Scarface: The World is Yours

Test

Der böse Bruder von GTA Vice City!

Im Flügeltürer durch die sonnigen Straßen von Miami zu cruisen, ist immer ein Genuss. 
BILD: PLAYZONE Im Flügeltürer durch die sonnigen Straßen von Miami zu cruisen, ist immer ein Genuss. BILD: PLAYZONE Knallige Pastellfarben, sonnige Strandpromenaden, schnittige Autos, coole Typen mit Föhnfrisuren in weißen Slippern ohne Socken und Musik, für die man sich heute eigentlich schämen müsste. Das kennen ältere Leser aus der Kultfernsehserie Miami Vice und so ziemlich jeder PlayStation-Fan von Grand Theft Auto Vice City (dt.).

Doch Miami Vice war nicht die einzige große Inspirationsquelle für Rockstar North, auch der knallharte Gangsterstreifen Scarface mit Al Pacino stand Pate für den bei vielen Fans beliebtesten Teil der Reihe. Dass Vivendi jetzt, über drei Jahre nach dem Welterfolg von Vice City (dt.) und kurz vor der Veröffentlichung des PSP-Ablegers GTA Vice City Stories das "echte" Spiel zum Film herausbringt, verpasst der GTA-Klon-Suppe ordentlich Würze. Schließlich hat die Welt seit GTA III schon eine ganze Menge Spiele erlebt, die dem großen Vorbild nachzueifern versuchten, ohne den letzten Funken Genialität zu besitzen, den die Rockstar-Reihe ausmacht.

Wie kommt man also auf die wahnwitzige Idee, ein Spiel herauszubringen, das im selben Setting, nämlich Miami der Achtziger Jahre, angesiedelt ist? Die Antwort weiß wohl nur Vivendi. Doch viel interessanter ist die Frage: Wieso schafft es erst ein Lizenzspiel, aus dem Schatten seiner Klon-Brüder herauszutreten und mehr Eigenständigkeit und Klasse zu beweisen als jedes Getaway, Driver oder True Crime zuvor? Wir geben Ihnen die Antwort.

Zwielichtiger Zwilling

Wer sinnlos Amok läuft, bekommt hübsche Explosionen und eine Übermacht an Cops zu Gesicht. 
BILD: PLAYZONE Wer sinnlos Amok läuft, bekommt hübsche Explosionen und eine Übermacht an Cops zu Gesicht. BILD: PLAYZONE Das Wort GTA-Klon ist mittlerweile etwas abgegriffen und letztlich bleibt es eine Definitionsfrage, wo der Klon beginnt und wo zufällige Ähnlichkeiten aufhören. Im Falle von Scarface ist es mehr als offensichtlich, dass für Spielkonzept und Steuerung Rockstars Erfolgsserie Pate stand. Zu Fuß oder im Auto erforscht man bei völliger Bewegungsfreiheit das (halbwegs) authentisch nachgebildete Miami der Achtzigerjahre.

Diverse Auftraggeber schanzen einem Jobs und Kontakte zu, die Geld in die Kasse spülen, das in bessere Ausrüstung und Immobilien investiert wird. Doch schon nach dem fulminant präsentierten Intro offenbaren sich große Unterschiede zu GTA. Während man dort zu Anfang stets vor dem Nichts steht und sich mühsam an die Spitze der Gangsterwelt kämpft, ist Tony Montana niemand, der Botengänge für Kleinganoven übernimmt, sondern direkt ins Big Business einsteigt. Es ist an Tony und dem Spieler, das ehemalige Imperium wieder aufzubauen.

Tony Montana ist ein zynischer, brutaler, rassistischer und nicht besonders kluger Mensch, was ihn als Identifikationsfigur nicht gerade prädestiniert. Doch genau dieses Anti-Heldentum macht einen großen Reiz aus. Schon in vielen anderen Spielen dieser Art war man ein Bad Guy, doch Tony Montana ist der König der Kotzbrocken. Und während GTA besonders im letzten PS2-Ableger San Andreas mit blinden Rennfahrern und durchgeknallten Gangsterbräuten fast schon Comedy-Charakter hatte, sucht man Humor in Scarface mit der Lupe - und wenn's mal witzig ist, dann meist auch recht makaber.

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