30 Jahre Need for Speed: Zwischen Höchstgeschwindigkeit und Totalschaden

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
30 Jahre Need for Speed: Zwischen Höchstgeschwindigkeit und Totalschaden
Quelle: Electronic Arts

Zwischen spielbaren Fast and Furious und müden Dahingetuckere: Need for Speed hat alle Höhen und Tiefen des Videospielgeschäfts erlebt. Wir blicken zurück auf die bewegte Vergangenheit der einst bekanntesten Rennspielmarke der Welt.

Wollt ihr euch mal richtig alt fühlen? Kein Problem: Der erste Teil der legendären Need-for-Speed-Reihe erschien vor 30 Jahren. 1994 noch auf Panasonics erfolgloser 3DO-Konsole als Road & Track Presents: The Need for Speed gestartet, sollte die Rennspielserie von Electronic Arts erst 1995 mit der PC-Version und 1996 mit der PlayStation-Variante in die Spielecharts stürmen.

Seitdem ist Need for Speed aus dem Gaming-Markt nicht mehr wegzudenken, auch wenn es im Laufe der Jahrzehnte mehr als einmal von der Erfolgsspur abkam und zum Pannendienst musste.

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Aufgrund der schieren Masse an Need-for-Speed-Spielen konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf die großen PC- und Konsolenumsetzungen. Handheld-Portierungen wie Underground Rivals für die PSP gibt es natürlich auch, diese lassen wir aber aus Platzgründen außen vor.

The Need for Speed Quelle: Moby Games The Need for Speed

Die Anfänge: The Need for Speed bis Porsche

The Need for Speed war damals der Inbegriff des "Autopornos". Auf leistungsstarken PCs lieferte Electronic Arts Racer schnittige SVGA-Grafik mit 640 x 480 Bildpunkten, hohes Geschwindigkeitsgefühl, knackige FMV-Sequenzen und acht Sportwagen wie den Lamborghini Diablo VT. Auch PC-Games-Redakteur Christian Bigge zeigte sich im Test von der Bildgewalt begeistert und verwendete sogar den Begriff "fotonah".

Besonders gelobt wurden die Verfolgungsjagden mit der Polizei und der Duell-Modus, der Zwei-Spieler-Rennen über Nullmodem ermöglichte. Bigge vergab eine Gesamtwertung von 85 Punkten und schrieb: "Sicherlich, die Grafik ist das Beste, was in diesem Genre bisher zu sehen bekam. (...) Für einen absoluten Top-Hit hätten die Steuerung aber ein wenig direkter und zugänglicher sein müssen."

Die Kritik an der Steuerung ist wenig verwunderlich. The Need for Speed war kein reiner Arcade-Racer, sondern nahm durchaus Simulationsanleihen. Das 1997 veröffentlichte Need for Speed 2 hingegen entfernte sich merklich davon. Das Tempo wurde drastisch erhöht, wodurch sich der zweite Teil eher wie der Konkurrent Bleifuss (1995) und weniger wie Need for Speed anfühlte.

Trotz der gewohnt starken Präsentation fiel der Nachfolger vielerorts durch. Teilweise sanken die Wertungen sogar unter die damals noch magische 70er-Marke.

Mit Need for Speed 3: Hot Pursuit, das bereits ein Jahr später erschien, gelang Electronic Arts jedoch der große Wurf. Geschickt wurden die Verfolgungsjagden und damit die Rolle der virtuellen Polizisten gestärkt. Diese waren nun in der Lage, die Raser mit Nagelbändern oder Straßensperren zu stoppen.

Need for Speed 3: Hot Pursuit Quelle: Moby Games Need for Speed 3: Hot Pursuit Das verlieh den Rennen mehr Intensität. Erstmals konnten wir auch selbst in die Rolle der Gesetzeshüter schlüpfen und im PC-Multiplayer Jagd auf unsere Freunde machen. Der dritte Teil vereinte Gameplay und Präsentation seiner Vorgänger und wurde so zum bisher besten Teil der Serie.

Das nur ein Jahr später veröffentlichte Need for Speed: Brennender Asphalt (englischer Untertitel: High Stakes) war ursprünglich als Special Edition des dritten Teils geplant, wurde aber zum Vollpreisspiel aufgeblasen.

Zentrale Neuerung war neben einem Schadensmodell und neuen Möglichkeiten für die Cops vor allem ein Karrieremodus. Need for Speed: Brennender Asphalt erreichte im PC Games-Test satte 84 Prozentpunkte und schrammte damit knapp an einem Hit vorbei.

Während der dritte und der vierte Teil stark von Action und Präsentation lebten, sollte das im Jahr 2000 erschienene Need for Speed: Porsche (beziehungsweise Porsche Unleashed) Simulations-Fans glücklich machen. Mit der traditionsreichen Lizenz im Kofferraum avancierte Porsche zum Publikumsliebling - trotz reduziertem Schadensmodell.

Mitentwickelt von Eden Games, den Machern von V-Rally, zeigte Porsche, dass die Marke Need for Speed auch mehrgleisig fahren kann. Erstmals knackte die Serie im PC-Games-Test die 90er-Hürde. Zitat Redakteur Florian Stangl: "Der Porsche-Renner sticht seine Konkurrenz locker durch perfektes Design aus und begeistert mit dem unterschiedlichen Fahrgefühl, das stark vom gefahrenen Wagen abhängt."

Die Black-Box-Ära: Underground, Most Wanted und Co.

Falls sich jetzt jemand fragt, warum 2001 kein Need for Speed erschienen ist: Es gab damals den Online-Racer Motor City Online. Eigentlich als Ableger von Need for Speed gedacht, brachte EA das Spiel als neue Lizenz heraus. Der Titel floppte jedoch, sodass die Server bereits im August 2003 abgeschaltet wurden.

Mit der Veröffentlichung von Need for Speed: Hot Pursuit 2 (2002) verließ Electronic Arts die Simulationspfade. Die Entwicklung übernahm das 1998 gegründete Studio EA Black Box, das die Serie in den kommenden Jahren betreuen sollte. Man kehrte zur bewährten Formel aus Verfolgungsjagden und exotischen Autos zurück.

Immerhin spendierte EA Black Box Hot Pursuit 2 gleich zwei Kampagnen und eine neue Grafik-Engine. Diese hinterließ allerdings einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits sorgte sie für hübsche Wettereffekte, andererseits aber auch für teils weniger hübsche Umgebungsdetails. Auch eine Cockpitperspektive und Nachtrennen fehlten.

Letztere sollte es in Need for Speed: Underground (2003) zuhauf geben. EA Black Box schwamm auf der Erfolgswelle des Film-Hits The Fast and the Furious (2001): illegale Straßenrennen, Tuning und Style. Underground war modern und punktete beim Gameplay mit Vielfalt und Abwechslung. Das Aufmotzen und Umbauen des eigenen Boliden motivierte ungemein. Neue Spielarten wie Drag- und Drift-Rennen waren frisch und anders.

Bildergalerie

Tester Christian Müller urteilte: "Noch nie hing ich so an der Tacho-Nadel wie in Underground. Fantastisch das Geschwindigkeitsgefühl, verdammt cool die Nachtrennen, wahnwitzig die Autoteile." Das Ergebnis: 9 von 10 Wertungspunkten. Underground setzte sich deutlich ab, erreichte aber genau dadurch den Mainstream.

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