Resident Evil 2: Die Geschichte eines Horror-Klassikers
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Jahrelang haben Resident Evil-Fans auf eine Neuauflage des zweiten Teils gewartet, 2015 folgte dann endlich die offizielle Bestätigung von Capcom: Das Remake kommt! Doch warum eigentlich sehnte sich die Fangemeinde so lange nach einer modernen Version des gefeierten Horror-Hits?
Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns nicht nur mehrfach mit dem Klassiker selbst beschäftigt, sondern auch damit, was vor und nach Resident Evil 2 passiert ist. Der Grundstein für Biohazard 2 (aus Lizenzgründen heißt die Serie nur außerhalb Japans Resident Evil) wurde nicht etwa mit dem direkten Vorgänger aus dem Jahr 1996 gelegt, sondern bereits weitere sieben Jahre zuvor.
1989 veröffentlichte Capcom mit Sweet Home, das auf einen Horrorfilm mit dem gleichen Namen basiert, seinen ersten Survival-Horror-Titel - ohne damit jedoch das erst später aufkeimende Genre zu begründen, für das Resident Evil berühmt werden sollte.
Der Titel, in dem mehrere Filmstudenten ein von Geistern und Dämonen heimgesuchtes Haus erkunden müssen, wies bereits viele Merkmale von Resident Evil auf. Nicht nur musste man innerhalb des Anwesens um sein Überleben kämpfen, auch die bekannten Ladesequenzen mit der Tür, die zum nächsten Raum führt, feierten in Sweet Home ihren Einstand. Jedoch sollte es noch bis 1996 dauern, ehe Resident Evil, nach einer schwierigen Entwicklung und mit wenig Aussicht auf kommerziellen Erfolg, dieses Designkonzept zum weltweiten Phänomen werden lassen sollte. Übrigens: Alle Infos zu Resident Evil 2 Remake haben wir euch in einem Special zusammengefasst.
Lesetipp: Zehn Einsteiger-Tipps zum Resident Evil 2 Remake
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Der Siegeszug nimmt Fahrt auf
2,7 Millionen verkaufte Einheiten sorgten in der erstaunten Chefetage von Capcom dafür, dass nicht lange über eine Fortsetzung nachgedacht
Quelle: PC Games
Anders als noch der erste Teil geht Resident Evil 2 nicht zimperlich mit euch um. Nur selten habt ihr es mit einzelnen Zombies zu tun. Lasst aber trotzdem immer Vorsicht walten!
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werden musste. Tatsächlich wurde Shinji Mikami, der von Anfang in dem Projekt involviert war und zuvor hauptsächlich an Disney-Jump&Runs arbeitete, schon Anfang 1996 damit beauftragt, Prototypen für einen Nachfolger zu entwickeln. Als Resident Evil dann wie eine Bombe einschlug, wurde der Fortsetzung nicht nur ein höheres Budget eingeräumt, sondern auch das Entwicklerteam weiter aufgestockt - unter der Leitung von Hideki Kamiya, Vater späterer Meilensteine wie Devil May Cry oder Bayonetta. Kamiya gestand Jahre später, dass er oftmals mit Mikami inhaltliche Auseinandersetzungen bestritt, welche die kreative Ausrichtung von Resident Evil 2 betrafen.
Beide Entwickler stimmten aber nur wenige Monate vor dem beabsichtigen Release im März 1997 überein, dass sie mit dem gegenwärtigen Entwicklungsstand nicht zufrieden war und sich das Spiel zu sehr von seinem Vorgänger unterschied. Daher zog Capcom die Notbremse und fasste den Entschluss, das bereits zu 60-80 Prozent fertigstellte Projekt von neu auf zu entwickeln.
Horror ist die halbe Miete
Dieses unveröffentlichte Sequel, welches später unter dem Namen Resident Evil 1.5 bekannt werden sollte, wies allerdings dennoch viele
Quelle: PC Games
Unvergessener Schreckmoment: Das Krokodil in der Kanalisation der Stadt könnt ihr nur mit einem Trick besiegen oder in die Flucht schlagen.
Gemeinsamkeiten mit dem letztendlichen Resident Evil 2 auf. Schauplatz des Geschehens war ebenfalls das von Zombies überrannte Raccoon City, hauptsächlich in einem weitaus moderner wirkenden Polizeirevier. Auch die Charaktere selbst entsprachen in vielen Zügen schon dem finalen Design, besetzten aber andere Rollen. Polizeirekrut Leon S. Kennedy war von Anfang an in dem Revier stationiert, die nach der Schauspielerin Jodie Foster designte Ada Wong noch als Wissenschaftlerin tätig und Motorradbraut Elza Walker übernahm den Part der späteren Claire Redfield. Auch wenn sie die Rollenverteilung bis zum fertigen Spiel noch ändern sollte, hatte Capcom von Beginn an die Absicht, keine Figuren aus dem ersten Teil zu verwenden. Stattdessen sollten mit Leon und Claire zwei völlig neue Helden ihren Einstand feiern.
Spielbare, wenn auch fehlerhafte Versionen von Resident Evil 1.5 geisterten hingegen für viele Jahre durchs Internet, bevor sich eifrige Fans daran machten, den Prototyp weitestgehend fertigzustellen. Historisch interessierte Fans haben daher die Möglichkeit, ein ungefähres Bild davon zu bekommen, wie Resident Evil 2 ursprünglich einmal hätte aussehen sollen. Angesichts der drastischen Entscheidung, die Entwicklung von vorne zu beginnen, konnte das angepeilte Datum der Veröffentlichung natürlich nicht eingehalten werden. Resident Evil 2 erschien deshalb erst verspätet am 21. Januar 1998.
Erfüllte Erwartungen
Nicht nur aufgrund der enormen Vorschusslorbeeren wurde die Fortsetzung des Überraschungshits schon nach kurzer Zeit zu einem riesigen Erfolg. Resident Evil 2 begeisterte die Fans von der ersten Sekunde an, fast fünf Millionen Mal ging die PS-Version über die Ladentheke. Ein Serienrekord, der erst mit dem fünften Teil wieder gebrochen werden sollte. Auch die Kritiker konnten fast einstimmig überzeugt werden: Weltweit
Quelle: PC Games
Kein Artikel zu einem klassischen Resi, ohne das Inventar-System zu erwähnen: Viele empfanden den begrenzten Platz für Items schon damals als ärgerlich.
hagelte es Top-Wertungen, auf GameRankings glänzt Resident Evil 2 mit einem Durchschnittswert von 96 Prozent.
Die Gründe für das hervorragende Abschneiden kommen nicht von ungefähr. Nahezu alles, was den ersten Teil der noch jungen Reihe auszeichnete, wurde in Resident Evil 2 konsequent verbessert. Das fängt schon bei der deutlich detailreicheren Optik an, welche wie schon zuvor aus 2D-Hintergrundgrafiken bestand. Vorbei die Zeit der kargen Gänge und trostlosen Außenareale - Resident Evil 2 war seinerzeit eine echte Augenweide. Phänomenal war dank des toll animierten und spannenden Intro-Films auch der Einstieg ins Spiel, bei dem Claire und Leon die scheinbar sichere Stadt erreichen und nur aus reinem Zufall aufeinandertreffen.
Geteiltes Leid ist ...
Auf welche Art und Weise ihr den Horror zu überleben versucht, hing wie schon im ersten Teil von der gewählten Spielfigur ab. Waren mit Chris Redfield und Jill Valentine die Unterschiede in Resident Evil 1 noch recht marginal, bekamt ihr in der Fortsetzung verschiedene Locations, Cutscenes, Waffen und Nebencharaktere zu sehen. Doch damit nicht genug: Abhängig davon, ob ihr
Quelle: PC Games
Im Angesicht heutiger Spiele mit gewalttätigen Inhalten mag Resident Evil 2 heute harmlos wirken. Für damalige Verhältnisse war der gebotene Splatter aber harter Tobak.
beispielsweise mit Leon euren ersten Durchgang begonnen hattet, konntet ihr euch im Anschluss mit Claire an einem alternativen, deutlich schwierigeren B-Szenario versuchen. Natürlich ließ sich dieses Spiel auch umdrehen, sodass ebenfalls eine B-Variante für Leon existierte. Durch diese Design-Entscheidung gewann Resident Evil 2 deutlich an Wiederspielwert und sorgte langfristig für Spannung.
Wer die richtigen Voraussetzungen erfüllte, vermochte sogar zwei versteckte Szenarien freizuspielen. Im ersten galt es, als Umbrella-Agent HUNK eine Probe des G-Virus sicherzustellen, welcher für den ganzen Zombie-Schlamassel verantwortlich war. In der zweiten Variante musstet ihr den gleichen Zielort erreichen, wart allerdings in Form eines Tofu-Blocks (!) nur mit einem Messer bewaffnet - definitiv nix für schwache Nerven.
Das Virus breitet sich aus
Mit Resident Evil 2 hatte Capcom einen neuen Standard gesetzt, an dem sich alle anderen Spiele des Genres messen mussten, sowohl was die Konkurrenz als auch Capcom selbst betraf. Während intern bereits an weiteren Fortsetzungen und sogar Spin-offs gearbeitet wurde, war die Zeit im Rampenlicht für Resident Evil 2 noch längst nicht vorüber. Im Laufe der nächsten Jahre wurde der zweite Teil auf verschiedenen Konsolen neu veröffentlicht, darunter Sega Dreamcast, Windows, GameCube oder Nintendo64. Letzterer Version gebührt dabei besondere Aufmerksamkeit, gelang dem auswärtigen Entwickler Angel Studios (heute Rockstar San Diego) doch das Kunststück, Resident Evil 2 ohne dramatische Einschnitte auf ein N64-Modul zu portieren - inklusive Sprachausgabe und beiden Szenarien. Um Welten schlechter fiel dagegen der Port für das Game.com aus, ein recht erfolgloser Handheld von Tiger Electronics, welcher optisch eher an ein Gameboy-Spiel erinnerte.
Der Niedergang
Dem anhaltendem Siegeszug von Resident Evil 2 zum Trotz trat beim Erscheinen von Resident Evil 3: Nemesis und Resident Evil Code: Veronica - fernab ihrer hohen Qualität - langsam Stagnation zutage. Infolge des Survival-Horror-Booms, an dessen Erfolg auch Konamis Silent Hill seinen Anteil hatte, kam es Anfang der 2000er zu einer Übersättigung an Grusel-Titeln. Auch Resident Evil wirkte mit jedem neuen Spiel immer
Quelle: PC Games
Tolles Feature: Habt ihr das Spiel durchgespielt, könnt ihr mit der zweiten Figur ein B-Szenario angehen, das unter anderem neue Gegner beinhaltet.
antiquierter, was hauptsächlich an der Tank-Steuerung, dem Inventarsystem und häufigen Ladezeiten lag.
Besonders deutlich wurde dies beim Online-Ableger Resident Evil: Outbreak, der in Europa aufgrund des fehlenden PS2-Modems gar nicht erst übers Internet spielbar war. Wie schon Teil 2 und 3 spielte Outbreak im von Zombies überrannten Raccoon City, wo mehrere Spieler in diversen Szenarien einen Ausweg finden und dafür kooperativ vorgehen mussten. Die nette Idee krankte zwar an der Umsetzung, war im Vergleich zu den miserablen Lightgun-Shootern von Resident Evil: Survivor aber fast schon eine Perle.
Neue Wege für alte Helden
Welchen Weg Capcom am Ende einschlug, um Resident Evil vor dem kreativen Bankrott zu zu retten, ist bestens bekannt. So wie Resident Evil 1 1996 ein neues Genre begründete, revolutionierte der offiziell vierte Teil auf bahnbrechende Weise den Third-Person-Shooter und wurde so zu einem der einflussreichsten Titel der 2000er. Es bedarf wohl kaum einer Erwähnung, dass sich die Fan-Community zu dieser Zeit in zwei Lager aufspaltete und nach jeder neuen Episode die Frage aufwarf, ob Resident Evil wirklich noch Resident Evil
Quelle: PC Games
Hideki Kamiya, hier mit einem lästigen Fanboy, arbeitete beim ersten Resi noch als System Planner. Für den zweiten Teil zeichnete er als Director verantwortlich.
war.
Eine Diskussion, auf die sich einige hartgesottene Oldschool-Fans nicht mehr länger einlassen wollten. Während sich alle Welt über die Blowjob-Giraffe von Resident Evil 6 lustig machte - übrigens ein Titel, der kaum noch etwas mit Survival-Horror am Hut hatte - entwickelte ein kleines Indie-Team seine ganz eigene Neuauflage des zweiten Teils. Mit diesem Vorhaben war Invader Games bestimmt nicht alleine auf der Welt, jedoch konnte der italienische Entwickler wohl definitiv die vielversprechendste Neuinterpretation auf die Beine stellen. Ansonsten wäre Capcom selbst wohl kaum auf die Fans zugegangen und hätte sie gebeten, ihre Fassung zugunsten eines eigenen Remakes einzustellen - nicht aber ohne sie vorher nach Japan einzuladen, um sich dort ihre Ideen anzuhören. Ein schöneres Angebot kann man sich, nachdem man selbst sein Herzblut in ein modernes Resident Evil 2 gesteckt hat, wohl kaum vorstellen.
