Murdered: Soul Suspect im Test - Die Entwickler von Airtight Games hatten eine gute Idee: Als frisch verstorbener Geisterdetektiv sollen wir das nächtliche Salem erkunden, um unseren eigenen Mörder zur Strecke zu bringen. Leider entpuppt sich das Adventure als fade Gruselei, die uns anstelle ordentlicher Rätsel vor allem öde Sammelaufgaben und nervige Kämpfe vorsetzt.
Geistlose Ermittlungen
Hin und wieder zeigt das Spiel aber auch Anflüge von gutem Rätseldesign, die beweisen, dass Murdered weit mehr Potenzial geboten hätte: An einer Stelle müssen wir beispielsweise einen Weg passieren, der von einer todbringenden Dämonenpfütze versperrt ist. Die Lösung: Wir müssen in den Körper eines Mannes schlüpfen, der gerade mit einem Staubsauger den Boden reinigt – so bringt er uns langsam, aber sicher über die Gefahrenquelle. Leider bleibt es aber auch hier nur bei lobenswerten Ansätzen, knackige Rätselketten dürfen wir im gesamten Spiel nicht lösen.
Stattdessen müssen wir gleich mehrfach in die Körper verschiedener Katzen schlüpfen. Als flauschiger Vierbeiner können wir durch Luftschächte kriechen, an vorgegebenen Stellen große Sprünge hinlegen und an bestimmten Oberflächen hinaufklettern. Das ist anfangs ulkig und originell, nutzt sich mit der Zeit aber ab – auch aus der Katzenidee schöpfen die Entwickler nicht genügend Gameplay-Potenzial.
In manchen Szenen hinterlässt Murdered den Eindruck, als wollten die Entwickler dem Spieler bloß nicht zuviel zumuten. Als wir etwa eine Leiche finden, die von einem großen Stein erschlagen wurde, fragt uns das Spiel: Wie ist die Person gestorben? Als ob die Antwort nicht offensichtlich wäre. Kurz darauf sollen wir dann aus drei Gegenständen den wichtigsten herauspicken. Zur Wahl stehen ein stinknormaler Löffel, eine alltägliche Gabel und ein goldener, mysteriöser Schlüssel, den wir keine zwei Sekunden davor aus einem Luftschacht gefischt haben. Welcher mag hier wohl der wichtigste Gegenstand sein? Die Frage dürfte selbst Rätsel-Hasser auf keine allzu harte Probe stellen.
Sammelstelle Salem
Quelle: PC Games
In Salem kann Ronan ein größeres Levelgebiet frei erkunden. (PC)
Wenn Ronan nicht gerade Hinweisen nachrennt, darf er sich auch frei in einem offen angelegten Stadtlevel bewegen und sich so in Salems nächtlichen Gassen umschauen. Auch hier sind zig (nutzlose) Infoschnipsel verteilt. Außerdem kann Ronan jederzeit in die Köpfe der vielen NPCs huschen, die auf Salems Gassen herumstehen. So kann man sich kurze Gedankenfetzen des jeweiligen Charakters anhören. Das alles sorgt zwar für etwas mehr Hintergrund und Stimmung, streckt die Spielzeit aber auch unnötig in die Länge – Murdered wäre kein schlechteres Spiel geworden, wenn es auf das frei erkundbare Stadtgebiet verzichtet und dafür eine klassische Levelstruktur gewählt hätte. Immerhin finden wir in der Umgebung aber auch ein paar optionale Nebenquests: Ruhelose Geister, die sich noch ans Leben klammern, geben Ronan kleine Aufgaben, die aber meist schon binnen Minuten in der unmittelbaren Nähe gelöst werden können. Spielerisch sind diese Kurzgeschichten so anspruchslos wie das restliche Gameplay, doch immerhin tun sie der Geisteratmosphäre ausgesprochen gut.
Unnötige Kämpfe
Obwohl Murdered eindeutig ein Adventure ist und seine Geschichte klar im Vordergrund steht, konnten die Entwickler scheinbar nicht widerstehen und haben auch Gegner in das Spiel eingebaut. In mehreren Levels wird Ronan von Dämonen bedroht, die auf festen Bahnen durch die Gänge huschen und unserem Helden in kurzer Zeit das verbliebene Leben aus der Seele saugen können. Per Tastendruck kann Ronan die Viecher durch Wände hindurch sichtbar machen oder sich in Geisternebeln verstecken. Um die Gegner loszuwerden, muss sich Ronan von hinten an einen Dämon ranschleichen und das Biest dann in einer schnellen, simplen Quicktime-Sequenz aussschalten. Anfangs sorgen solche Momente vielleicht noch für Spannung, doch da sie sich bis zum Spielende immer nur wiederholen und der taktische Anspruch nie zunimmt, verlieren die Dämonen schnell ihren Schrecken. Gegen Spielende haben wir sie nur noch als nervig empfunden. Hätte Airtight Games gleich ganz auf die Kämpfe verzichtet und dafür mehr Arbeit in die Ermittlungen gesteckt, wäre am Ende ein deutlich besseres Spiel herausgekommen.
Grafik, Sound und PC-Steuerung
Die Grafik von Murdered geht völlig in Ordnung, auch wenn sie ihre Schönheitsfehler hat: Die Charaktermodelle wirken etwas grob, Levelarchitektur und Texturen kommen nicht über soliden Standard hinaus. Bei den Effekten und den Gesichtsanimationen haben wir schon vor Jahren weitaus Besseres gesehen – hier merkt man, dass Murdered nicht nur für moderne Plattformen, sondern auch für Xbox 360 und PS3 entwickelt wurde. Aber: Murdered sieht trotzdem gut genug aus, um seine düstere Atmosphäre zu transportieren. Einige Abschnitte, etwa der düstere Friedhofslevel, sind zum Beispiel sehr hübsch ausgeleuchtet und sorgen so für Stimmung. Technisch sieht die PC-Fassung am besten aus, dicht gefolgt von der PS4-Version. Diese zeigt zwar hin und wieder unsaubere Übergänge bei Bodentexturen, kommt sonst aber optisch nahe an die PC-Fassung ran. Anders die PS3-Version: Hier fallen im Detail unscharfe Texturen auf und die Geisterwelt wirkt aufgrund der niedrigeren Auflösung deutlicher matschiger. Trotzdem kommen Look und Stimmung des Spiels auch auf der alten Konsolenhardware gut genug rüber. (Hinweis: Murdered erscheint auch für Xbox One und Xbox 360, diese Fassungen lagen uns aber nicht zum Test vor.)
Die Lippenbewegungen der Figuren sind auf Deutsch nicht synchron zur Sprachausgabe, hier ist die englische Fassung klar im Vorteil. Dafür entschädigen die sehr guten deutschen Sprecher, die nicht nur aus Film und Fernsehen bekannt sind, sondern auch viel Mühe in ihre Rollen stecken – bei der Lokalisation hat Square Enix großen Aufwand betrieben, und das macht sich bezahlt: Die deutschen Sprecher hauchen den ordentlich geschriebenen Figuren Leben ein, was besonders in einem Adventure weitaus wichtiger ist als top-moderne Grafik.
Am PC spielt sich Murdered am besten mit einem Gamepad. Wer mit Maus und Tastatur spielt, muss sich auf eine zu sensibel eingestellte Kamerabewegung gefasst machen, außerdem wird das Menü zum Verwalten von Hinweisen nicht mit der Maus, sondern umständlich mit der Tastatur bedient. Wer kann, der greift idealerweise zum Xbox 360- oder Xbox One-Gamepad.
Spielzeit und Fazit
Murdered bietet rund 8 bis 10 Stunden Spielzeit, sofern man nicht nur der linearen Hauptgeschichte folgt, sondern auch einige der (unnötigen) Sammelaufgaben am Wegesrand erledigt. Wer sich nur auf die Story konzentriert, ist natürlich schneller durch. Die Krimi-Handlung beginnt deutlich spannender als sie endet und bietet null Entscheidungsfreiheit, außerdem lässt auch die Inszenierungsqualität zum Schluss hin spürbar nach. Trotzdem hat uns die Geschichte genug bei der Stange gehalten, um uns bis zum Finale zu motivieren – auch wenn das Gameplay schwächelt und Murdered links wie rechts tonnenweise Potenzial verschenkt, wollten wir unbedingt herausfinden, wer sich hinter der Maske des Mörders verbirgt. Die düstere Atmosphäre, die guten deutschen Sprecher und die ordentlich geschriebenen Charaktere retten die Spielspaßwertung ins solide Mittelfeld. Wer also nicht mehr als einen einfachen Mystery-Krimi erwartet und die Geschichte weit vor dem eigentlichen Gameplay einordnet, der wird mit Murdered trotzdem seinen Spaß haben.
Kopierschutz und USK
Die PC-Version von Murdered: Soul Suspect muss über Steam aktiviert werden. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben und ungeschnitten.
