Im Kampfgetümmel geht schon mal die Übersicht verloren.
Gibt es einen Haken?
Natürlich gibt es einen Haken - und damit ist nicht nur gemeint, dass Strategie-Puristen angesichts des Tastengehämmers die Nase rümpfen. Zuweilen verliert man nämlich auch schnell einmal den Überblick in dem dichten Gewusel. Dieser Malus ist aber vernachlässigbar, denn grundsätzlich sollte man diese direkten Auseinandersetzungen ohnehin auf ein Minimum reduzieren. Größere Chancen, die Einsätze erfolgreich abzuschließen, erlangt man durch strategisch sinnvolles Vorgehen. Schickt man beispielsweise erst einmal einen Späher aus, um die Lage zu sondieren, kann man seine Truppen besser in Position bringen. Dabei sollte man zudem auf die richtige Anordnung achten. Bogenschützen bleiben weiter zurück, die starke Kavallerie immer in Bewegung und Paladine können auch auf größere Distanz ihre magische Unterstützung liefern. Wer angesichts dieser Regeln gleich den Kopf in den Sand stecken möchte, kann erleichtert aufatmen: Die komplette erste Kampagne ist quasi ein extrem umfangreiches Tutorial. Nach und nach lernt man neue Einheiten kennen, bekommt vom Spiel sinnvolle Strategien vorgeschlagen und wird so sanft auf die drei folgenden Kampagnen vorbereitet. Dann sind die Entscheidungen dem Spieler überlassen. Der Spieler muss dann nicht nur die Handlungen der Einheiten selbst ausknobeln, sondern die Einheiten auch betreuen. Zwischen den Missionen stehen dazu in Camps umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung. In den Baracken verteilt man Erfahrungspunkte auf seine Kommandanten, kauft neue Waffen und Rüstungen und bildet gar komplett neue Einheiten (siehe Infokasten). Auch hier wurde auf eine sanfte Lernkurve und genügend Übersicht geachtet. Wenn man sich bereit für den nächsten Einsatz fühlt, sucht man sich auf einer Oberweltkarte den nächsten Zielort aus und rückt aus. Direkt vor der Schlacht legt man dann fest, welche Einheiten man mitnehmen möchte, und bekommt den Lageplan erklärt.
Live dabei!
Man muss nicht einmal Fan von Fantasyszenarien sein, um Gefallen an den opulenten Schlachten zu finden. Die Umgebungen sehen stimmungsvoll aus und jede Kampfszene ist ein absoluter Genuss. Zwar ist es grundsätzlich auch möglich, alle Befehle direkt in der Spielgrafik zu erteilen, in der Praxis kommt man aber aus Übersichtsgründen nicht um die 2D-Karte herum. Das ist eigentlich schade, denn von den effektreichen Meteorregen, Donnerstürmen oder Heilzaubern bekommt man so meist recht wenig mit. Weiter entfernt stehende Gegner versinken in einer Nebelsuppe und nur weil man gerne schnucklige Effekte sehen möchte, sollte man ja nun wirklich nicht gleich seine besten Leute an die vorderste Front schicken und opfern. Noch ärgerlicher ist die etwas träge Steuerung auf der Übersichtskarte. Ein automatischer Zoom verwirrt schon mal und gelegentlich klickt man nicht dorthin, wo man hin wollte, oder benötigt kostbare Zeit für diesen Vorgang. Sei's drum, selbst mit diesen kleinen Macken entfaltet Kingdom under Fire schnell Suchtpotenzial. Die Einsätze dauern zwischen 20 Minuten und einer Stunde und nicht selten stellt man mitten in der Nacht fest, dass man die letzte Mission vielleicht doch nicht mehr hätte anfangen sollen. Selbst Strategiemuffel sollten einen Blick riskieren und Fans von Fantasyszenarien müssen einfach zuschlagen. So authentisch und mitreißend wurden Massenschlachten dieses Kalibers noch nie zuvor umgesetzt. Das Sahnehäubchen ist der Xbox-Live-Modus, den wir leider noch nicht ausgiebig unter die Lupe nehmen konnten. Hier treten bis zu vier Spieler gegeneinander an und greifen dabei auf ihre im Solo-Spiel erstellten Truppen zurück. Auch die deutsch lokalisierte Version kam zu spät bei uns an, weswegen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe genauere Informationen über den Online-Modus und die deutsche Sprachausgabe bieten werden.
