10 Jahre Spec Ops: The Line - Wie der Militär-Shooter wichtige Grenzen überschritt
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Ein Spiel, das zum Nachdenken anregt und Emotionen erzeugt: Yagers Militär-Shooter Spec Ops: The Line war ein finanzieller Flop, doch aufgrund seines ungewöhnlichen Narrativs hallt der Ruf des Antikriegsspiel auch zehn Jahre später noch nach.
Spoiler-Warnung: Dieser Artikel thematisiert wichtige Story-Details von Spec-Ops: The Line!
Ein Videospiel soll unterhalten und vielleicht auch die Flucht vor der Realität ermöglichen. Aber in jedem Fall muss es die Spieler mit einem guten Gefühl nach Hause schicken. Das war lange Zeit die Regel im Gaming-Mainstream. Kein Wunder, dass wir es Jahrzehnte lang gewohnt waren, den Helden zu spielen. Wir retteten die Welt, rächten uns für Missetaten der Bösewichte und kämpften heroisch für das Gute. Speziell im Action- und Shooter-Genre schlich sich eine Glorifizierung des Kampfes und des Soldatentums ein - als Befreier, Retter, Held.
Das vom deutschen Studio Yager entwickelte Spec Ops: The Line (jetzt kaufen ) ging einen anderen Weg. Denn anstatt eine Heldengeschichte zu erzählen, konfrontierte es Spieler mit den Schrecken des Krieges und mit den Grausamkeiten des eigenen Tuns. Spec Ops: The Line erschien im Juni 2012, verkaufte sich "unter den Erwartungen" - und ist dennoch eines der wichtigsten Spiele des vergangenen Jahrzehnts.
Yager und Publisher 2K Games wagten es damals, von der Norm abzuweichen. Das Ergebnis wurde zwar nicht mit finanziellem Erfolg belohnt, ist aber ein Action-Erlebnis, an das man sich bis heute aufgrund seines starken Narrativs erinnert.
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Sandsturm über Dubai
Spec Ops: The Line fungierte damals als Reboot der über die Jahre stark in die Kritik geratene Taktik-Shooter-Reihe Spec Ops. Nachdem 2K Games mehrfach daran gescheitert war, das Projekt intern umzusetzen, erhielt schließlich das Berliner Entwicklerstudio Yager den Zuschlag. Zu Beginn war das Spiel noch als futuristisch angehauchte Cover-Shooter konzipiert. Das änderte sich jedoch, nachdem klar wurde, dass Yager eigentlich ganz andere Ideen für das neue Spec Ops im Hinterkopf hatte.
Die Entwicklung begann offiziell im Jahr 2007. Director Cory Davis erinnerte sich im Gespräch mit dem britischen Magazin Gaming-Bible an fünf anstrengende, aber auch spannende Jahre: "Ja, das Spiel hat einen speziellen Platz in meinem Herzen. (...) Die Erfahrung war schwierig, in mehrerlei Hinsicht. Das Team wuchs von einer Handvoll Leuten bis zum Release zu einer Gruppe aus mehr als 16 Nationen, die diese Reise gemeinsam erlebten und diese Elemente aus Herz der Finsternis erforschten." Herz der Finsternis (oder auf Englisch Heart of Dearkness) ist eine Novelle von Joseph Conrad aus dem Jahr 1899, an deren Motive sich Spec Ops: The Line stark anlehnt.
Die Erzählung thematisiert neben Imperialismus und Rassismus vor allem Moral, Macht und Gewalt in Zeiten der Kolonialisierung des Kongos. Speziell Hauptcharakter und Spielfigur Captain Martin Walker, der das sogenannte Delta-Team auf der Suche nach dem vermissten John Konrad anführt, wurde in seiner moralischen Entwicklung stark durch die Erzählung inspiriert. Auch Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm Apocalypse Now (1979) gilt als Vorbild für Spec Ops: The Line.
Die Geschichte des Spiels liest sich zunächst althergebracht: Das Delta-Team, bestehend aus drei freiwilligen Spezialisten, wird nach Dubai geschickt. Die Wüstenmetropole wurde durch fortwährende Sandstürme zerstört und ist von der Außenwelt abgeschnitten. Der Delta-Trupp soll besagten Joseph Konrad, Befehlshaber des 33. Bataillons, finden und retten. Die Mission wird jedoch von einem Routine-Einsatz zu einem Himmelfahrtskommando, bei dem Walker und seine Kameraden zwischen die Fronten geraten.
Quelle: PC Games
Captain Martin Walker ist in den ersten Missionen noch das Abziehbild eines idealistischen Soldaten. Das soll sich mit jedoch mit jeder weiteren Mission ändern.
Ihre Taten bringen maßgeblich die eigene Moral ins Wanken und lassen das "Gut gegen Böse"-Kartenhaus schneller einstürzen, als der nächste Sandsturm über Dubai hereinbricht. Spec Ops: The Line war spielerisch nicht überragend, doch die Geschichte und ihre gnadenlose Darstellung des Kriegsschauplatzes machten es unbequem. Und genau dadurch fiel es auf.
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