Rebellion im Weltall! Jetzt hilft nur noch eins: Laserkanonen montieren, Zielsuch-Raketen bestücken und die Sternenkarte bereitlegen.
Ein galaktischer Krieg ist ausgebrochen. Die ADAN-Allianz hat die Unabhängigkeit vom Erd-Imperium erklärt und damit begonnen, gezielt die terranischen Außenposten im Lebendorf-System (nicht lachen, das heißt wirklich so) anzugreifen. Inmitten dieser Unruhen verfolgen Sie das Schicksal der beiden irdischen Kampfpiloten Katana und Ellen. Deren Feindbild bleibt nur so lange eindeutig, bis sie auf der Seite der ADAN-Allianz ihren alten Flugschulenkumpel Margras wiedererkennen und sie in Gewissenskonflikte geraten - zumindest bis zur nächsten Mission.
Eine simple Story, aber wir wollen nicht meckern. Wer ballert, braucht keine tiefenpsychologischen Exkursionen in den Videosequenzen, wie man sie von Squares Final Fantasy-Reihe kennt. Der Handlungsbogen auf Space-Telenovela-Niveau reicht vollkommen aus, um den Ballerfreund in den wirklich sehr imposanten Videos bei Laune zu halten.
Und dann geht es ins Cockpit, um auf ADAN-Jagd zu gehen. Und Potzdonner - was den Weltraumkrieger hier erwartet, beansprucht wirklich fast alle Sinne. Es ist bunt, es kracht, überall ziehen kleine Raumjäger umher und riesige Kampfschiffe ballern in gewaltigen Schlachten aufeinander los. Dies ist wirklich ein Sternenkrieg, bei dem Sie in der Mitte sitzen ... Aber nicht auf dem Zuschauerplatz, denn der Ausgang jeder Mission hängt ganz alleine von Ihnen ab. Und hier fallen auch schon die beiden großen Mankos von Project Sylpheed ins Auge. Bei all den Spezialeffekten bleibt ein Ruckeln leider nicht aus und es wirkt sich auch auf die Spielbarkeit aus, wenn man nicht richtig zielen kann, wenn es nicht möglich ist, das Fadenkreuz vor lauter Zuckeln richtig über den feindlichen Jägern zu positionieren.
Und auch an die Übersicht hat keiner der Entwickler gedacht. Es gibt zwar zwei kleine Richtungspfeile, die den nächstgelegenen Feind und das nächste Missionsziel anzeigen. Das bringt dem Spieler aber nichts, wenn er auf dem marginalen Miniradar nicht mitbekommt, wie die gegnerischen Jäger den zu beschützenden Truppentransporter in kleine Stücke zerlegen. Und da etwa 80 Prozent der Missionen aus Geleitschutz von Frachtern oder Kommandoschiffen bestehen, prangt immer wieder - schneller, als man denkt - der Game-Over-Screen auf dem HDTV. Kurios ist dazu, dass das Spiel nach zwei vergeigten Versuchen fragt, ob man die Mission nicht lieber überspringen möchte. Dann kann man der Story zwar weiter folgen und versuchen, ob man im nächsten Sektor mehr Glück hat, aber leider bekommt man keine Extrapunkte, mit denen man sich neue Waffen, Raketen oder Schilde kaufen kann. Unterbewaffnet in die nächste Runde? Nein danke.
Einstiegsschwierigkeiten kann es für unerfahrene Weltraumpiloten geben, denn die Steuerung ist recht überfrachtet. Beschleunigt und gebremst wird mit den Schultertasten. Geballert wird mit den Schulterbuttons. Zusätzlich gibt es noch verschiedene Spezialmanöver, die Zielauswahl über die vier normalen Knöpfe und ein komplexes Funksystem mit den Flügelmännern über das Steuerkreuz. Diese Funktionen braucht man jedoch nicht nur sporadisch, sondern sie müssen schon im Easy-Schwierigkeitsgrad aus dem Effeff beherrscht werden. Und wem das noch nicht reicht, dem sei erklärt, dass der Raumjäger keine Kurven fliegen kann. Sie müssen den Raumgleiter erst rollen und dann die Nase heben oder senken Das konnten schon die klapprigen Weltkriegskisten aus Blazing Angels besser.
Bevor es zu Missverständnissen kommt: Project Sylpheed ist sicherlich kein schlechtes Spiel. Jedoch ist den Entwicklern der Spagat zwischen den alten Silpheed-Shoot-'em-Ups und einer anspruchsvollen Weltraumkampfsimulation nicht ganz geglückt. Denn irgendwann ist in der Entwicklung die Übersicht flöten gegangen in die Framerate eingebrochen. Schade eigentlich. Controller-Akrobaten und Menschen mit vorbildlichem 3D-Vorstellungsvermögen sei dieses Spiel jedoch ans Herz gelegt.
