Pragmata im Test: Der Sci-Fi-Shooter begeistert mit Innovation und Charme ohne Ende

Test Stefan Wilhelm
Pragmata im Test: Der Sci-Fi-Shooter begeistert mit Innovation und Charme ohne Ende
Quelle: PC Games

Mit Pragmata liefert Capcom einen Shooter der etwas anderen Art: Hier wird geschossen, gepuzzelt und ganz viel Zucker in euer Herz gekippt - alles gleichzeitig!

Es ist eine echte Seltenheit geworden, dass wir ein neues Triple-A-Game starten und direkt das Gefühl bekommen, mal wieder etwas richtig Frisches zu spielen. Vor allem, wenn es sich dabei um einen Shooter handelt. Wie innovativ kann man "anvisieren und abdrücken" schließlich schon gestalten?

Pragmatas (jetzt kaufen / 53,99 € ) Antwort: Indem man wuchtiges Gunplay mit Highspeed-Puzzles kombiniert und den Mix dann noch mit einer überraschenden Spieltiefe veredelt. Der neue Sci-Fi-Shooter von Capcom bringt Hirn und Finger zum Glühen - und das ist noch lange nicht seine einzige Qualität!

Mit Hirn, Herz und High-Tech-Waffen

Dabei beginnt das Abenteuer zuerst noch wie jeder x-beliebige Weltraum-Horrortrip: Hugh Williams und sein Team aus gepanzerten Astronauten fliegen zum Mond, um auf der riesigen Cradle-Station nach dem Rechten zu sehen.

Es kommt, was kommen muss: Die Stations-KI ist nicht so hilfsbereit, wie sie sein sollte, von anderen Menschen fehlt jede Spur, und schon kurz nach der Mondlandung werden wir gewaltsam von unserem Team getrennt.

Statt uns direkt in dunklen Gängen gegen Killerroboter kämpfen zu lassen, stellt uns Pragmata aber erst einmal eine sehr viel freundlichere Maschine vor: Wir begegnen der Androidin D-I-0336-7, die Hugh einfachheitshalber "Diana" tauft.

Diana wird <i>garantiert</i> nicht versuchen, der Hologrammkatze hinterherzulaufen. Quelle: PC Games Diana wird garantiert nicht versuchen, der Hologrammkatze hinterherzulaufen. Neben unserem schwer bewaffneten Astronauten ist sie für die zweite Facette des Gameplays zuständig: Die zähen Roboter, die uns die Stations-KI auf den Hals hetzt, werden nämlich erst richtig verwundbar, sobald Diana ihre Panzerung gehackt hat.

Warum sie das kann und wieso sich unser Sidekick dabei verhält wie ein Kind? Das gilt es erst einmal herauszufinden, und über weite Teile der Story lässt uns das Spiel darüber im Dunkeln tappen, was auf der Cradle eigentlich abgeht.

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Im Mittelpunkt steht nämlich erst einmal die Beziehung des ungleichen Heldengespanns, und die inszeniert Pragmata so süß, dass wir ernsthaft um unseren Blutzuckerspiegel besorgt waren.

Es ist keine Vater-Kind-Beziehung, wie sie ein Sony-Blockbuster erzählen würde, bei der die beiden erst über viele Höhen und Tiefen zusammenwachsen müssen. Hugh und Diana schließen einander sofort ins Herz, und ab der ersten Sequenz ist klar, dass wir das tapsige Robo-Mädchen auf keinen Fall hier zurücklassen werden.

Obwohl die Verhältnisse also schnell geklärt sind, macht es trotzdem großen Spaß, den beiden bei ihren Abenteuern zuzusehen - allein deswegen, weil sie so unfassbar knuffig miteinander umgehen.

Diana zeigt nämlich eine riesige Faszination für alles, was außerhalb ihrer Mondbasis passiert, vor allem auf der Erde. Dementsprechend ist sie völlig aus dem Häuschen, wenn wir im Spielverlauf Erinnerungen finden, die das Leben auf dem blauen Planeten darstellen.

Jede gesammelte Erinnerung löst putzige Szenen mit Diana aus, die sich begeistert jede Menge Wissen über die Erde aneignet. Quelle: PC Games Jede gesammelte Erinnerung löst putzige Szenen mit Diana aus, die sich begeistert jede Menge Wissen über die Erde aneignet. Mit denen dekorieren wir den Schutzraum, also unseren Hub, von dem aus wir die Sektoren der Basis ansteuern. Dort können wir Upgrades kaufen und die Ausrüstung anpassen, aber auch immer wieder mit Diana interagieren - ihr neue Gegenstände von der Erde schenken, Verstecken spielen, und über alles plaudern, was wir im letzten Abschnitt so erlebt haben. Machen wir das oft genug, krakelt uns Diana sogar ein paar Kunstwerke mit dem Wachsmalstift.

Ist das alles dick aufgetragen und gemessen am dramatischen Überlebenskampf, der sich drumherum abspielt, auch ziemlich albern? Auf jeden Fall. Aber wir können es dem Spiel auch nicht ankreiden, weil es nun einmal genau das erreicht, was es soll.

Wie die Interaktionen animiert und vertont sind, lässt einem zuverlässig das Herz aufgehen. Und diese Worte schreibt ein Tester, der bei Pieps-Stimmen und Kinder-Charakteren üblicherweise schnell die Flucht ergreift. Das muss also was heißen!

In unbekannte Gefilde traut sich die Story von Mensch und Androide nun nicht, weswegen der hauptsächlich über Dokumente und Hologramme vorangetriebene Plot auch nicht der Star der Show ist. Wer mit solchen Szenarien halbwegs vertraut ist, der erlebt hier wenig Neues.

Die beiden Helden geben dem Spiel aber einen zuckersüßen Charme, den ein Shooter normalerweise nicht mitbringt, und obwohl ihre Reise auch mit einer guten Prise Drama gewürzt wird, zaubert sie uns die meiste Zeit einfach nur ein Lächeln ins Gesicht.

Wer mal wieder etwas spielen möchte, das nicht dem Trend zum Düsteren und Brutalen folgt, dabei aber trotzdem ordentlich Action bietet, bekommt hiermit seine Empfehlung.

Hack 'em Up

Allzu gemütlich sollten wir es uns trotzdem nicht machen, denn außerhalb des Schutzraums wollen uns immer noch Heerscharen von durchgeknallten Bots ans Leder. Um sie zu verschrotten, müssen wir schießen, hacken, ausweichen, die knappe Munition im Auge behalten sowie allerlei Gadgets einsetzen - und das alles auf einmal.

Weiterhacken oder weghüpfen? Behalten wir den Gegner im Visier, müssen wir uns gar nicht zwischen den beiden Optionen entscheiden, es erfordert allerdings flinke Finger. Quelle: PC Games Weiterhacken oder weghüpfen? Behalten wir den Gegner im Visier, müssen wir uns gar nicht zwischen den beiden Optionen entscheiden, es erfordert allerdings flinke Finger. Pragmata versteht es dabei zum Glück, seine vielen Mechaniken behutsam einzuführen, damit uns nicht gleich die Festplatte durchbrennt. Das wichtigste Feature ist das Hacken. Damit eröffnen wir Gegner nicht nur für effektiven Waffenbeschuss, sondern auch für mächtige Folgehacks, die noch mehr Schaden anrichten und Bonuseffekte auslösen.

Funktioniert folgendermaßen: Visieren wir einen Bot mit einer Waffe an, öffnet sich seine Hacking-Matrix und unser Ziel ist es, einen Cursor durch die richtigen Knoten zum Ausgang zu bewegen.

Diesen Cursor steuern wir, während das Gameplay im Hintergrund ungebremst weiterläuft, mit den Aktionstasten auf dem Controller oder am PC mit der Maus, indem wir eine Taste gedrückt halten.

Beides klappt gut und intuitiv, allerdings hat die Maus einen Geschwindigkeitsvorteil, da die Aktionsbuttons eine minimale Verzögerung haben, bis sie registrieren, dass wir gerade eine Richtung gedrückt halten.

Pragmata: Screenshots aus der PC-Version in 4K (Raytracing)

Mit wiederholtem Drücken sind wir am Controller besser gefahren, vor allem, wenn die Hacking-Matrizen im Spielverlauf immer komplexer und verschachtelter werden. Auf den rechten Analogstick können wir den Cursor auch nicht legen, da der weiterhin fürs Zielen mit der Waffe zuständig ist. Auf der nächsten Seite klären wir, wie Pragmata sein Gameplay weiter verfeinert, und warum es uns an einige der besten japanischen Actionspiele erinnert.

  1. Seite 1 Story und Spielprinzip
  2. Seite 2 Es wird komplexer - und besser!
  3. Seite 3 Technik, Fazit, Wertung
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