Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen

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Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen
Quelle: Square Enix

Spieleentwickler setzen viel daran, ihre Spiele interessant und fesselnd zu gestalten. Zu welchen Tricks gegriffen wird und was Psychologen dazu sagen, erfahrt ihr in unserem Special.

Man kauft sich ein neues Spiel, startet es und ZACK hat man in wenigen Tagen schon unzählige Spielstunden angesammelt und möchte immer weiterspielen. Natürlich kommt das nicht von ungefähr und auch die Entwickler tragen einen großen Teil dazu bei. Schließlich setzen diese verschiedene Taktiken ein, damit man länger im Spiel bleibt und ein positives Erlebnis hat.

Diese Methoden haben sich seit den Anfängen des Gamings im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Bereits Entwicklerteams älterer Spiele wie Pong und Co. haben sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Titel reizvoller gestalten können und so Spielerinnen und Spieler am Ball halten. Aber das ist nicht das Einzige, worum es in diesem Artikel gehen soll: Gespielt wurde schon seitdem es Menschen gibt, lange, bevor dieser Vorgang elektronisch umgewandelt wurde. Und seit etlichen Jahren beschäftigen sich Psychologen damit, welche Bedeutung und Auswirkung dieser scheinbar "sinnlose" Vorgang hat. Ob Siegmund Freud, Lew Wygotski oder Jean Piaget, viele Analytiker haben Theorien aufgestellt, welches Erlebnis wir beim Spielen erfahren wollen.

Brechen von Tabus

Der allseits bekannte und wohl ebenso umstrittene Neuropsychologe Sigmund Freud hat die These aufgestellt, dass man in Spielen Tabubrüche begehen kann, die im echten Leben Konsequenzen nach sich ziehen würden. Diese Tabus markieren die Grenzen des Handelns, Redens und teilweise sogar Denkens in der Gesellschaft, sie dienen als Regelwerk für ein funktionierendes Miteinander, sind aber eben auch immer künstliche Beschränkungen.

Die Banane in der Hand, die zur Waffe wird, der Seitensprung, der beim Liebesspiel mit dem Partner simuliert wird - beim (durchaus weit gefassten) Begriff des Spielens können gesellschaftliche No-Gos gebrochen werden. Angestaute Aggressionen können abgebaut und geheime und eigentlich unterdrückte Wünsche erfüllt werden.

Ebenso kann Spielen bei der Konfliktverarbeitung helfen. Aggressionen und Konflikte werden im simulierten Kosmos gelöst und nicht in die "Außenwelt" getragen.

Flucht aus der Realität

Auch bei Life is Strange werden Träume erfüllt. Chloe sieht in ihrem Traum, ihren Vater William, der schon lange nicht mehr lebt.  Quelle: PC Games Auch bei Life is Strange werden Träume erfüllt. Chloe sieht in ihrem Traum, ihren Vater William, der schon lange nicht mehr lebt.  Ob in diesem Kontext der Problembewältigung mit Blick auf unterdrücktes Verlangen und Aggressionen, oder auch mit harmloserer Bedeutung für einen selbst: Schlussendlich ist das Spielen immer ein kurzer Versuch der Flucht aus der Realität; ob es jetzt, ganz aktuell, die tobende Pandemie ist, oder ob man sich früher gesellschaftlicher Zwänge entfliehen wollte.

Jean Piaget, ein schweizer Pionier der kognitiven Entwicklungspsychologie, nannte dies eine "Verteidigung gegen die Wirklichkeit". Wir passen uns nicht an unser Umfeld an, sondern unser Umfeld an uns. In gewissem Sinne "wehren" wir uns also gegen die Wirklichkeit und den sozialen Druck. Wir bauen uns eine eigene, schöne Welt, die uns niemand kaputtmachen kann. Nicht nur unser Umfeld, sondern auch wir selbst sind so, wie wir es wollen.

Träume erfüllen

Auch Kinder nutzen diesen spielerischen Fluchtmechanismus, sei es jetzt wegen prekärer familiärer Verhältnisse oder anderer Lebensumstände, die ihnen zu schaffen machen. Gleichzeitig kommt bei ihnen aber ein weiterer Aspekt zum Tragen.

Laut dem sowjetischen Psychologen Lew Wygotski flüchten sich Erwachsenen vermehrt in unrealistische Träume oder Wunschvorstellungen. Kinder hingegen nutzen das Spielen sehr häufig auch zur Imitation, orientiert an der ihnen fremden Erwachsenenwelt.

Sie schlüpfen dann in die Rollen der Erwachsenen. Vater, Mutter, Kind, Kochen am Holzherd, Herumfahren mit dem Bobbycar - durch Beobachten der Erwachsenen lernen Kinder die Rollen kennen, in die sie später auch mal hineinwachsen werden, wodurch sich eine spannende Überschneidung aus Spiel und De-facto-Lernprozess ergibt. Dieses Prinzip zieht sich wie ein roter Faden auch durch das weitere Leben hindurch.

Entwicklungsfortschritte durch Spielen

Nicht nur Alkohol ist eine Sucht. Auch Computerspiele können diese Abhängigkeit auslösen. Auch aus diesem Grund kämpft die Bundesregierung seit 2021 gegen das System hinter Lootboxen, die dem Glückspiel ähneln.  Quelle: Rockstar Games Nicht nur Alkohol ist eine Sucht. Auch Computerspiele können diese Abhängigkeit auslösen. Auch aus diesem Grund kämpft die Bundesregierung seit 2021 gegen das System hinter Lootboxen, die dem Glückspiel ähneln.  Viele Hirnforscher sind sich außerdem einig, dass Brettspiele, das Spielen mit Puppen oder eben Gaming förderlich für die Entwicklung eines Heranwachsenden sind. Auch im gehobeneren Alter halten solche Aktivitäten das Gehirn regelmäßig auf Trab.

Diese und viele weitere Aspekte sind tief in uns verankert. Das bedeutet nicht, dass aus jedem Menschen ein Zocker wird, aber es zeigt, welche Gedanken sich Psychologen und Hirnforscher gemacht haben, um das Verhalten und die eigentlichen Beweggründe eines Gamers zu erklären.

Suchtverhalten

Doch es gibt auch weniger schöne Gründe, viel zu spielen. Vor allem die Sucht ist ein ständiger Gefahrenherd für anfällige Personen. Exzessives Zocken sorgt dafür, soziale Kontakte oder den Beruf zu vernachlässigen. Negative Konsequenzen werden schlicht und ergreifend verdrängt. In den meisten Fällen bezieht sich Spielsucht auf Glücksspiele, wie die klassischen Automaten in Casinos. Doch auch Computerspiele können genau diese Sucht auslösen.

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