River City Girls im Test: Retro-Prügelorgie mit Hirn, Herz und Humor
Test
30 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Genre-Klassikers River City Ransom fliegen wieder die Fäuste in River City, das Szenario bekommt diesmal aber einen Twist: Jetzt ist es an den Mädels, ihre entführten Schwärme zu retten. Ob Kyoko und Misako würdig sind, das River-City-Erbe anzutreten? Das verraten wir in unserem Test.
Die Kunio-Kun Reihe ist, vielleicht abgesehen von dem Beat'Em Up River City Ransom, im Westen ziemlich unbekannt. Nun hat sich WayForward, die hauptsächlich für die Shantea-Reihe bekannt sind, daran versucht, mit dieser Franchise auch bei uns zu punkten. In River City Girls (jetzt kaufen ) stellt das Team die Prämisse von River City Ransom auf den Kopf und liefert dabei ein charmantes Retro-Beat'em Up ab.
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Junge Hiebe
Kyoko und Misako müssen gerade nachsitzen, als sie erfahren, dass ihre Freunde entführt wurden. Von wem oder warum? Kein Plan. Trotzdem, der Kurs ist klar: Aus der Schule ausbrechen, die ganze Stadt durchforsten und dabei jeden verdreschen, der zwischen uns und unseren Boys steht. Oder stehen könnte. Hauptsache jemand wird vermöbelt. Für die Liebe, versteht sich.
Quelle: PC Games
Mr. Rudis unterrichtet übrigens Mathematik. Absolut verständlich also, dass Misako hier Aggressionen bekommt.
Das Szenario ist bewusst simpel gehalten und bezieht sich augenzwinkernd auf River City Ransom aus dem Jahre 1989, in dem eben Kunio nach seiner entführten Freundin sucht. Die Präsentation des Spiels ist sehr überzeichnet und humorvoll. Trotzdem wird dieser jugendliche Schwung nie grundsätzlich ins Lächerliche gezogen: Auch wenn die junge Liebe etwas unreif und naiv ist, so wird sich doch nie dafür geschämt.
River Citys Retro-Referenzen
Quelle: PC Games
Auch aus dem Block kann angegriffen werden, um Feinde hinter uns zu treffen.
Das Gleiche lässt sich auch über das Verhältnis von River City Girls zum Beat-'em-Up-Genre sagen. Das Spiel kann sich Seitenhiebe gegen gewisse Genrekonventionen zwar nicht verkneifen, zieht diese dann aber umso entschlossener selbst durch. Da die Rechte an Double Dragon ebenfalls bei Publisher Arc System Works liegen, treffen wir unter den NPCs immer wieder auf bekannte Gesichter. Sowohl die Movesets der Charaktere als auch die Designs der Gegner sind voller Anspielungen auf andere Games. Natürlich machen auch die lustigen Untertitel aus River City Ransom, die erscheinen, wenn man einen Gegner k. o. schlägt, ihr Comeback.
Stilistisch setzt River City Girls ebenfalls auf Nostalgie, schmeckt diese aber mit moderneren Elementen ab. Während sich das normale Spielgeschehen in ausdrucksstarker 16-Bit Grafik präsentiert, wird die Story im Manga-Stil erzählt und Bosse kündigen sich durch animierte Cut-Scenes an. Auch dem synth-lastigen Soundtrack gelingt es, nicht nur die Nostalgie zu bedienen, sondern auch mit eigenen Qualitäten zu überzeugen.
Prügeln wie einst
Quelle: PC Games
Gehen Feinde zu Boden, können die Mädels sie aufheben und als Projektil oder Schlagwaffe missbrauchen. Geht das als Recycling durch?
Das Gameplay selbst weicht nicht weit von den bekannten Pfaden ab. Die 2D-Draufsicht aus älteren Spielen wird übernommen. Ebenfalls importiert wurden damit diese nervigen Momente, in denen man schwören könnte, man wäre auf der gleichen Höhe mit dem Gegner, aber den Unhold trotzdem nicht treffen kann. Neben leichten, harten und Spezialangriffen sind natürlich allerlei Waffen mit von der Partie. Was die Offensive angeht, gibt es also ausreichend Abwechslung. Das Ganze hat nur ein Manko: Der Knopf für die leichte Attacke ist gleichzeitig der Knopf für Interaktion mit Gegenständen und, schlimmer noch, Türen. Wenn man zu nah am Ausgang kämpft, landet man also manchmal unverhofft im nächsten Raum. Auch die Defensive wird mit einem Block samt Parry bei gutem Timing bedient. Neu ist, dass man Feinde, die sich ergeben, rekrutieren kann. Per Knopfdruck erscheinen sie auf dem Bildschirm und führen eine spezielle Attacke aus.
Quelle: PC Games
Verruchte und verbotene Kampftechniken finden auch Anwendung.
Selbstverständlich lässt sich River City Girls sowohl solo als auch zu zweit spielen. Selbstverständlich sollte es auch sein, dass jedes Beat 'em Up mittlerweile einen Online-Koop hat. Das ist bei River City Girls leider nicht der Fall. Dass dieser fehlt, ist extra schade, da das Spiel sichtlich auf Koop ausgelegt ist und so auch mehr Spaß macht. Besonders cool am Koop fanden wir übrigens die Wiederbelebungs-Mechanik: Hierbei stampft man der ohnmächtigen Partnerin die entweichende Seele wieder in den Körper. Im Solo-Modus gibt es das natürlich nicht, hier wird man einfach zum Checkpoint zurückgesetzt und verliert ein bisschen Cash.
Eine Prise RPG
Das eben erwähnte Geld wird benötigt, um neue Kampftechniken oder Items zu kaufen. Bei diesen Items handelt es sich meistens entweder um Kleidung, die spezifische Buffs verleiht - etwa 5 Prozent mehr Schaden gegen männliche Feinde - oder um Essen, das HP auffüllt. Beim ersten Verzehr bekommt man übrigens auch Status-Boni obendrauf. River City Girls benutzt nämlich ein RPG-Levelsystem samt Attributen wie Stärke, Agilität oder Glück.
Quelle: PC Games
Diesen Dojo-Leiter kennen einige vielleicht noch aus Double Dragon.
Außerdem gibt es eine mehr oder weniger frei erkundbare Karte und Nebenquests, die meist vom unheimlichen Goudai vergeben werden, der in Mülltonnen abhängt. Wer Lust hat, sich ein bisschen genauer umzuschauen, kann versuchen, alle Büsten des Mafiabosses Sabu zu finden. Eine Belohnung gibt es für diese Arbeit freilich auch. Es gibt also durchaus mehr zu tun, als nur linear die Story-Schauplätze abzuklappern. Das hilft auch, das ansonsten etwas kurze Abenteuer ein wenig aufzuwerten. Massig Wiederspielwert hat River City Girls trotz New Game Plus aber trotzdem nicht.
