30 Jahre Nvidia: GPU-Revolutionäre und Technik-Innovatoren
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Sie zogen aus, um Computerspiele hübscher und schneller zu machen und gehören mittlerweile zu den wichtigsten Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und des Deep Learnings. Blickt mit uns auf den Werdegang des Tech-Riesen Nvidia.
Gaming-Enthusiasten ist der Name Nvidia absolut geläufig. Das 1993 gegründete US-Unternehmen ist Marktführer in der Produktion von Grafikprozessoren und des KI-Computings. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre entstand ein globales Technikimperium, das aktuell weltweit über 26.000 Menschen einen Arbeitsplatz bietet und 2022 einen Gesamtumsatz von beinahe 27 Milliarden US-Dollar erzielte. Laut Unternehmensangaben verwenden weltweit mehr als 3,8 Millionen Entwickler die Technik von Nvidia zum Erstellen von Software. Über 35.000 Firmen nutzen die KI-Technologie, und mehr als 13.000 Start-ups sind Teil von Nvidias Inception-Programm. Kaum zu glauben, dass die Firmengründer Jen-Hsun "Jensen" Huang, Chris Malachowsky und Curtis Priem diesen Betrieb im Jahr 1993 mit einem Eigenkapital von "nur" 40.000 Dollar gründeten und in derart kurzer Zeit zum Erfolg führten.
So bekannt der Name "Nvidia" den meisten von euch wahrscheinlich ist, so wenig weiß man jedoch über die Hintergründe der Technik-Innovatoren. Und genau deshalb werfen wir im großen Portrait einen Blick zurück auf die Geschichte und die wichtigsten Entwicklungen des Unternehmens, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert.
Bescheidene Anfänge
Zu Beginn der 1990er-Jahre sah die Welt der Computer- und Videospiele noch ganz anders als heute aus. Damals erfuhren digitale Spiele einen Aufschwung.
Gerade populäre Konsolen wie Super Nintendo und Sega Mega Drive brachten das Gaming in die Wohn- und Kinderzimmer. Systeme wie der Commodore Amiga zeigten abseits des puren Spielspaßes auch die kreativen Möglichkeiten des Heimcomputers. Damals war der PC als Spieleplattform allerdings noch eher eine Nische.
Es fehlten dafür ein angepasstes Betriebssystem als auch die passende Hardware. Zu dieser Zeit war der Hauptprozessor der mit Abstand wichtigste Bestandteil eines Computers. Er kümmerte sich um alles - auch um die Berechnung der Grafik. Genau diesen Punkt sahen Huang, Malachowsky und Priem als Chance.
Quelle: Nvidia
Jen-Hsun Huang, CEO von Nvidia
Die Idee war es, die Grafikberechnung in separate Prozessoreinheiten auszulagern - in sogenannte GPUs (kurz für Graphics Processing Unit - also Grafikprozessoreinheit). "Wir glaubten daran, dass diese Art der Berechnung viele Probleme lösen würde, die eine übergreifende Berechnung nicht zu leisten imstande gewesen wäre. Wir haben auch festgestellt, dass Videospiele gleichzeitig eines der rechenintensivsten Probleme waren und ein unglaublich hohes Verkaufsvolumen haben würden. Diese beiden Bedingungen treten gemeinsam nicht sehr oft auf. Videospiele waren unsere Killer-App - ein Schwungrad, um große Märkte zu erreichen und riesige F&E-Maßnahmen (Forschung und Entwicklung; Anm. der Redaktion) zu finanzieren, um massive Rechenprobleme zu lösen", führte Huang diese Überlegungen im Jahr 2017 gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Fortune aus.
Die drei Männer waren zu diesem Zeitpunkt an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer Karrieren angelangt: Chris Malachowsky und Curtis Priem waren beide als Ingenieure bei Sun Microsystems angestellt, allerdings unzufrieden mit ihren Jobs. Jensen Huang arbeitete dagegen in verantwortlicher Position beim Chiphersteller LSI Logic.
Priem und Malachowsky suchten also eine neue Herausforderung; Huang war mit seiner damaligen Position zufrieden. Das Gespräch zur Gründung eines bis dato noch namenlosen Unternehmens fand in einem Denny's Restaurant in der Nähe von Huangs Wohnung in East San Jose statt. Schlussendlich war für die Drei klar, dass sie diese Chance nicht an sich vorüberziehen lassen könnten.
Malachowsky fasste diesen Initialfunken gegenüber Forbes noch einmal zusammen: "1993 gab es keinen Markt, aber wir sahen eine Welle kommen. Es gibt einen kalifornischen Surfwettbewerb, der jedes Jahr in einem Zeitfenster von fünf Monaten stattfindet. Wenn sie irgendeine Art von Wellenphänomen oder Sturm in Japan sehen, sagen sie allen Surfern, dass sie nach Kalifornien reisen sollen, weil es dort in zwei oder drei Tagen massive Wellen geben werde. So war es bei uns. Wir waren am Anfang."
Quelle: Nvidia
Chris Malachowsky, Mitbegründer von Nvidia
Als Startkapital dienten besagte 40.000 US-Dollar - für eine Firma ohne Namen. "Uns fiel keiner ein, also haben wir alle unsere Dateien und Dokumente NV genannt, wie in 'nächste Version'", erklärte Huang die Namensfindung. Aus NV wurde "invidia", dem lateinischen Begriff für "envy" (also Neid). So entstand schließlich der Firmenname Nvidia.
Die frühen Jahre: Rückschläge, Börsengang und Durchbruch
Klar, mit bloß 40.000 Dollar stampfte man selbst 1993 kein Unternehmen aus dem Boden. Als Start-up erhielt Nvidia zusätzliche 20 Millionen Dollar in Form einer Risikokapitalfinanzierung, an der sich unter anderem die Kapitalgesellschaft Sequoia Capital und weitere Investoren beteiligten.
Die ersten Jahre waren für das junge Unternehmen trotzdem alles andere als rosig: Die 1995 veröffentlichte Multimediakarte NV1 verkaufte sich schlecht und avancierte zum Flop.
Dennoch blieb man am Ball und lieferte auf Basis der NV1-Technologie weitere Modelle nach. Nvidia erarbeitete sich langsam einen Namen und konnte so kleinere Erfolge erzielen. Jeff Fisher war damals für den Sales-Bereich verantwortlich, heute ist er Senior Vice President für Nvidias PC-Geschäft.
Im Interview mit Fortune erinnerte er sich an das kleine Büro, in dem man sich die Toilette mit einer anderen Firma teilen musste. Für ihn war gerade diese Phase damals entscheidend: "Wir wussten, dass wir, um als Unternehmen wachsen zu können, mehr Wert bieten mussten als nur eine austauschbare Komponente in einem PC. Wir hatten so viel mehr Wert hinzuzufügen als nur eine Ware."
Die 1998 veröffentlichte Riva TNT vereinte die Fähigkeiten einer klassischen 2D-Grafikkarte mit integriertem 3D-Chipsatz. Ein ähnliches Konzept verfolgten damals auch Anbieter wie Matrox oder ATI - im Gegensatz etwa zu den SLI-Beschleunigerkarten (Scan Line Interleave) auf Basis des 3dfX-Voodoo-Chipsatzes.
Nach diesem ersten Erfolg hatte sich Nvidia etabliert. Nach einem eher schwierigen Jahr 1997 fuhr man bereits 1998 deutliche Gewinne ein. Im Januar 1999 folgte schließlich der Börsengang. Am 22. Januar 1999 konnten auch Privatleute in das Unternehmen investieren. Eine Aktie kostete damals zwölf US-Dollar.
Quelle: Nvidia
Jen-Hsun Huang (Nvidia), Tim Sweeney (Epic Games), Johan Andersson (DICE), John Carmack (id Tech)
So erwirtschaftete Nvidia binnen weniger Tage Einnahmen von 42 Millionen Dollar bei dreieinhalb Millionen verkauften Aktien. Bis zum Ende der Woche des Börsengangs stieg die Aktie bereits auf 19,6875 US-Dollar, und so ergab sich ein Firmenwert von über 626 Millionen Dollar.
Auf dem Hardware-Markt gelang der Sprung an die Spitze mit der Einführung des NV10-Chipsatzes - den meisten sicherlich besser bekannt als GeForce beziehungsweise GeForce 256. Die erste Grafikkarte auf Basis des GeForce-256-Chipsatzes erschien in der SDR-Variante im Oktober 1999, im Dezember folgte die erweiterte Version mit DDR-Speicher.
Beide liefen bei einem Chiptakt von 120 Megahertz und besaßen vier sogenannte Pixel-Pipelines, die mit Aufgaben zum Berechnen der Bilddaten betraut werden konnten.
Aufgrund des schnelleren Speichers allerdings war die DDR- der SDR-Variante deutlich überlegen. Die GeForce brach erstmals die Dominanz des 3Dfx-Voodoo-2-Chipsatzes und überflügelte diesen in puncto Leistung deutlich.
Grund dafür war unter anderem die Transform-and-Lighting-Einheit (kurz T&L), die den Hauptprozessor bei der Berechnung der Objektgeometrie entlastete.
Bildergalerie
Frühere Chipsatzmodelle taten dies in erster Linie für Polygon- und Texturdaten. Die GeForce 256 war zudem die erste 3D-Beschleuniger-Hardware, die konform zu Microsofts Schnittstelle Direct3D in DirectX 7 war. Diese setzte sich in den Folgejahren durch und drängte unter anderem die 3Dfx-Schnittstelle Glide in den Hintergrund.
