Need for Speed: Payback E3-Preview - Interview und Vorschau zu Open-World, Offroad und filmreifer Action

Special Peter Bathge
Need for Speed: Payback E3-Preview - Interview und Vorschau zu Open-World, Offroad und filmreifer Action
Quelle: Electronic Arts

Need for Speed Payback soll mit Hollywood-Action und geskripteten Missionen auf der einen sowie Open-World-Rennen und vielen Offroad-Events auf der anderen Seite die Fans der NfS-Reihe begeistern. Doch die auf der E3 spielbare Version des Arcade-Rennspiels vermittelt den denkbar ungünstigsten Eindruck von EAs neuem, kontrovers diskutierten Need for Speed. Im Interview mit Entwickler Ghost Games erfuhr PC Games glücklicherweise noch viele andere Informationen zum Frostbite-Engine-Spiel.

Es ist die vielleicht schlechteste Art, Need for Speed Payback auf der E3 vorzustellen, die man sich vorstellen kann. Für unsere E3-Preview spielen wir die PC-Version mit Xbox-Gamepad. Dank Frostbite-Engine läuft das Geschehen butterweich, die Grafik sieht hervorragend aus. Die PC-Version von NfS Payback kann sich wirklich sehen lasse n, auch fünf Monate vor dem Release am 10. November 2017! Zu sehen gibt es die zweite Story-Mission aus der Solo-Kampagne. Die dürft ihr auch offline spielen -anders als bei Need for Speed 2015 gibt es diesmal keine Always-online-Beschränkung.
So weit so gut. Nur leider dürfte dieser Auftrag, der auch im folgenden Gameplay-Video zu sehen ist, viele Spieler mit seiner Linearität erschrecken: Einmal ein paar Meter von der Strecke abgekommen? Neustart! Den Lkw nicht rechtzeitig vor dem Tunnel gestoppt? Pech gehabt, zurück zum letzten Speicherpunkt! Keine Lust, die an fest geskripteten Stellen auftauchenden Gegner-Autos durch Rammen auszuschalten? Dann geht die Mission eben nicht weiter! Und dann sind da ja auch noch die ständigen Unterbrechungen des Spielflusses mit Zwischensequenzen und Zeitlupenansichten der Crashes - von zehn Minuten Demo verbrachten wir fünf Minuten passiv mit Zuschauen. Ungewöhnlich für einen Raser!

Dabei ist Need for Speed Payback doch auch ein Open-World-Rennspiel mit vielen Nebenaktivitäten und zahlreichen Customization-Optionen! Das erfuhren wir allerdings erst im Interview mit Entwickler Ghost Games. Für unsere Vorschau haben wir alle Informationen für euch übersichtlich zusammengetragen und wagen eine erste Prognose zum Spielspaß-Potenzial des neuen Arcade-Racers - auch im Vergleich mit dem 2016-Hit Forza Horizon 3 und der Ubisoft-Fortsetzung The Crew 2, die ebenfalls groß auf der E3 präsentiert wird.

Need for Speed Payback Hands-on: Alle Fakten zur Spielwelt

Nach einer Viertelstunde mit der inhaltlich sehr eingeschränkten PC-Demo von NfS 2017 konnten wir noch einen der Produzenten von Entwickler Ghost Games sprechen. Dieser zeichnete ein völlig anderes Bild von dem Rennspiel, das in bisherigen Videos wie eine auf Hollywood-Action getrimmtes Kind des verunglückten Need for Speed: The Run und der Fast & Furious-Kinofilme wirkt. Wir haben für euch die wichtigsten Informationen zusammengefasst:

  • Need for Speed Payback nutzt als Szenario die Region Fortune Valley. Diese umfasst neben der Stadt Silver Rock auch viele umliegende Gebiete, darunter staubige Canyons.
  • Silver Rock besteht im Kern aus vielen Glücksspiel-Casinos und ist damit deutlich an das reale Las Vegas angelehnt, aber auch industrielle Bereiche sowie die Siedlungen der armen Unter- und der reichen Oberschicht sind vertreten.
  • Kontrolliert wird Fortune Valley von der Streetracer-Gang The House (von "Das Haus gewinnt immer"), die das Wettgeschäft um illegale Autorennen fest in der Hand hat. Als Spieler sollt ihr den Würgegriff von The House lockern und deren vielen kriminelle Geschäften einen Strich durch die Rechnung machen.
  • Dazu kontrolliert ihr in Need for Speed Payback gleich drei Protagonisten. Zwischen den Helden Tyler, Matt und Jess schaltet ihr außerhalb der Missionen jederzeit hin und her - wie in GTA 5.
  • Je nach aktivem Fahrer werden euch auf der Map andere Aktivitäten und Events angezeigt. Tyler ist ein Profifahrer und hat sich auf Drag-Races und andere Hochgeschwindigkeits-Rennen spezialisiert. Matt bevorzugt Drift- und Offroad-Herausforderungen. Jesse transportiert brisante Lieferungen oder VIPs an der Polizei vorbei.

Mehrmals kommt Ghost Games im E3-Interview mit PC Games auf die Inszenierung des neuen NfS zu sprechen. Der 2017-Ableger Payback solle die Serie "durch eine Hollywood-Linse" von einer neuen Seite zeigen, man wolle "einen Blockbuster-Film zum Mitspielen" erstellen. Dabei plane man, ein möglichst breites Zielpublikum aller Altersklassen anzusprechen. "Need for Speed war schon immer [...] für die ganze Familie", so drückt es unser Gesprächspartner aus. Ein derartiger Fokus hat aber Konsequenzen, die so manchem Fan der Reihe sauer aufstoßen könnten, falls dieser vor allem Wert auf das reine Rennerlebnis legt. Need for Speed Payback punktet erstmals mit Offroad-Rennen, bei denen ihr über Stock und Stein fahrt. Quelle: Electronic Arts Need for Speed Payback punktet erstmals mit Offroad-Rennen, bei denen ihr über Stock und Stein fahrt.

Need for Speed Payback: Lineare Story-"Highlights"

  • Neben gewöhnlichen Rennen absolviert ihr in Payback Story-Missionen, die so ähnlich auch aus Grand Theft Auto oder Watch Dogs stammen könnten. Dabei gibt's viele Zwischensequenzen, die euch die Kontrolle über euer Auto wegnehmen. Zum Beispiel wenn sich die Kamera auf einen Lkw richtet, den ihr verfolgt. Oder wenn gegnerische Autos von The House spektakulär crashen. Abschalten lassen sich diese passiven Zuschauer-Passagen nicht.
  • Der eine bislang ausprobierte Einsatz zeichnet ein Bild von einer sehr stark geskripteten, linearen Einzelspieler-Kampagne. In der Mission dürft ihr nicht einmal auf die andere Fahrbahn wechseln, ohne dass die Meldung "Kehren Sie zum Missionsgebiet zurück!" erscheint und das Spiel nach fünf Sekunden einen Game-over-Bildschirm anzeigt. Gegner tauchen an fest vorgegebenen Stellen auf und spielerische Freiheit existierte zumindest in der E3-Demo nicht.
  • Das eigene Auto war nahezu unzerstörbar, während sich die fahrbahren Untersätze von The House bereits nach wenigen Ramm-Einlagen spektakulär um Laternenmasten wickelten oder sich in Zeitlupe überschlugen. Natürlich gilt hier aber: Das war nur eine einzige Mission und diese findet auch direkt am Anfang des Spiels statt. Gut möglich, dass die Einsätze später komplexer und anspruchsvoller werden.
  • Need for Speed Payback scheint auch wieder auf Gummiband-KI zu setzen: Entsprechend der Erfordernisse der Missionen fahren die Schergen von The House langsamer oder unrealistisch schnell.
  • Innerhalb der großen Story-Missionen (im Payback-Jargon ist hier auch die Rede von "Heists", also Überfällen) wechselt das Spiel automatisch zwischen den drei Protagonisten, sodass ihr mehrere Autos pro Einsatz steuert. Bei manchen Missionen ist vorgegeben, welches Auto ihr verwendet, bei anderen dürft ihr frei eines aus eurer Garage auswählen.
  • In Need for Speed Payback gibt es wieder keine Cockpit-Perspektive. Bestätigte Ansichten sind: Außen-, Stoßstangen und Motorhauben-Perspektive. Das Fehlen von Cockpits begründet Ghost Games damit, dass man angesichts der explosive Action in dieser Ansicht die Übersicht verlieren würde.

NfS 2017: Die guten Nachrichten für Payback

Freilich ist nicht alles schlecht, was das neue Need for Speed angeht. Ghost Games hat auch einige kluge Verbesserungen und Innovationen im Gepäck, auf die Kritik auf den letzten Serienteil hat das schwedische Studio mit Payback reagiert. Wer allerdings nur die bekannten Gameplay-Videos gesehen oder die E3-Demo gespielt hat, wird von all diesen momentan noch verborgenen Qualitäten nichts ahnen. Deshalb war der E3-2017-Auftritt von Need for Speed Payback insgesamt so missglückt.

Alte Autos finden und aufmotzen - das geht in Need for Speed Payback. Quelle: Electronic Arts Alte Autos finden und aufmotzen - das geht in Need for Speed Payback. Ob sich die Redaktion dennoch auf das neue Arcade-Rennspiel freut und was Fans der Reihe beim Release vom Gameplay zu erwarten haben, das lest ihr im Meinungskasten am Ende dieses Artikels!

  • Anders als Need for Speed 2015 verzichtet Payback vollständig auf FMV-Zwischensequenzen mit echten Schauspielern. Alle Story-Szenen werden mit der Frostbite-Engine dargestellt.
  • Der Spieler sammelt wie im Vorgänger wieder Ansehenspunkte und Geld, um sich nach und nach neue Autos aus dem angeblich sehr umfangreichen Fuhrpark in die Garage zu stellen.
  • Die Open-World-Spielwelt von Need for Speed Payback wird angeblich vollgepackt mit Nebenbeschäftigungen. Vorbilder scheinen hier The Crew und Forza Horizon 3 zu sein: Es gibt Drift- und Speed-Zonen, Sprungschanzen sowie Werbeschilder, die es zu zerstören gilt. Für all das gibt es Belohnungen.
  • Diesmal sind in der Stadt auch Fußgänger unterwegs; damit Payback kinderfreundlich bleibt, könnt ihr die Passanten aber nicht überfahren.
  • Ähnlich wie in Forza Horizon 3 findet ihr abseits des Weges versteckte Autos, sogenannte Vintage Cars. Diese alten Boliden macht ihr wieder flott und verwandelt sie in den Typ Rennauto, der euch beliebt. So wird selbst aus einem alten VW-Käfer ein Dragster, ein Offroad-Vehikel oder ein flinker Sportwagen.
  • Obwohl das Feature in der E3-Demo noch fehlte, wird NfS Payback manuelle Gangschaltung unterstützen.
  • Das Schadensmodell und Zerstörungssystem soll im fertigen Spiel beim Release am 10. November 2017 deutlich glaubwürdiger ausfallen als auf der E3. Das betrifft vor allem das eigene Auto, wie uns der Payback-Produzer von NfS-Team Ghost Games versicherte.
  • Die Kampagne soll mit Online-Leaderboards und Events sowie kleineren optionalen Abkürzungen während der Rennen einen gewissen Wiederspielwert besitzen.
  • Die Polizei soll sich diesmal viel aggressiver verhalten als im NfS-Reboot von 2015. Bei Payback kommen Helikopter und Straßensperren zum Einsatz, ein "Wanted-Meter" wie in GTA 5 zeigt an, wie viele der immer hartnäckigeren Verfolger euch auf den Fersen sind. Die Cops schneiden euch den Weg ab, keilen euren Wagen ein und versuchen sich sogar an Kamikaze-Crashes, wenn sonst nichts mehr hilft.
  • In Sachen Customization soll Need for Speed Payback den Vorgänger noch übertreffen. Beim optischen Tuning gibt es nun deutlich mehr Optionen inklusive mehr Bauteile auch für exklusive Automarken, um verschiedene "Wraps" samt Farben und Mustern miteinander zu vermischen. Dazu kommt ein neues System für Performance-Tuning. Außerdem dürfen Payback-Spieler beim Customizing nun direkt auf der Straße Anpassungen an Einstellungen wie Grip oder Bremsverhalten vornehmen - für diese Art des Tunings müsst ihr nicht jedes Mal in die Garage.
  • Der Multiplayer-Modus von Payback wird anders als beim letzten Need for Speed wieder eine unkomplizierte Lobby- und Matchmaking-Funktion enthalten. Wer einfach nur im Menü ein schnelles Rennen gegen Online-Widersacher auswählen will, muss dafür nicht mehr zum Event-Ort auf der Karte fahren oder die Gegner in der Spielwelt herausfordern. Das Autolog-Feature kehrt zurück und informiert euch über Bestzeiten und neue Rekorde eurer Freunde.
  • Auf der Xbox One X wird Need for Speed Payback 4K-Auflösungen unterstützen und die zusätzliche Power der "Scorpio"-Konsole für höhere Frameraten nutzen.
  • Für Need for Speed Payback gibt es keinen Season Pass; kostenpflichtige DLCs sind dennoch geplant, neben Story-Erweiterung gibt's auch einVorbesteller-Autopaket. Dafür wird es aber einen Ingame-Shop mit Mikrotransaktionen geben, in dem ihr euch für echtes Geld Erleichterungen wie XP-Booster, mehr Credits oder Ansehen kaufen könnt. Aber: "Es gibt keine Spielelemente, die hinter Gebührenmauern versteckt sind." So genannten Paywalls erteilt Entwickler Ghost Games eine Absage, alle Inhalte von NfS Payback lassen sich ohne extra Geldeinsatz erspielen.

Need for Speed Payback erscheint Ende des Jahres, Releasetermin ist der 10. November 2017 für PC, PS4 und Xbox One X.

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