Robert Ludlum's Das Bourne Komplott (PS3) Hersteller: Vivendi, Bild: play³
Auf der Games Convention im letzten Jahr hatte Vivendi einige starke Titel im Programm und Bourne gehörte klar zu unseren Geheimtipps. Die Choreografie der Kämpfe entsprach exakt den Filmvorbildern und das Tempo war mörderisch. Bei der letzten Präsentation machten wir uns dann Sorgen um die Spieltiefe - diese sollten sich im fertigen Spiel bewahrheiten. Doch der Reihe nach.
Lizenz-Mix
"Wer zur Hölle ist eigentlich Robert Ludlum?", wird sich so mancher Leser fragen. Ganz einfach, der Mann hat die literarischen Vorlagen für die drei Actionstreifen mit Matt Damon geschrieben und offenbar war diese Lizenz für Vivendi günstiger zu haben als die der Filme. Dementsprechend hat der Bourne des Spiels optisch null Ähnlichkeiten mit Matt Damon, die Action dagegen könnte 1:1 aus den Filmen stammen. Die Story orientiert sich an der des ersten Films, erweitert diese aber mit Rückblenden aus Bournes Vergangenheit. Dabei kommen leider keinerlei erwähnenswerte Details zum Vorschein und letztlich bekommen Fans des Films eine Art Extended Version des Streifens zu Gesicht. Macht aber nix, wenn denn die Action stimmt. Dummerweise hat man nach einer Stunde im Prinzip schon alles gesehen. Das Kampfsystem in Nahkämpfen ist erschreckend flach und man lässt lediglich Dreier-Kombos auf seine Gegner einprasseln. Das funktioniert ganz ordentlich und macht optisch mitunter eine Menge her, was den Takedowns zu verdanken ist, die aber im Prinzip nichts anderes sind als Smartbombs (Special Moves, die als letzte Rettung fungieren) mit simplen Quick-Time-Events. Überhaupt solltet ihr ein Faible für die Reaktionsspielchen haben, denn selbst God of War bedient sich nicht mal ansatzweise so oft dieses Gameplay-Elements. Erfreulicherweise ist das Timing hierbei sehr freundlich gestaltet und Frust kommt lediglich in den Bosskämpfen auf, in denen man schon mal ordentlich auf die Fresse bekommt, ohne das Gefühl zu haben, dass man etwas falsch gemacht hat.
Volle Deckung!
Robert Ludlum's Das Bourne Komplott (PS3) Hersteller: Vivendi, Bild: play³
Geballert wird natürlich ebenfalls und auch hier gibt's Takedowns, die noch simpler funktionieren als in den Nahkämpfen. Die Spielmechanik funktioniert hier sehr gut und erinnert spontan an Uncharted, ist aber besser kontrollierbar. Die Gegner agieren gar nicht mal so blöd und wer die sich bietende Deckung nicht nutzt, beißt schneller ins Gras, als er den kompletten Titel des Spiels aussprechen kann. Schön: Rennt man mit einer Waffe auf einen Gegner zu und kommt in Nahkampfreichweite, wechselt das Spiel automatisch in den Kampfmodus und die Fäuste fliegen. Überhaupt funktioniert die Spielmechanik sehr gut. Wer einen Level zum zweiten Mal in Angriff nimmt und den Weg bereits kennt, rast mit einem Höllentempo durch die Museumsgänge, Gassen und U-Bahn-Schächte. Verschnaufpausen gibt's lediglich zu Beginn eines Abschnitts, ansonsten wird das Gaspedal stets tief durchgedrückt. Das bringt uns leider zum Tiefpunkt des Spiels - die Flucht im Mini Cooper durch Paris. Es ist nur ein einziger Level, deswegen wollen wir mal nicht zu viel darauf herumreiten, aber das hätten sich die Jungs von High Moon auch sparen können. Paris wirkt aufgrund fehlender Fußgänger wie ausgestorben, die Fahrphysik ist fürchterlich hektisch und die Optik haut auch niemanden aus den Socken.
Schlicht, nicht schlecht
Robert Ludlum's Das Bourne Komplott (PS3) Hersteller: Vivendi, Bild: play³
Bourne fühlt sich an wie ein Spiel der letzten Generation, was nicht so negativ gemeint ist, wie es klingt. Heutzutage kommt kaum ein Spiel mehr ohne offene Welt aus und die Spieler erwarten immer mehr Umfang. Den kann Bourne nicht bieten, es erinnert in seiner Einfachheit an Titel wie Enter the Matrix und James Bond 007: Alles oder Nichts. Während Matrix vor allem der Feinschliff fehlte und bei Bond weniger manchmal mehr gewesen wäre, geht Bourne einen konsequenten Weg ohne Schnickschnack. Das Ergebnis ist beileibe kein Meilenstein und aufgrund der fehlenden Spieltiefe auch kein Hit, wer aber mal wieder Bock auf unkomplizierte Action ohne Schnörkel hat, der sollte sich den Titel auf jeden Fall anschauen.
