Mass Effect: Andromeda - Exklusiv-Vorschau zur SciFi-Hoffnung
Special
Als einziges deutsches Magazin lud uns Bioware zu einem exklusiven Termin ein, um den Aufbruch nach Andromeda erstmals zu sehen und spielen. Wir haben uns ein Gefühl davon verschafft, wohin die Reise mit Mass Effect: Andromeda gehen wird. Alle Infos zum neuesten Teil der SciFi-Saga hier in der großen Vorschau.
Die simple Tatsache, dass die Entwickler von Bioware ihr neues Studio in Montreal aufbauen wollten und dafür noch qualifizierte Leute gesucht haben, führte dazu, dass schon relativ früh offen über ein neues Mass Effect gesprochen wurde. Das erzählte uns Studio-Manager Yanick Roy bei unserem Besuch in der ostkanadischen Metropole. Denn nach der ersten Bestätigung Ende 2012 und der offiziellen Ankündigung auf der E3 2015 hat das Schweigen endlich ein Ende.
Einigen Entwicklern fällt sichtlich eine Last von den Schultern. Denn erstmals präsentieren sie ihre Vision von Mass Effect: Andromeda an Außenstehende. Als eines von nur vier europäischen Magazinen konnten wir uns Mitte Oktober einen exklusiven Einblick verschaffen und haben erstmals ein Gefühl dafür bekommen, wohin die Reise für die Reihe nach der Trilogie um Commander Shepard geht.
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Pfadfinder der Sterne
Ausgangspunkt des Abenteuers ist die sogenannte Andromeda Initiative, ein geheimes Programm, das bereits lange vor den Ereignissen der Trilogie einsetzt. Darin schließen sich viele Rassen der Milchstraße zusammen, um die nächstgelegene Andromeda-Galaxie zu erkunden. Die Mission habe vor allem einen wissenschaftlichen Antrieb, es gebe aber noch andere Gründe für den Aufbruch, den uns die Macher derzeit allerdings noch nicht verraten wollen. Insgesamt machen sich rund 100.000 Personen verschiedener Spezies auf vier Archeschiffen auf die beschwerliche Reise. Eine Reise, für die es kein Rückflugticket gibt.
Quelle: Bioware
Umweltgefahren wie Gewitter oder Stürme können lokal oder planetenweit auftreten.
Creative Director Mac Walters vergleicht es mit einem möglichen Trip zum Mars. Man wäre lange Zeit unterwegs, ohne Ahnung, was einen am Ziel erwartet, und kommt vermutlich nie wieder zurück. Es geht bei der Andromeda Initiative nicht darum, vor den Reapern zu flüchten. Die Archen brechen bereits auf, bevor die Bedrohung durch die alles vernichtenden Killermaschinen ernst genommen wird. Damit umgehen die Entwickler auch geschickt die umstrittenen Enden von Mass Effect 3. Jeder Teilnehmer dieser Expedition hat seine eigene Motivation für die Reise - Neugier, Abenteuerlust, Überlebenswille.
Unter all diesen Abenteurern befinden sich auch die Geschwister Scott und Sarah Ryder. Einen der beiden wählt ihr als euren Protagonisten und könnt dann natürlich auch einen individuellen Vornamen vergeben. Anders als Commander Shepard, der bereits ein Space-Marine mit jeder Menge Kampferfahrung war, sind Scott und Sarah noch etwas grün hinter den Ohren. Beide gehören den sogenannten Pathfindern an, die zwar über militärisches Training verfügen, aber in erster Linie Scouts und Forscher sind. "Das ist kein militärischer Trip, das ist kein militärisches Abenteuer, auf das ihr euch begebt. Das ist eine wissenschaftliche Mission", erklärt Mac Walters. Jede Arche verfügt über ein Team von Pathfindern, die bei der Ankunft in der Andromeda-Galaxie dafür zuständig sind, eine neue Heimat zu finden. In der Mass Effect-Trilogie war die Menschheit bereits in der galaktischen Gesellschaft angekommen, die ersten Kontakte mit den anderen Spezies lagen bereits einige Zeit zurück. Doch diesmal ist alles anders. Wir sind die Aliens in dieser unbekannten Umgebung.
Im Verlauf der "fantastischen Einzelspieler-Geschichte", wie es Walters beschreibt, begegnet der Protagonist den unterschiedlichsten Charakteren. Wie gewohnt werden sich Dramen, Romanzen und knifflige Entscheidungen rund um die wichtigsten Figuren entwickeln. Für eine engere Bindung an eure Squad-Mitglieder und mehr Charaktertiefe bringen die Entwickler die Loyalitätsmissionen aus Mass Effect 2 zurück. Commander Shepard war ein gestandener Soldat in seinen 30ern. Die Ryder-Geschwister und viele andere Charaktere sind dagegen etwas jünger, wodurch auch eine etwas jüngere Geschichte erzählt wird. "Shepard war bereits ein Held und wurde eine Legende. Diesmal ist es eine Geschichte darüber, ein Held zu werden", beschreibt es der Creative Director.
Zwei Säulen
Bei der Entwicklung standen vor allem zwei Säulen im Mittelpunkt, die das gesamte Erlebnis tragen sollen. Der erste wichtige Bereich ist dabei das Kampf- und Charaktersystem, das mit packender Third-Person-Action dafür sorgen soll, dass es eben nicht nur einfach ein viertes Mass Effect wird. "Der Kampf hat sich deutlich weiter entwickelt. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass unsere Charakterentwicklung und der Kampf einen größeren Sprung machen als je zuvor", erklärt Mac Walters selbstbewusst.
Aber natürlich dreht sich auch diesmal alles um die Charaktere und die Story. Der Spieler soll wieder das Gefühl bekommen, Teil einer epischen Sci-Fi-Saga zu sein und in eine mysteriöse neue Welt aufzubrechen. "Unsere Science-Fiction ist immer recht bodenständig, aber sie erzeugt auch immer das Gefühl, dass da draußen noch mehr ist, dass es ein großes Mysterium gibt. Das ist das Gefühl, was wir wieder erzeugen wollen", beschreibt Walters die zweite wichtige Säule. Um diese zentralen Elemente haben die Entwickler in den letzten fünf Jahren das gesamte Spiel aufgebaut. Dabei besinnen sich die Macher aber auch wieder auf die Wurzeln der Serie, denn die Erkundung von Planeten spielt, wie im ersten Teil, eine zentrale Rolle.
Mako war gestern
Dabei ist sich das Team seiner wenig rühmlichen Geschichte von Erkundungsfeatures durchaus bewusst. Die weitläufigen Planeten im ersten
Quelle: Bioware
Nomad ND1: Ein schnelles, agiles Fahrzeug ohne eigene Bewaffnung zur Aufklärung neuer Planeten. Dazu verfügt es auch über spezielle Klettermodi und Booster.
Teil waren größtenteils leer und öde. Der Erkundungspanzer "Mako" fuhr sich wie ein Gummiball, statt wie eine tonnenschweres Vehikel. Man wollte sich in diesen Punkten deutlich steigern und die Qualität liefern, die Fans von Bioware und Mass Effect erwarten. Entsprechend galt den Missionen und Questknotenpunkten auf den verschiedenen Planeten große Aufmerksamkeit.
Für die schnelle Fortbewegung sorgt erneut ein Fahrzeug - der Nomad. Das auf dem Mako basierende Vehikel ist vor allem auf schnelle Aufklärung ausgelegt. Daher verfügt das Gefährt auch über keine eigene Bewaffnung. Sollte es zu einer Auseinandersetzung kommen, heißt es aussteigen und selbst kämpfen. Wir konnten das Gefährt zwar nicht selbst mit dem Controller in der Hand erleben, aber allein vom Zusehen machte die Fahrphysik deutlich mehr her als beim alten Mako.
Hubs, Level und Planeten
Die Galaxie von Mass Effect: Andromeda bietet Schauplätze, die in verschiedene Typen eingeteilt werden. Am größten sind die Story-Planeten, die ähnlich wie in Dragon Age: Inquisition große, weitläufige Areale darstellen. Hier trifft der Protagonist auf Hubs mit NPCs. In Gesprächen bekommt der Spieler dabei ein Gefühl für diese Welt vermittelt. Denn jeder dieser Planeten erzählt eine eigene Geschichte. Darüber hinaus sind diese Levels aber auch erzählerisch mit anderen Schauplätzen verknüpft.
Der zentrale Handlungsstrang des Spiels ist deutlich linearer aufgebaut und soll sich so anfühlen, wie man es von einem Mass Effect erwartet. Allerdings haben die Entwickler durchaus versucht, auch in diesen kritischen Handlungsmomenten ein größeres Gefühl von Freiheit zu erzeugen. Der Hauptfokus dieser Gebiete liegt aber auf der Erzählung der Geschichte. Ähnlich verhält es sich mit den bereits erwähnten Loyalitätsmissionen. Neben all diesen Missionsgebieten wird es auch wieder zentrale Anlaufpunkte geben, ähnlich der Citadel in der Trilogie. In diesen Bereichen geht es einzig um die Erzählung, das Kennenlernen neuer Kulturen, Handwerk und Handel.
Oder ihr führt Dialoge mit Gefährten, Crewmitgliedern oder anderen NPCs. Einige von ihnen sind eventuell sogar potentielle Romanzenpartner. Wie schon bei Dragon Age: Inquisition beschränken sich mögliche Liebesbeziehungen nicht nur auf den Kreis der eigenen Begleiter. Die Interaktion mit dem Partner wurde zusätzlich deutlich ausgebaut. "Derzeit ist die kleinste Romanze in Andromeda größer als die größte Romanze in Mass Effect 3", erklärt Walters.
Dynamischeres Kampfsystem
Sich verschiedenster Feinde zu erwehren, kommt auch ein Pathfinder nicht herum. Das Kampfsystem profitiert dabei vom Wechsel auf die Frostbite-Engine mit speziellen Physikeffekten und einer bis zu einem gewissen Grad zerstörbaren Umgebung. Man werde es mit der Zerstörung nicht so weit treiben wie Battlefield, aber es soll eine gewisse Dynamik auf dem Schlachtfeld entstehen. Minutenlanges Verschanzen hinter einer Deckung soll damit passé sein.
Mit der Sprungfähigkeit und Jet-Pack-Hilfe führen die Entwickler außerdem eine vertikale Ebene ein. Je nach Gelände werden damit die taktischen Optionen erweitert. Die Umgebung sei ein Werkzeug im Arsenal des Spielers, erklärt Mac Walters die bessere Einbindung der Landschaft in das Kampfgeschehen. Das konnten wir in einer Mission im späteren Spielverlauf beobachten. Mit einem voll entwickelten Charakter führt uns
Quelle: Bioware
Über neue Fähigkeiten wollten die Entwickler nicht viel verraten. Dieser Biotik-Skill könnte eine Art Gedankenkontrolle darstellen.
Produzent Michael Gamble das Kampfsystem vor. Beim ersten Feindkontakt packt er gleich mal eine gewaltige Attacke mit der Omni-Klinge aus. Die holografische Nahkampfwaffe am rechten Unterarm ist also wieder dabei und soll jetzt auch mehrere Modi bieten. In der gezeigten Mission betritt Ryder mit seinen Kameraden ein großes Gebäude. Begleitet wird der Protagonist wie gewohnt von zwei Gefährten, darunter die bereits aus Trailern bekannte Asari mit dem Spitznamen Peebee.
Das Kampfgebiet bietet weniger Platz als die offene Spielwelt. Dennoch gibt es mit den verschiedenen Ebenen noch genug taktische Optionen. Dabei sollte man sich aber nicht zu lange auf eine bestimmte Deckung verlassen. Denn die Feuergefechte hinterlassen ihre Spuren in Form von zerstörten Geländern oder Kisten. Entsprechend wichtig ist die Bewegung des Helden. Durch die neue Sprungmechanik sowie den "Dash" kann der Spieler schnell von einer Deckung zur nächsten kommen und die Vertikalität des Levels optimal nutzen. Dabei sieht die Bewegung von Ryder deutlich dynamischer und spritziger aus, als es bei Shepard jemals der Fall war. Der Dash beschreibt ein schnelles Ausweichen in Bewegungsrichtung, bei der auch das Jetpack zur Hilfe genommen wird. Dieser Move ersetzt die Rolle aus den Vorgängern.
Bei der Charakterentwicklung soll Mass Effect: Andromeda deutlich mehr Tiefe bieten als bisher. Dabei war es den Entwicklern wichtig, dem Spieler immer eine Wahl zu lassen. Das System soll einerseits eine tiefgreifende Beschäftigung mit dem eigenen Helden ermöglichen und andererseits auch für all diejenigen Spieler zugänglich sein, die sich nicht mit jedem Detail auseinandersetzen wollen. Klassen wie Soldat, Infiltrator und Wächter sind als sogenannte Profile zumindest theoretisch wieder dabei. Allerdings ist das Skillsystem offen und lässt die starren Grenzen der Klassen verschwimmen. Über Details des Charaktersystems schwiegen die Entwickler allerdings noch.
Wir haben es geschafft
Nach der ausführlichen Präsentation von Creative Director Mac Walters greift Produzent Michael Gamble zum Controller und startet eine frühe Pre-Alpha-Version auf der Playstation 4, um uns das Spiel endlich auch in Bewegung vorzuführen. Wir haben bereits kurz Ausschnitte aus einer Kampfmission erwähnt. Als erstes bekommen wir allerdings den Einstieg zu sehen, der gewohnt cineastisch inszeniert worden ist. Nach dem Intro sehen wir, wie Scott Ryder nach der 600-jährigen Reise mit der Arche Hyperion aus dem Cryo-Schlaf geholt wird. Nach einem ersten Kaffee wird er von einer Asari auf mögliche Nachwirkungen des Kälteschlafs untersucht.
Auch, wenn in dieser frühen Version des Spiels noch nicht alle grafischen Effekte integriert beziehungsweise optimiert sind, machen die schicken Charaktermodelle der Frostbite-Engine bereits einen hervorragenden Eindruck. Wir sehen in dieser Einführungssequenz auch schon die ersten
Quelle: Bioware
Die Kett sind ein wichtiger Gegenspieler, ihre Beweggründe aber bisher unbekannt.
Dialoge, die Bioware-typisch über ein Dialog-Rad geführt werden. Dabei kommen auch Symbole zum Einsatz, die ähnlich wie in Dragon Age: Inquisition die mit der Antwort verbundene emotionale Reaktion veranschaulichen.
Als nächstes springen die Entwickler zur ersten richtigen Mission, zur ersten Landung auf einem Planeten in der neuen Galaxie. Hier müssen die Mitglieder der Andromeda Initiative schnell lernen, dass ihre potentielle neue Heimat wesentlich gefährlicher und feindlicher ist, als sie erwartet hatten. Nach einem Shuttle-Absturz schlagen sich Scott und sein erster Gefährte Liam auf der Suche nach weiteren Überlebenden durch unwirtliches Gelände. Natürliche Gefahren sollen auf vielen Planeten eine wichtige Rolle spielen, planetenweit oder nur lokal.
Während dieser Mission bekommen wir auch das neue Cinematic-System zu sehen, bei dem der Spieler in bestimmten cineastischen Momenten die Kontrolle über die Kamera behält. Scott und Liam begegnen wenig später den ersten Aliens, den Kett. Diese hochgewachsenen Kreaturen wirken mit ihrer Knochenrüstung sehr martialisch. Da überrascht es uns nicht, dass der erste Kontakt wenig friedlich abläuft. Die Kett werden eine große Rolle spielen, mehr wollten die Entwickler zu ihren Beweggründen aber noch nicht verraten.
Offene Wüste
Als nächstes wechselt der Produzent wieder die Szenerie und zeigt uns diesmal eine der weitläufigen Planeten, die es zu erkunden gilt. Los geht es in einer Siedlung, die als Quest-Hub dient. Hier kann mit verschiedensten Personen geredet und neue Aufträge angenommen werden. Abseits der kleinen Stadt befinden wir uns auf einem recht kargen Wüstenplaneten, auf dem es schnell sehr heiß werden kann, was wiederum die Lebenserhaltung beeinflusst. Ein längerer Aufenthalt außerhalb von Schatten oder dem Nomad fügen Ryder und seinem Team allmählich Schaden zu. Die Umweltbedingungen spielen häufig auch in der Hintergrundgeschichte eines Planeten und der dort vorherrschenden politischen Lage eine wichtige Rolle. In unserem Beispiel ist unter anderem Wasserknappheit ein drängendes Problem.
Nach einem kurzen Aufenthalt in der Siedlung geht es raus in die Weite der Wüste. Für die weitere Erkundung steigt Michael Gamble in den Nomad und braust los. Nach kurzer Fahrt werden wir Zeuge der dynamischen Events, die sich überall in der Spielwelt ereignen können. Wir treffen auf zwei verfeindete Fraktionen, die gerade im offenen Feuergefecht miteinander stehen. Der Spieler hat in diesen Situationen die freie Wahl, ob er sich einmischt oder nicht. In unserem Fall entscheidet sich Produzent Gamble, aus dem Nomad auszusteigen und mitzumischen. Dabei nutzt er das Fahrzeug durch das neue Deckungssystem als Schutz, genau wie herumliegende Felsen. Diese Begegnungen in der Spielwelt nennen die Entwickler "leichte Inhalte", die der Lebendigkeit der Spielwelt dienen. Darüber hinaus gibt es sogenannte "Anchor Points", bei denen es sich um aufwändiger designte Aufgaben handelt.
Die Tempest
Nach erfolgreicher Intervention lässt Michael Gamble seinen Trupp ausfliegen, um uns noch durch die Tempest zu führen. Entsprechend der veränderten Ausrichtung ist das neue Schiff des Protagonisten deutlich kleiner. Die Normandy war eine Kriegsfregatte mit entsprechender Bewaffnung. Die Tempest ist ein Aufklärungsschiff, das sogar auf Planeten landen kann. Jedes Mitglied der Mannschaft hat seine eigene
Quelle: Bioware
Das kleine Aufklärungsraumschiff Tempest steht unter dem Kommando des Pathfinder und dient diesem als Basis für die Erkundung. Dazu kann das Schiff auch direkt auf Planeten landen.
Geschichte und seine eigene Verbindung zum Protagonisten und zur Mission. Alle Bereiche lassen sich ohne einen Fahrstuhl erreichen. Vom Hauptdeck gehen lediglich ein paar Leitern in ein unteres Deck. Nach außen besteht das Schiff aus sehr viel Glas, was häufig einen beeindruckenden Blick auf den Weltraum bietet. An Bord kann Ryder mit der Crew sprechen oder anderen Aufgaben wie der Forschung nachgehen.
Auch im All soll das Spiel das nahtlose Gefühl einer großen Spielwelt vermitteln. In den Vorgängern fand jede Bewegung im Weltraum nur auf einer Karte statt und kurze Zwischensequenzen deuteten an, dass sich die Normandy an einem neuen Ort befindet. Für Mass Effect: Andromeda hat das Team nun erstmals den Weltraum quasi als eigenen Level entworfen. Ein Blick aus dem Fenster des Raumschiffs zeigt den aktuell umkreisten Planeten. Bei der Reise zu einem anderen Himmelskörper bewegt sich das Schiff auch wirklich durch den Raum an den neuen Standort. Allerdings wird das Spiel nicht plötzlich zu einer Weltraum-Simulation. Ihr werdet nicht die Kontrolle über das Schiff übernehmen und es frei durch das All steuern. Wie die Reise von A nach B genau funktioniert, wollten die Macher noch nicht im Detail verraten. Der neu geschaffene Raum solle jedoch dazu dienen, eine stärkere Immersion zu erzeugen.
Zu viert gegen die Galaxie
Gegen Ende unseres Studiobesuchs dürfen wir dann endlich selbst Hand anlegen. Allerdings vorerst nur an den Mehrspieler-Part. Beflügelt vom Erfolg des Multiplayers im Vorgänger, haben die Entwickler auch dem neuesten Ableger wieder einen solchen Modus spendiert. Erneut kämpfen bis zu vier Spieler auf verschiedenen Karten gegen Wellen von Gegnern und müssen dabei unterschiedliche Ziele erfüllen. Diesmal dienen diese Schlachten aber zum Glück nicht dem Aufbau eines galaktischen Bereitschaftswerts. Das Team habe zur Kenntnis genommen, dass diese Verknüpfung mit der Singleplayer-Kampagne im Vorgänger nicht gut angekommen ist. Die eigenen Leistungen sollen zwar auch wieder Auswirkungen auf den Einzelspieler-Part haben, aber nicht direkt auf den Ausgang der Story. Es gehe mehr darum, den Spieler zu belohnen. Wer den Multiplayer ignoriert, wird auch in der Kampagne nichts verpassen.
Quelle: Bioware
Dank Frostbite-Engine machen auch altbekannte Fähigkeiten wie Entzünden mächtig was her.
Für unsere ersten Gehversuche in Mass Effect: Andromeda spielen wir die gleiche Pre-Alpha-Version, die uns bereits zuvor vorgeführt wurde. Diesmal allerdings auf dem PC. So können wir uns gleich ein Bild von der Maus- und Tastatur-Steuerung machen, die allerdings noch nicht fertig gestellt ist. Das merken wir sofort, da sich viele Menüpunkte noch nicht direkt mit der Maus betätigen lassen. In der Lobby wählen wir aus den bekannten Klassen aus, die uns zunächst fast ausschließlich in ihrer menschlichen Variante zur Auswahl stehen. Weitere Rassen lassen sich wie gewohnt freischalten oder waren noch nicht in das Spiel integriert.
Wir entscheiden uns zunächst für den klassischen Soldaten, der über Granaten und die Fähigkeit "Rapid Fire" verfügt. Wir spielen eine Karte auf einem Asteroiden, die auf den ersten Blick sehr klein und kompakt wirkt. Durch die neue Vertikalität bietet die Map dennoch ausreichend taktische Optionen. Schnell machen wir auch Bekanntschaft mit dem neuen Deckungssystem. Sobald wir uns einer Wand oder einem anderen Hindernis nähern, geht unser Charakter automatisch in Deckung. Im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, da es uns mehrmals passiert, dass wir beim Sprinten unfreiwillig direkt in eine Deckung laufen. Nach kurzer Zeit geht das System aber super von der Hand.
Quelle: Bioware
Viel Arbeit steckt auch in dem Design der Helme, durch die jetzt sogar Gesichter zu sehen sind.
Obwohl wir noch auf dem niedrigsten Bronze-Schwierigkeitsgrad spielen, bekommt unsere Truppe schnell Probleme. Das liegt vor allem an der noch nicht vorhandenen Balance. Aber die Feinde versuchen auch, uns geschickt in Ecken zu treiben und nutzen erhöhte Plattformen für eigene Vorteile. Interessant ist eine Reihe von neuen Fähigkeiten, die wir hier zu sehen bekommen. So stellt ein Team-Mitglied einen halbrunden Energieschild vor sich auf, der groß genug ist, dass auch andere Spieler dahinter Schutz suchen können. Sehr praktisch. Auf ähnliche Weise sollen viele Skills eine positive Wirkung auf Mitspieler erzeugen. Damit möchten die Entwickler den Koop-Aspekt noch stärker in den Vordergrund stellen und die Spieler zur Teamarbeit ermutigen.
In einer weiteren Partie probieren wir auch noch den Infiltrator aus, der wieder vor allem auf Distanzangriffe und Heimlichkeit setzt. So kann er sich mit einer Rauchgranate und der Cloak-Fähigkeiten aus brenzligen Situationen zurückziehen. Ein wenig vermissten wir noch die Scharfschützen-Überlegenheit, die diese Klasse im Vorgänger ausgezeichnet hat. Dann testen wir schließlich noch den Ingenieur aus, der Gegner per Freeze einfrieren kann. Außerdem stellt er mächtige Geschütztürme auf, die uns fast schon zu übermächtig erschienen. Am Ende schaffen wir es in vier gespielten Partien nie über die sechste Welle hinaus. Spaß gemacht hat es trotz der noch deutlich vorhanden Bugs und Glitches aber trotzdem.
Aufbruch in die Zukunft
Ohne bekannte Bezugspunkte, wie Commander Shepard und seine Kameraden, ist Mass Effect: Andromeda ein klarer Neustart für die Serie. Dennoch hatten wir zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, ein Mass Effect zu sehen. Unzählige kleinere und größere Elemente erinnern den Spieler immer wieder daran. Seien es bekannte Rassen wie Asari, Salarianer und Kroganer, sei es das Omni-Tool an Ryders Arm oder die bekannten Sounds von Shuttles und Waffen.
Es bleiben aber auch noch viele Fragen offen. Zum Beispiel über die genaue Funktionsweise des Charaktersystems und ob sich dieses tatsächlich wieder mehr in Richtung Rollenspiel entwickelt. Auch zum Handwerk und anderen Individualisierungsmöglichkeiten haben sich die Entwickler sehr bedeckt gehalten. Gleiches gilt für die Story, aber das wird sich wohl auch bis zum Release nicht groß ändern. Schließlich gehört die Geschichte zu den Kernelementen eines Bioware-Spiels.
Bis zur geplanten Veröffentlichung im Frühjahr 2017 haben die Jungs und Mädels in Montreal auf jeden Fall noch eine Menge Arbeit vor sich. Die inhaltlichen Arbeiten sollten so gut wie abgeschlossen sein, damit das Spiel in den kommenden Monaten den nötigen Feinschliff bekommt. Allerdings haben die Entwickler bereits angedeutet, notfalls eine erneute Verschiebung in Kauf zu nehmen, wenn es der Qualität zuträglich ist. Der Zukunft der Mass Effect-Reihe steht im kommenden Jahr auf jeden Fall ein großer Schritt bevor. Ob er gelingt, steht noch in den Sternen.
