Prince of Persia: The Lost Crown im Test: So gut war Ubisoft schon lange nicht mehr!

Test Felix Schütz
Prince of Persia: The Lost Crown im Test: So gut war Ubisoft schon lange nicht mehr!
Quelle: PC Games

Endlich auch für Steam erhältlich: Das neue Prince of Persia ist nicht nur ein richtig gutes Metroidvania, es ist auch der beste Serienteil seit Sands of Time - und zeigt, dass Ubisoft es immer noch drauf hat.

So kann man sich irren! Nicht wir, wohlgemerkt - wir wussten schon eine ganze Weile, dass Prince of Persia: The Lost Crown richtig gut wird. Nein, wir meinen die vielen Skeptiker, die das Spiel in den letzten Monaten mit Spott überzogen haben. Allein auf YouTube bekam ein Trailer zum Spiel satte 60.000 Downvotes (!) verpasst - das muss man als Entwickler erst mal verkraften.

Doch Ubisoft ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, das neue Prince of Persia ging pünktlich über die Ziellinie. Ein Glück! Denn The Lost Crown ist nicht nur das erste Metroidvania der gesamten Reihe, es ist auch schlicht und ergreifend das beste Prince of Persia seit vielen, vielen Jahren. Die Entwickler von Ubisoft Montpellier (Rayman Legends) bringen die angeschlagene Serie damit endlich wieder auf Erfolgskurs, die vielen positiven Wertungen sprechen Bände: Wer mal wieder Lust auf ein gutes 2D-Action-Adventure hat, sollte The Lost Crown auf keinen Fall verpassen!

Update vom 8. August 2024: Mittlerweile ist Prince of Persia: The Lost Crown auch auf Steam erhältlich. Zum Spielen benötigt ihr auch hier einen Ubisoft-Connect-Account, der lässt sich allerdings problemlos mit Steam verbinden. The Lost Crown ist laut Ubisoft auch auf dem Steam Deck voll lauffähig. Verpasst nicht unsere Tipps zu den versteckten Schutztruhen!

Gefangen in der Zeit

Nicht nur beim Genre geht Ubisoft neue Wege, auch die Geschichte beginnt mit einem ungewöhnlichen Twist. Denn diesmal spielt ihr gar keinen noblen Thronfolger, sondern müsst zur Abwechslung mal einen retten: Ihr schlüpft in die Haut des Kriegers Sargon, dem die Aufgabe zufällt, einen entführten Prinzen zurück ins persische Königreich zu bringen. Dabei verschlägt es ihn und seine Kameraden auf den verfluchten Berg Qaf, der sich schnell als riesiges Zeitgefängnis entpuppt: Untote Soldaten und wilde Kreaturen erheben sich aus dem Sand, während Sargon und sein Team immer tiefer in die riesige, verzweigte Spielwelt vordringen - und dabei verzweifelt versuchen, nicht den Verstand zu verlieren.

Das dynamische Kampfsystem punktet mit guten Animationen. Quelle: PC Games Das dynamische Kampfsystem punktet mit guten Animationen. Im Verlauf der nächsten 20 bis 30 Spielstunden entfaltet sich so ein simpler, aber effektiver Plot, der das Abenteuer gut zusammenhält: Abgedroschene Romantik und hilflose Prinzessinnen haben sich die Autoren dankenswerterweise verkniffen, es geht vielmehr um gefallene Götter und Flüche, um Prophezeiungen und Zeitreisen. Das ist zwar alles andere als tiefgründig, aber zumindest leicht verdaulicher Popcorn-Spaß, der bis zum Ende unterhält. Ubisoft garniert den Plot außerdem mit jeder Menge Charaktere und Dialoge und treibt die Handlung über rasant inszenierte Zwischensequenzen mit erstklassiger Musikuntermalung voran. Die Präsentation fühlt sich dadurch von Anfang bis Ende wertig, daran ändert auch der etwas unspektakuläre Grafikstil nicht viel. Es gibt zwar eindeutig schickere Action-Abenteuer, doch das tut der Atmosphäre glücklicherweise keinen Abbruch.

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Ein Prinz als Nebensache

Die Entwickler haben ihre Hausaufgaben gemacht: Prince of Persia wandelt nicht nur auf den Spuren von Hollow Knight oder Castlevania: Symphony of the Night, es spielt auch qualitativ in der Oberliga mit und überzeugt mit sattem Umfang. Die Spielwelt besteht genretypisch aus einem Guss und lädt zum freien Erkunden ein. Allerdings dürft ihr bestimmte Bereiche erst betreten, wenn ihr die nötigen Fähigkeiten erlangt habt. Wer da wirklich jeden Winkel erforschen, jeden Schatz bergen und jedes Secret finden will, sollte mindestens 20, besser aber gleich 30 Stunden einplanen. Das ist weit länger als die meisten Spiele in dem Genre!

So erkundet ihr - ganz klassisch aus der Seitenansicht - stimmungsvolle Tempel und Ruinen, es geht durch Wälder und Archive, in Gefängnisse, finstere Kanalisationen und mit Fallen gespickte Piratennester bis hinauf zu den verschneiten Gipfeln des Berges. Auch hier gilt: Die meisten Locations sind optisch nur okay, das haben andere Plattformer schon hübscher hinbekommen. Im letzten Spieldrittel wartet aber zumindest ein überraschender Abschnitt, der visuell richtig stark umgesetzt ist. Von solchen Kalibern hätten wir uns noch ein paar mehr gewünscht!

Knifflig: Ein paar Sprungsequenzen erfordern stures Auswendiglernen. Quelle: PC Games Knifflig: Ein paar Sprungsequenzen erfordern stures Auswendiglernen.

Super Prince Boy

Dafür punkten die verschiedenen Zonen aber mit Abwechslung und kniffligen Geschicklichkeitspassagen. Egal ob ihr an Stangen entlangschwingt, Fallen ausweicht, von Wand zu Wand hüpft oder durch stachelige Korridore dasht, hier dürft ihr euer ganzes Jump-&-Run-Können zum Einsatz bringen. Ein paar besonders knifflige Stellen sind zwar optional, doch wer wirklich alles erledigen will, muss gute Reflexe und ruhige Hände mitbringen. Natürlich könnten wir nun behaupten, dass wir da ganz lässig und ohne zu fluchen durchmarschiert sind - doch das wäre glatt gelogen.

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