite 2 Star Wars: Rebel Assault 2 - Grafisch beeindruckende Fortsetzung
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