In der Onimusha-Form sieht
Samanosuke echt fies aus.
Neue Steuerung, alter Spielablauf
Spielerisch lässt Onimusha dieses Jahr seine Resident Evil-Wurzeln endgültig hinter sich. Lief man bei den ersten zwei Teilen durch zwar prachtvolle, aber statische Render-Hintergründe, werden die nach wie vor äußerst ansehnlichen Umgebungen diesmal komplett in Echtzeit berechnet. Der dadurch viel freieren Kamera trägt auch die umgemodelte Steuerung Rechnung - man dirigiert Samanosuke nicht länger mit dem Steuerkreuz durch das alte Japan, sondern mit dem linken Analogstick. Das umständliche Drehen der Spielfigur um ihre eigene Achse übernimmt das Spiel jetzt automatisch, Sie müssen nur noch in die Richtung des Zielorts drücken. Trotzdem können Sie bei Be-darf immer noch Ausweichmanöver nach hinten ausführen - im neuen Zielerfassungsmodus (R1-Taste) umkreist Ihre Spielfigur einen Gegner und bewegt sich immer relativ zum Ziel vorwärts oder rückwärts. Was hier nur umständlich beschrieben werden kann, läuft in der Praxis auf eine super-intuitive und moderne Steuerung hinaus. Die schon immer gelungenen Kämpfe machen so noch mehr Spaß. Davon abgesehen hat sich spielerisch gar nicht so viel getan: Sie erkunden die auf einfachen Karten festgehaltenen Gegenden, vermöbeln allerlei Monster in Echtzeit und lösen ab und zu einfache Puzzles. Die Knobelaufgaben, die vielen Kisten vorgeschaltet sind, erweisen sich dabei als kniffliger als die anspruchslosen "Dreieckiger Schlüssel in dreieckiges Schloss"-Rätsel. Im Gegensatz zu Teil 2 müssen Sie diesmal auch kein Gold für Einkaufstrips sammeln, um die Sympathien anderer Charaktere zu gewinnen - der Spielablauf ist wieder so geradlinig wie beim Ur-Onimusha. Eine willkommene Ergänzung sind daher die neuen, zeitebenenübergreifenden Rätsel. Die durch magische Kräfte als "Instant"-Dolmetscherin fungierende Ako kann nämlich Gegenstände von einer Zeit zur anderen bringen. An zwei Stellen im Spiel erkunden Jacques und Samanosuke den gleichen Ort jeweils in ihrer Zeit und oft liegt ein wichtiger Gegenstand für den in unserer Gegenwart agierenden Samurai im alten Japan und
will dort erst von seinem französischen Kollegen gefunden werden.
Technisch grandios
Sei es nun der orchestrale Soundtrack (hier und da mit Mozarts Requiem veredelt), der schon zu Beginn gelobte Edel-Vorspann oder die erstaunlich detailverliebten Umgebungen, bei der Umsetzung von Keiju Inafunes Vision hat Capcom wirklich ganze Arbeit geleistet (sieht man mal von der Lokalisierung ab). Den Entwicklern gelang nicht nur das Kunststück, ohne große Abstriche den Sprung von vorberechneten zu Echtzeit-3D-Hintergründen zu schaffen, auch sind diesmal mehr Gegner denn je auf einmal auf dem Bildschirm zu sehen - und trotzdem läuft das Spiel mit superflüssigen 60 Bildern pro Sekunde! Angesichts dieser Leistung kann man über die gelegentlichen Slowdowns locker hinwegsehen. Kein Zweifel: Onimusha 3 gehört zu den technisch besten PlayStation-2-Spielen. Kritik verdient außer der Lokalisierung fast nur die einfallslosklischeehafte Auswahl der Schauplätze in Frankreich. Man hat stets den Eindruck, ein paar Japaner wären für einige Tage ins Land gekommen, hätten schnell die üblichen Sehenswürdigkeiten abgeklappert und diese dann ins Spiel umgesetzt. Das fängt schon mit der Eröffnung am Triumphbogen an, macht natürlich nicht Halt vor dem Eiffelturm und wirkt, so betrachtet, am witzigsten, wenn die Jagd auf die Genma Sie in den Zoo führt. Apropos Zoo: Samanosukes berüchtigtes Panda-Outfit ist auch diesmal wieder nach dem Durchspie-len anwählbar, genau wie zahlreiche weitere Bonus-Features und Minispiele wie zum Beispiel eine Ansammlung an besonders heftigen Kistenrätsel-Kopfnüssen in den jeweiligen Stilen aller Onimusha-Spiele oder ein großer Trainingsmodus für sämtliche Special Moves. Der Umfang kann sich in vielerlei Hinsicht wirklich sehen lassen. Zum Abschluss noch ein Wort zu den Bildschirmfotos auf diesen Seiten: Aus technischen Gründen war es uns nicht möglich, die Action von Onimusha 3 in einer Bildqualität einzufangen, die dem Spiel gerecht wird. Einige der Bilder stammen daher direkt von Capcom, was eine absolute Ausnahme bei PLAYZONE-Tests darstellt.
