Scarface: The World is Yours

Test

Auf den Florida Keys knüpft 
man Kontakte zu neuen Lieferanten. 
BILD: PLAYZONE Auf den Florida Keys knüpft man Kontakte zu neuen Lieferanten. BILD: PLAYZONE Das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen, nur sollte man Scarface nicht etwa als GTA Vice City 2 missverstehen - Scarface ist wie der Film stellenweise richtig unangenehm und knallhart. Die deutsche Version ist entschärft, doch auch dieses Spiel gehört nicht in Kinderhände! Zudem stößt Tonys Sprachgewalt an die Grenzen des Erträglichen. Das Wort Fuck fällt im Sekundentakt und bis zum Abspann bekommt man die ganze Bandbreite amerikanischer Fluchwörter präsentiert.

Ich kauf mir was

Die optischen Ähnlichkeiten zu Vice City (dt.) sind unverkennbar, doch spielerisch haben sich die Entwickler von Radical Entertainment (Simpsons: Hit & Run) erfolgreich darum bemüht, ein sehr eigenständiges Spielerlebnis auf die Beine zu stellen. Schon von Beginn an greift man sich in der Gestalt von Tony Montana die großen Fische und nach wenigen Spielstunden wälzen Sie Millionenbeträge auf Ihrem Konto um (inklusive spannender Geldwäschen bei der Bank Ihres Vertrauens). Das heißt aber nicht, dass dieses Geld von ganz alleine auf das eigene Konto gespült wird. Verhandlungen mit Drogendealern, Schmuggeltransporte im stilechten Rennboot und natürlich die Distribution des weißen Pulvers sind essenziell und schon früh im Spiel der eigentliche Gameplay-Inhalt.

So wirkt Scarface nach einer Weile fast schon wie ein sehr brutales Strategiespiel mit gelegentlichen Baller- und Fahreinlagen inklusive kultigen Soundtracks. Respekt spielt eine große Rolle, den man sich einerseits mit erledigten Aufträgen, andererseits - und hier kommt eine große Spaßkomponente ins Spiel - mit dem Erwerb von möglichst teuren Konsumgütern verdient. Zahlreiche Autos, Boote und Einrichtungsgegenstände warten im exklusiven Katalog darauf, zu exorbitanten Summen erworben zu werden.

Auch die eigene Villa darf pompös ausgestattet werden und wer sich die Original-Mondlandefähre der Apollo oder den Sarkophag von Tutanchamun ins Zimmer stellt, kann sich seines Ansehens sicher sein. Der Katalog bietet Waren im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar und bis man dieses Geld angehäuft hat, muss eine Menge Koks von den Florida Keys nach Miami verschifft werden.

Den Löffel, bitte!

Die Stimmung bei Drogendeals ist angespannt - jetzt bloß keine Waffe ziehen! 
BILD: PLAYZONE Die Stimmung bei Drogendeals ist angespannt - jetzt bloß keine Waffe ziehen! BILD: PLAYZONE Wer den Abspann zu Gesicht bekommen will, der kommt nicht umhin, die story-relevanten Missionen zu spielen - und hier darf dann auch nach Herzenslust geballert und gefahren werden. Beides macht Spaß und spielt sich gut, auch wenn die Fahrphysik nicht ganz so ausgefeilt wie beim Vorbild wirkt und vor allem die geringere Auswahl an Fahrzeugen enttäuscht: Lediglich Autos, Lastwagen und Boote stehen zur Verfügung.

Im Gegensatz zu Vice City (dt.) steht zwar weniger die Erforschung der Umgebung als die Eroberung der vier Stadtteile im Vordergrund und für diese Zwecke sind mehr Fahrzeuge gar nicht nötig, wir wären dennoch gerne mit einem Propellerflugzeug über die Skyline geflogen. Ebenfalls wünschenswert wären mehr Checkpoints gewesen. Zwar gibt es innerhalb von Missionen immerhin einige wenige dieser Zwischenspeicherungen, der mitunter happige Schwierigkeitsgrad in den Ballerpassagen sorgt aber dennoch nicht selten für Frust und mehrfach gespielte Abschnitte.

Blendend

Das Satelliten-Telefon gewährt Einblick in alle wichtigen Aktivitäten von Tony. 
BILD: PLAYZONE Das Satelliten-Telefon gewährt Einblick in alle wichtigen Aktivitäten von Tony. BILD: PLAYZONE Keinen Anlass zur Kritik gibt es im Technikbereich. Scarface sieht realistischer aus als Vice City (dt.) und bietet zum Teil sogar richtig schicke Texturen. Dennoch ruckelt das Spiel nur in Extremsituationen und leer gefegte Straßen oder nervige Pop-ups sucht man vergebens. Die Umgebung ist zwar nicht so riesig wie die von San Andreas und auch hier ist die Sichtweite nicht unbegrenzt, doch die schicke Beleuchtung und die detaillierte Ausstattung machen das locker wieder wett.

Bleibt noch die Frage, wie ein eventueller Nachfolger aussehen soll, schließlich wäre der Umzug des Hauptcharakters in eine andere Stadt mehr als nur ein Stilbruch. Vielleicht gönnt man uns ja im Laufe der nächsten Jahre ein waschechtes Strategiespiel, in dem Tony erst die USA und dann die ganze Welt kontrolliert - immerhin wäre der Untertitel des Spiels dann noch treffender.

Wertung zu Scarface: The World is Yours (dt.) (PS2)

Wertung:

88 /10
Pro & Contra
Hervorragende AtmosphäreTolle TechnikStimmiger SoundtrackEigenständiger Spielablauf
Fazit

Zynisch, brutal und nicht perfekt, aber eine hervorragende Filmumsetzung mit toller Atmosphäre.

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