Park Beyond im Test: Ein holpriges Bauvergnügen
Test 26,99 €
Freizeitparks sind ein beliebtes Urlaubsziel, wo die ganze Familie Spaß haben kann. Mit Park Beyond könnt ihr euch nicht nur die Anreise sparen, sondern selbst bestimmen, wie verschwurbelt die Achterbahnen verlaufen sollen. Unser Test!
Management-Simulationen und Aufbauspiele sind ein ganz spezielles Genre, das von einer sehr eigenen Zielgruppe lebt. Oft drehen sich die Spiele rund um Geld, Macht oder Politik und sprechen deshalb eher den älteren Feierabendzocker an. Doch natürlich gibt es auch Ausnahmen wie Die Sims (2000), in denen der Fokus auf das freie Gestalten von Häusern und das voyeuristische Beobachten ihrer Bewohner liegt. Ähnlich viel Reiz strahlen Freizeitparksimulationen wie Theme Park (1994) oder Rollercoaster Tycoo n (1999) aus, die bereits aufgrund ihres fröhlichen Themas eine kindliche Freude erzeugen. Bedauerlicherweise erscheinen Spiele dieser Art nur sehr sporadisch, weshalb der letzte nennenswerte Genre-Vertreter namens Parkitect auch schon fünf Jahre auf dem Buckel hat.
Limbic Entertainment möchte nun für Nachschub sorgen und begibt sich dabei selbst in unbekanntes Territorium. Bislang war der Entwickler eher bekannt für die Fortführung alter Spieleserien wie Might & Magic X (2014) und Tropico 6 (2019), während er mit Park Beyond (jetzt kaufen 59,89 € / 26,99 € ) sein ganz eigenes Franchise startet.
Theme Park - Der Film
Park Beyond wartet gleich zu Beginn mit einem ungewöhnlichen Feature für eine Aufbausimulation auf: Es gibt eine Story! Genau genommen haben sich die Entwickler eine umfangreiche Kampagne ausgedacht, die in acht Missionen eingeteilt ist.
Jede Mission startet mit einer Zwischensequenz, in der sich mehrere Charaktere untereinander sowie mit euch unterhalten. Während euch die rebellische Blaize mit ihrer kindlichen Freude zum Bau eines möglichst wilden Parks anstacheln möchte, ist der naive Phil ein alternder Träumer und die streng rational denkende Izzy hat vornehmlich Profit im Sinn.
Oft müsst ihr im Laufe eines Dialogs ein paar Entscheidungen treffen, die sich auf die Art eures nächsten Parks auswirken. So sollt ihr bestimmen, ob er eher für Erwachsene, für Teenager oder für Familien gedacht sein soll.
Quelle: Limbic Entertainment/Medienagentur plassma
Des Weiteren müsst ihr euch zwischen diversen Schwerpunkten entscheiden, beispielsweise ob ihr euren Fokus auf das Entwickeln von großen Achterbahnen oder lieber kompakten Fahrgeschäften legen möchtet.
Leider hat die Story einen gewaltigen Nachteil: Sie ist schlicht und ergreifend schlecht geschrieben. Die Dialoge strotzen nur so vor Klischees und insbesondere Phil erreicht dank Kommentaren wie "Dein erster neuer Bau! Vor lauter Aufregung habe ich mich glatt ein bisschen eingenässt!" allerhöchstes Fremdschämniveau.
So interessant die Idee auch ist, ein Spiel wie Park Beyond mit einer Geschichte auszustatten: Es wäre besser gewesen, man hätte darauf verzichtet.
Zum Glück könnt ihr die Story abseits der Entscheidungsfragen ignorieren und sämtliche irrelevanten Dialogzeilen überspringen. Zudem gibt es einen alternativen Sandbox-Modus, in dem ihr euch frei austoben dürft. Dennoch solltet ihr die Kampagne zumindest angespielt haben, da sie mit zahlreichen Tutorials verknüpft ist und euch in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Steuerungs- und Spielelemente erklärt.
Besonders positiv: Die Tutorials sind kurz und knackig, weshalb sie trotz ihrer Häufigkeit zu keinem Zeitpunkt den Spielfluss stören. Eher negativ: Im späteren Spielverlauf werdet ihr mit Aufgaben und Fachbegriffen konfrontiert, welche die Tutorials kaum bis gar nicht erwähnen.
Bauspaß jenseits der Physik
Sobald es mit dem eigentlichen Bau des Parks losgeht, trumpft die größtenteils sehr gut durchdachte Benutzerführung auf. Sie fühlt sich logisch und eingängig an, weshalb ihr in Windeseile allerlei Fahrgeschäfte wie die Krasse Krake, den Ring of Fire oder die Vortex-Schwinge in die Landschaft setzt.
Hinzu kommen diverse Foodshops sowie Snackautomaten, damit eure Besucher keinen Hunger leiden und ihr zusätzlich mit dem Verkauf von Nahrungsmitteln ordentlich Geld scheffeln könnt.
Um die Sauberkeit des Parks zu gewährleisten, benötigt ihr öffentliche Toiletten, Mülleimer und natürlich fleißige Reinigungskräfte, die eure Wege sauber halten. Auch könnt ihr Animateure einstellen, um die Besucher mit kleinen Showeinlagen bei Laune zu halten.
Quelle: Limbic Entertainment/Medienagentur plassma
Das große Highlight eines jeden Themenparks sollten natürlich die Achterbahnen sein, was in Park Beyond keine Ausnahme ist. Erneut fällt die Steuerung auf den ersten Blick positiv auf, egal ob ihr eine vorgefertigte Attraktion kauft oder euch eure eigene Bahn ausdenkt.
In letzterem Fall bedarf es nur weniger Mausklicks, um ein kurviges Schienenstück nach dem anderen zu platzieren. Freilich könnt ihr überall die Steig- und Fallhöhe anpassen, mit Loopings oder Korkenziehern für Adrenalinkicks sorgen und sogar total wilde Elemente wie Kanonen integrieren, welche die Besucher mitsamt Waggons quer durch den Park schießen.
Mit Adrenalin zum Erfolg
Überhaupt spielt Park Beyond bewusst mit physikalischen Grenzen und bietet euch Bauoptionen an, die sämtliche Sicherheitsstandards unserer realen Welt sprengen würden. Möglich wird dies durch die sogenannte "Impossification": Dahinter verbergen sich utopische Konstrukte, mit denen ihr gewöhnliche Attraktionen zu waghalsigen Bauten erweitert.
Beispielsweise könnt ihr eine harmlose Weltraum-Attraktion, die aus einer flachen, rotierenden Kapsel besteht, in einen waschechten Weltraumstart verwandeln, bei dem das Shuttle eure Besucher Hunderte Meter in die Luft katapultiert.
Natürlich gibt es beim "Impossifizieren" vorgegebene Bedingungen, die ihr erfüllen müsst. Allen voran benötigt ihr genügend Begeisterung, die von euren Parkbesuchern erzeugt wird.
Als Faustregel gilt: Je spannender und abwechslungsreicher euer Park ist, desto schneller steigt die Begeisterung. Und wem das immer noch nicht genug Bauspaß ist, der widmet sich dem Terraforming und verformt den Erdboden nach Lust und Laune.
Neben diesem Spektakel fühlen sich die Aufgaben, die ihr im Laufe einer Kampagnenmission erhaltet, eher langweilig und gezwungen an. Gleichwohl ihr nicht alle erfüllen müsst, schränken sie eure kreative Freiheit ein: So müsst ihr Achterbahnen mit bestimmten Waggons bestücken oder ein Fahrgeschäft auf einem vorgegebenen Platz installieren, selbst, wenn das Endergebnis überhaupt nicht zu eurem restlichen Park passt.
Hinzu kommt, dass die meisten Aufgaben sehr simpel und deshalb wenig spannend zu absolvieren sind. Ganz im Gegenteil: Manche arten in lästige Fleißarbeit aus, wenn ihr zum Beispiel mehrere vorgegebene Toilettenhäuschen entfernen sollt und ihr diese an den entlegensten Stellen des Baugeländes aufspüren müsst.
Auf Erfolgskurs
Als Manager solltet ihr stets auf eure Finanzen achten und gewährleisten, dass nach Abzug aller Kosten für den Bau sowie die Instandhaltung eures Parks genügend Geld übrig bleibt.
Bildergalerie
Wie bei Aufbausimulationen üblich, kommt es auf die richtige Balance an: Ihr könnt natürlich die Eintrittspreise für Park und Attraktionen nach Belieben erhöhen oder zusätzlich Gebühren für die Nutzung der Toiletten verlangen. Aber wenn ihr es übertreibt, dann drehen die potenziellen Kunden direkt am Eingang um und fahren enttäuscht nach Hause.
