Mass Effect: Andromeda im Test - Spielwelt, Hubs, Kampfsystem

Test Matthias Dammes
Mass Effect: Andromeda im Test - Spielwelt, Hubs, Kampfsystem
Quelle: PC Games

Auf der zweiten Seite unsere Tests von Mass Effect: Andromeda beschäftigen wir uns mit der Spielwelt, den NPC-Hubs und dem Kampfsystem des Action-Rollenspiels.

Welten aus Eis und Sand

Der Heleus-Cluster der Andromeda-Galaxie besteht aus gut drei Dutzend Sternensystemen, die jeweils aus einer variablen Anzahl von Planeten bestehen. Wie in den Vorgängern haben die meisten Himmelskörper keine direkte Funktion. Gelegentlich lassen sich jedoch große Rohstoffvorkommen, besonderen Naturformationen oder zurückgelassene Satelliten entdecken. Diese kann man wie in Mass Effect 3 mithilfe einer Sonde "abbauen", um Forschungspunkte, Erfahrung oder Ressourcen einzustreichen. Das findet diesmal allerdings nicht auf einer öden 2D-Karte statt, sondern direkt im dreidimensionalen Raum. Jeder Flug zu Sternensystemen und Planeten wird schick animiert und sobald man die Galaxiekarte verlässt, sieht man aus den Fenstern der Tempest ebenjenen Himmelskörper, in dessen Orbit man sich gerade befindet. Allerdings sind die Flug-Animationen viel zu lang und lassen sich auch nicht abbrechen. Entsprechend wird das zunächst hübsch anzuschauende Feature schnell zu nerviger Wartezeit.

Der Nomad macht als Erkundungsfahrzeug eine sehr gut Figur und lässt sich prima steuern. Quelle: PC Games Der Nomad macht als Erkundungsfahrzeug eine sehr gut Figur und lässt sich prima steuern. Wirklich landen kann man auf insgesamt sieben Planeten. Das klingt zunächst nach relativ wenig, aber fünf dieser Planeten haben gewaltige Ausmaße. Bei den anderen beiden handelt es sich zum einen um einen größeren Questhub und zum anderen um einen etwas kompakteren Planeten, der nur zu Fuß erkundet wird. Hinzu kommen dann noch spezielle Locations, in denen sich wichtige Missionen auf eher gewohnt linearen Pfaden abspielen. Für die großen Welten gibt es zum Glück mit dem Nomad ein flinkes Fahrzeug, um die weiten Ebenen von Eos oder die Hügel von Kadara zu erkunden. Der Rover steuert sich dabei hervorragend. Zwei Fahrmodi sorgen für die richtige Traktion bei steilen Anstiegen sowie ausreichend Geschwindigkeit in der Ebene.

Dem kommt natürlich auch entgegen, dass die Welten diesmal, anders als noch im ersten Mass Effect, aufwendig von Hand erstellt wurden. So düsen wir über die eisigen Weiten eines komplett zugefrorenen Planeten oder weichen gefährlichen Sinklöchern auf einer Wüstenwelt aus. Besonders gut gefallen hat uns ein zerborstener Planet, auf dem niedrige Schwerkraft herrscht und keine Atmosphäre existiert. Der Nomad bewegt sich dort entsprechend nahezu lautlos und hat nach Sprüngen eine deutlich längere Schwebephase.

Überladen und doch leblos

Die Landschaften der Planeten sind aber nicht nur schick anzuschauen, sondern in der Regel auch lebensgefährlich. Überall lauern Umweltgefahren, die entweder nur lokal auftreten, wie das giftige Wasser auf Kadara, oder sich über den ganzen Planeten erstrecken, wie die Alles will uns fressen. Friedliche Tierwelt zur Belebung der Spielwelt gibt es nicht. Quelle: PC Games Alles will uns fressen. Friedliche Tierwelt zur Belebung der Spielwelt gibt es nicht. erhöhte Strahlung auf Eos. Ihr solltet daher euer Lebenserhaltungssystem stets im Blick behalten, wenn ihr euch außerhalb sicherer Zonen aufhaltet. Zusätzlich gibt es auf jedem Planeten eine aggressive Tierwelt, die euch liebend gern als Mittagessen verspeisen würde. Leider lässt es das Spiel hier ein wenig an Vielfalt vermissen. Auf allen Planeten gibt es die gleichen oder zumindest ziemlich ähnliche Arten. Friedliche Fauna, die wie in The Witcher 3 die Spielwelt belebt, sucht man leider vergebens.

Mehr als genug gibt es dagegen an Aktivitäten auf der Karte. Neben den zahlreichen Quests gibt es Aufklärungsposten, Monolithen, Alien-Ruinen, feindliche Basen, Höhlen und andere Strukturen zu entdecken. Diese werden auch fein säuberlich alle auf der Karte dargestellt. Immerhin aber erst, nachdem man die entsprechenden Kartenbereiche erkundet hat. Zwar verzichten die Entwickler auf belanglose Sammelaufgaben wie die Splitter in Dragon Age: Inquisition, dafür schicken sie den Spieler mit ähnlich sinnlosen Fetch-Quests quer über die Karte. Am Ende verfällt man dann doch wieder dem üblichen Muster, bei dem man einfach eine Kartenmarkierung nach der anderen abarbeitet.

Quatschen bis zum Umfallen

In den verschiedenen Hubs geht es schon deutlich lebhafter zu. Zentrale Anlaufstelle ist die Raumstation Nexus, die eine ähnliche Funktion einnimmt wie die Citadel in der Trilogie. Hier bekommt ihr es mit der politischen Führung der Andromeda Initiative und hoffnungsvollen Pionieren aus verschiedensten Spezies der Milchstraße zu tun. Mit unzähligen NPCs können Gespräche geführt werden, selbst wenn diese Personen gar nicht für irgendwelche Quests von Bedeutung sind. So könnt ihr zum Beispiel ein wenig über die Die Crew der Tempest in Mass Effect Andromeda Quelle: PC Games Wie von Mass Effect gewohnt verbringt ihr viel Zeit mit den Gesprächen mit euren Kameraden. verschiedenen Beweggründe erfahren, die diese Leute veranlasst haben, sich einer Reise ohne Wiederkehr anzuschließen. Allein auf der Nexus lassen sich so mehrere Spielstunden verbringen. Neben der Raumstation gibt es außerdem auch noch zwei größere Siedlungen auf Planeten, die als Hub dienen.

Eine besondere Stellung nimmt natürlich die Tempest ein, das Raumschiff eures Protagonisten und die Heimat eures kleinen Teams. Die Raumaufteilung zeugt von effizienter Nutzung des zur Verfügung stehenden Platzes und ist klar durchdacht. Jedes Crewmitglied hat seine persönliche Ecke auf dem Schiff, ist aber auch häufig an anderen Orten anzutreffen.

Allgemein haben die Entwickler zumindest ansatzweise versucht, die Hubs mit etwas mehr Leben zu füllen. NPCs gehen ihren Tätigkeiten nach und bewegen sich auch mal von der Stelle. Vieles wirkt dennoch weiterhin sehr statisch und aufgesetzt. Besonders wichtige NPCs für Quests sind häufig immer an der gleichen Stelle zu finden. Ein aktives Leben der NPCs wie zum Beispiel in den Elder Scrolls-Rollenspielen gibt es leider nicht.

Flink wie ein Wiesel

Nicht überall geht es jedoch so friedlich zu wie auf der Nexus. Während der Missionen und bei der Erkundung der Planeten müssen sich der Pathfinder und sein Team gegen aggressive Aliens, mysteriöse Roboter, Abtrünnige aus der Andromeda Initiative sowie die hungrige Tierwelt wehren. Dabei kommt das hervorragende Kampf-Gameplay zum Tragen, das einen der größten Fortschritte innerhalb der Mass Effect-Reihe Mit dem Jet-Pack verschafft ihr euch einen Höhenvorteil und könnt sogar kurze Zeit schweben. Quelle: PC Games Mit dem Jet-Pack verschafft ihr euch einen Höhenvorteil und könnt sogar kurze Zeit schweben. darstellt. Im Kern handelt es sich noch immer um einen Deckungsshooter, der sich jetzt jedoch viel dynamischer spielt. Mit einem Jump-Jet genannten Jetpack auf dem Rücken vollführt der Held hohe und weite Sprünge. Für kurze Zeit kann er sogar über dem Schlachtfeld schweben. Aus brenzligen Situationen entkommt man nun mit dem sogenannten Dash, einer blitzschnellen Ausweichbewegung in die gewünschte Richtung. Beides sorgt für eine offensivere Spielweise als früher, wo man meist wie festgefroren nur hinter einer Deckung hockte. Das Deckungssystem funktioniert jetzt außerdem völlig automatisch, sobald sich der Protagonist einem entsprechenden Hindernis nähert. Wenig gelungen ist dabei allerdings die Kameraführung. Denn die Schulter muss umständlich vom Spieler per Tastendruck gewechselt werden.

Durch die Squad-Mitglieder kommt tatsächlich das Gefühl auf, zu dritt zu kämpfen. Eure Teammitglieder richten auch in höheren Schwierigkeitsgraden spürbaren Schaden an. Allerdings ist die Befehlsgewalt über eure Kameraden nicht mehr so üppig wie früher. Bestimmte Gegner oder Positionen lassen sich zuweisen, das war es dann aber auch schon. Gezielter Einsatz von Fähigkeiten kann nicht mehr befohlen werden. Immerhin setzt das Team seine Fähigkeiten meist sehr geschickt ein und hält sich dabei auch nicht künstlich zurück.

Die KI der Gegner schwankt von taktisch herausfordernd bis zu nicht existent. Meistens funktioniert die KI, wie sie soll. Dann versuchen euch die Gegner einzukreisen und nutzen die Vertikalität voll aus, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Hin und wieder hat die KI aber auch totale Aussetzer. So konnten wir mehrmals komplette Gegnergruppen einfach wegsnipern, ohne dass diese auch nur ansatzweise auf den Angriff reagiert hätten.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Mass Effect: Andromeda im Test - Story, Charaktere, Entscheidungen
  2. Seite 2 Mass Effect: Andromeda im Test - Spielwelt, Hubs, Kampfsystem
  3. Seite 3 Mass Effect: Andromeda im Test - Skill- und Itemsystem, Bedienung und Technik, Fazit/Wertung
  4. Seite 4 Mass Effect: Andromeda im Test - Mängel auf der PS4, PC-Technik-Check und Multiplayer
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