Mass Effect: Andromeda - Nexus Uprising im Buchcheck
Special
Wir haben den Roman Mass Effect: Andromeda - Nexus Uprising vor dem Release der deutschen Fassung gelesen, die am 24. April unter dem Titel "Der Aufbruch der Nexus" erscheinen wird. Die Vorgeschichte zu Mass Effect: Andromeda beleuchtet die Ereignisse auf der Nexus-Raumstation vor dem Eintreffen von Pathfinder Ryder.
Gut einen Monat nach dem Release von Mass Effect: Andromeda erscheint am 24. April 2017 mit "Der Aufbruch der Nexus" der erste von drei geplanten Romanen zum Neustart der Reihe. In der englischen Fassung unter dem Titel "Nexus Uprising" ist das Buch bereits seit einigen Wochen erhältlich. Wir haben uns den rund 470 Seiten langen Schmöcker von Jason M. Hough und K.C. Alexander entsprechend bereits zu Gemüte geführt. Doch ist das Buch auch lesenswert? Fügt es sich gut in die vom Spiel abgesteckte Rahmenhandlung ein?
Anders als bei den Romanen zur Trilogie um Commander Shepard, die nur am Rande mit den Abenteuern aus den Spielen zu tun hatten, ist Nexus Uprising eng mit den Geschehnissen von Mass Effect: Andromeda verknüpft. Der Roman spielt auf der Nexus-Raumstation nach der Ankunft in Andromeda und vor dem Eintreffen der Archen. Im Spiel erfahren wir bereits, dass sich in den 14 Monaten vor dem Eintreffen von Pathfinder Ryder einiges auf der Station ereignet hat.
Neuer Blickwinkel
Schwere Kollisionen mit der Geisel und eine Meuterei musste die Crew der Nexus überstehen. Die Hintergründe dieser Ereignisse stehen im Mittelpunkt des Romans. Dabei wird die Handlung meistens aus der Sicht von Security Director Sloane Kelly erzählt, die im Spiel als Anführer der Ausgestoßenen auf Kadara angetroffen wird. In einigen Kapiteln wechselt die Erzählperspektive allerdings auch zu anderen Figuren wie Interimsdirektor Tann, Foster Addison oder Calix Corvannis, Chef der Lebenserhaltung.
Wer das Spiel bereits kennt, hat natürlich auch bereits eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Handlung des Romans ausgehen wird. Dennoch gelingt es dem Buch, den Leser bei der Stange zu halten. Besonders das Schicksal von Sloane Kelly sorgt dabei für eine gewisse Spannung. Immerhin lernen wir in einem großen Teil des Buches einen ganz anderen Charakter kennen als im Spiel. Was ist also passiert, um aus der treuen Sicherheitschefin, die alles dafür tut die Mission zu verteidigen, eine verbitterte und knallharte Anführerin einer Meuterei und der Kolonie der Ausgestoßenen zu machen?
Über weite Strecken funktioniert die Suche nach einer Antwort auf diese Frage ganz gut, auch wenn das Buch in der Mitte ein paar Durchhänger hat. In einigen Kapiteln wird die eigentliche Handlung kaum vorangetrieben und nur Charakterbildung für einige später noch wichtige Nebenfiguren betrieben. So wichtig wie die Zeichnung bestimmter Figuren auch ist, hätte man das dennoch besser in einen Fortschritt der eigentlichen Story mit einbauen können.
Es passt nicht richtig zusammen
Darüber hinaus hat das Buch ein Kontinuitätsproblem. Innerhalb seiner eigentlichen Handlung wechselt einmal auf mysteriöse Weise der Schauplatz eines Ereignisses. Noch deutlicher werden da allerdings die Ungereimtheiten im Übergang zu Mass Effect: Andromeda. So wird dem Leser im Verlauf der Geschichte immer wieder vor Augen geführt, dass die Nexus im Grunde nur noch ein Wrack ist. Für Monate kämpft die Crew damit, die nötigsten Systeme am Laufen zu halten. Die Nahrungsversorgung über Hydroponics funktioniert nicht, und die Reserven gehen gegen Ende der Handlung zur Neige.
Quelle: PC Games
Das Schicksal von Kandros wird nicht aufgeklärt. Er taucht im Spiel dann einfach wieder auf.
Die Besatzung bewegt sich während des gesamten Buches kaum über die zentralen Bereiche der Station hinaus. Der Rest ist von den Lebenserhaltungssystemen abgeschnitten. Als man im Spiel jedoch auf der Nexus ankommt, sieht man bis auf fehlende Beleuchtung kaum Schäden. Es wachsen sogar Pflanzen, entgegen aller vorherigen fehlgeschlagenen Versuche in diese Richtung während der Roman-Story. Es wurde sogar bereits damit begonnen den zweiten Arm zu errichten. Etwas, an das die Crew im Buch keinen einzigen Gedanken verschwendet. Entweder muss in der kurzen Zeit zwischen dem Ende des Buches und der Ankunft von Ryder ein Wunder passiert sein, oder es wurde hier sehr schlampig auf den richtigen Anschluss geachtet.
Allgemein lässt die Geschichte viele Fragen offen, die mit dem Wissen aus dem Spiel automatisch entstehen. Aber eines schafft das Buch auf jeden Fall. Es wirft ein interessantes neues Licht auf einige der Charaktere von Mass Effect: Andromeda. Die Frage, wie es bei sorgsam ausgewählten Pionieren für diese heikle Mission zu einer Meuterei und der Bildung von Outlaws kommen konnte, wird sehr plausibel beantwortet. Unter dem Strich ist Nexus Uprising gerade deshalb für Fans des Universums durchaus Wert gelesen zu werden. Die Fehler sind auch lange nicht so gravierend wie seinerzeit in Mass Effect: Deception, das in weiten Teilen gar nicht zur etablierten Handlung der Vorgänger passte.
