Kingdom Hearts HD 2.8: Final Chapter Prologue - spielerisch gelungene, aber relativ inhaltsarme HD-Sammlung

Test Lukas Schmid
Kingdom Hearts HD 2.8: Final Chapter Prologue - spielerisch gelungene, aber relativ inhaltsarme HD-Sammlung
Quelle: Square Enix

Kingdom Hearts HD 2.8: Final Chapter Prologue im Test: Ab geht's in die nächste Kingdom-Hearts-Remaster-Runde - diesmal mit vergleichsweise wenig Inhalt, aber dafür einem echten Schmankerl im schmucken HD-Paket. In unserem Review zur HD-Sammlung klären wir, ob die drei Inhalte Dream Drop Distance, A Fragmentary Passage und Kingdom Hearts X: Back Cover ihr Geld wert sind.

Kinder, wie die Zeit vergeht! Bereits satte fünfzehn Jahre ist es her, dass Kingdom Hearts erschien und damit die damals völlig abstrus wirkende, schlussendlich aber enorm erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Disneys Animationsfilm-Abteilung und Square Enix' Spiele-Welten ins Leben rief.

Was als zutiefst japanische, aber relativ simple Erzählung begann, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre durch eine inzwischen riesige Menge an größeren und kleineren Spin-offs, Nebengeschichten und Ausflügen in andere Mediengattungen zu einer fast unüberschaubaren Saga mit zig ineinander verwobenen Handlungssträngen. Dumm nur, dass diese Neben-Abenteuer über zahlreiche Plattformen verteilt veröffentlicht wurden, sodass es nur den wenigsten Spielern möglich war, die teils massiv handlungsrelevanten Spiele alle zu erleben. Mit den HD-Remasters, welche Square Enix für PS3 und PS4 veröffentlicht hat respektive veröffentlichen wird, wird diesem Umstand Rechnung getragen. Nach zwei vollgepackten Spiele-Paketen geht der Sammlungs-Wahn nun in die dritte Runde - und es ist ersichtlich, dass den Machern nun langsam, aber sicher doch einmal die Inhalte ausgehen. Neben dem vollwertigen Dream Drop Distance - erschienen für 3DS - haben es nur noch die auf der Technik und dem Gameplay des kommenden dritten Teils der Reihe basierende Quasi-Demo Kingdom Hearts 0.2: A Fragmentary Passage sowie der Animationsfilm Kingdom Hearts X: Back Cover in die Collection geschafft. Im Test stellen wir diese Einzel-Elemente der Sammlung gesondert vor. Die schicke Wertung, welche wir am Ende vergeben, ist hingegen als kumulierte Benotung des Gesamtpaketes zu verstehen. Meine Güte, was sind wir doch aus­gefuchst!

Kingdom Hearts: Dream Drop Distance

Zwar verschlägt es uns oft in bekannte Gebiete wie die Stadt Traverse, aber auch in hübsche neue Gebiete wie das Paradies der bösen Buben aus Pinocchio. Quelle: PC Games Zwar verschlägt es uns oft in bekannte Gebiete wie die Stadt Traverse, aber auch in hübsche neue Gebiete wie das Paradies der bösen Buben aus Pinocchio. Kingdom Hearts: Dream Drop Distance hat eine Geschichte - wir werden uns aber hüten, zu versuchen, sie an dieser Stelle zu erörtern; weniger, weil wir nicht spoilern wollen, sondern weil wir angesichts von zig Versionen derselben Personen, Schlüsselschwert-Kriegen und allerlei konfusem japanischem Herzschmerz ohnehin schon seit Jahren den Überblick über die Kingdom Hearts-Handlung verloren haben. Auf jeden Fall finden sich Primär-Protagonist Sora und sein bester Freund/Teilzeit-Rivale Riku zu Beginn des Spiels unter den Fittichen des Magiers Yen Sid - bekannt aus Der Zauberlehrling - wieder. Ihre Aufgabe: In verschiedene Disney-Welten abtauchen und dort verborgene Schlüssellöcher finden. Auf dem Weg lösen wir simple Rätsel, kloppen uns aber primär mit Unmengen an Feinden - diesmal nicht mehr primär Niemande oder Herzlose, sondern Albträume -, sammeln versteckte Gegenstände, grinden fröhlich und besiegen am Ende meist einen toll gestalteten Obermotz.

Heldlein, wechsle dich

Lange Boss-Duelle gegen riesige Endgegner - in diesem Fall gegen die neue Feindsorte Traumfänger - stehen auch in Dream Drop Distance auf dem Programm. Quelle: PC Games Lange Boss-Duelle gegen riesige Endgegner - in diesem Fall gegen die neue Feindsorte Traumfänger - stehen auch in Dream Drop Distance auf dem Programm. So weit, so bekannt. Neu hingegen ist, dass wir ständig zwischen Sora und Riku wechseln, jedoch nicht nach Lust und Laune, sondern automatisch nach einer gewissen Zeit. Die beiden Helden träumen ihre Abenteuer nämlich nur und erwachen nach einiger Zeit, weil - ach, lassen wir das. Prinzipiell eine nette Idee, aber der dauernde Wechsel geht einem schnell auf die Nerven, da er mit Pech auch in spannenden Momenten passieren kann und uns oft aus der Atmosphäre reißt. Zudem erleben die beiden Protagonisten nicht gänzlich unterschiedliche Abenteuer, sondern bewegen sich sehr oft durch dieselben Gebiete und treten sogar teilweise gegen nur geringfügig unterschiedliche Bosse an - eine ziemlich billige Art, die Spielzeit zu strecken! Zudem wäre die Spielzeit auch ohne diesen Trick mehr als akzeptabel, weshalb dieses nervige Quasi-Backtracking umso unverständlicher erscheint. Angesichts des Überflusses an ähnlichen Systemen in allerlei Spielen der letzten Jahre Geschmacksache, aber nichtsdestoweniger gut umgesetzt ist ein Aufzucht- und Sammel-System à la Pokémon oder Ni No Kuni. Aus Ressourcen stellen wir Monster her, die uns, ähnlich wie Donald und Goofy in den Hauptteilen, in den Kämpfen zur Seite stehen. Das funktioniert, allerdings können die zugegebenermaßen putzigen Monsterchen das Fehlen echter Begleiter nicht ganz aufwiegen: Zu oft fühlt man sich in den toll gestalteten Disney-Welten recht alleine. Außerdem stößt die zwar gut verbesserte, aber dennoch stark veraltete Techik des kunterbunten Abenteuers etwas sauer auf.

Frei wie ein Fluss

Seit Kingdom Hearts 2 erwarten uns nicht nur Ausflüge in Animations-Streifen, sondern auch in Realfilm-Universen wie jenes von von Tron: Legacy. Quelle: PC Games Seit Kingdom Hearts 2 erwarten uns nicht nur Ausflüge in Animations-Streifen, sondern auch in Realfilm-Universen wie jenes von von Tron: Legacy. Richtig, richtig toll ist hingegen das neue Bewegungssystem namens Freier Fluss. Dieses erlaubt es, bei Kontakt mit Wänden, Gegenständen oder auch Feinden in einen speziellen Modus überzugehen, in dem wir wild durch die Luft sausen, spezielle Angriffe und mehr ausführen können. Es braucht eine Weile, bis man das Prinzip dahinter verstanden hat. Hat man es jedoch erst einmal intus, so erlaubt einem der Freie Fluss, quasi unbeschränkt durch die Lüfte zu sausen und damit auch die höchstgelegenen und verstecktesten Winkel der verschiedenen Welten zu erforschen. Eine echt coole Idee, die dankenswerterweise in ähnlicher Form auch in Kingdom Hearts 3 zum Einsatz kommen soll!

Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep - A Fragmentary Passage

Die japanischen Entwickler haben verstanden, worum es bei Frauen in Spielen geht: knappe Röcke und Accessoires zum Verschönern. Seufz. Quelle: PC Games Die japanischen Entwickler haben verstanden, worum es bei Frauen in Spielen geht: knappe Röcke und Accessoires zum Verschönern. Seufz. Was können Frauen am besten? Richtig, sich schminken - beziehungsweise sich herausputzen! Gemäß dieser sexistischen Weisheit aus der Vorhölle der Altherrenwitze erlaubt es uns das erste Kingdom Hearts-Abenteuer mit ausschließlich weiblicher Protagonistin, Aqua, sie frei von statusverändernden Effekten durch freischaltbare Röcke, Maschen und andere Accessoires zu verschönern. Weil: Japan. Aber sieht man über diesen Fremdschäm-Faktor einmal hinweg, erlaubt uns das knapp dreistündige Abenteuer einen interessanten Einblick, wo ungefähr die Reise der Kingdom Hearts-Serie mit dem dritten Teil hingehen soll. Die Entwickler haben nämlich bereits bestätigt, dass A Fragmentary Passage eine Art Vorgeschmack auf das kommende Abenteuer darstellt.

Kingdom Hearts light

Grafisch überzeugt das Mini-Spiel wirklich ungemein, wirkt sehr stimmig und ist künstlerisch in manchen Momenten eine wahre Augenweide. Quelle: PC Games Grafisch überzeugt das Mini-Spiel wirklich ungemein, wirkt sehr stimmig und ist künstlerisch in manchen Momenten eine wahre Augenweide. Technisch entpuppt sich das Mini-Abenteuer dank Unreal Engine 4 als Leckerbissen. Texturen sind knackig-scharf, die Effekte sehr gelungen und der eigentlich simple Stil der Serie verträgt sich wunderbar mit der neuen Hochglanz-Optik. Vor allem aber ist es die künstlerische Umsetzung der düster-melancholischen Welten, die uns beim Testen begeisterte. Spielerisch hingegen bleibt vieles beim Alten: Wir rennen anstatt durch weitläufige Gebiete primär durch lineare Abschnitte und verkloppen reihenweise Niemande. Nur selten wird das Prügel-Einerlei durch nette kleine Rätsel oder nicht so nette kleine Sammelaufgaben unterbrochen. Neue Fähigkeiten beschränken sich auf solche, die wir an vorgegebenen Punkten im Spiel erhalten. Immerhin gibt es in den Kämpfen selbst einige coole Elemente, die sich stark am Gameplay des (dank Kingdom Hearts HD 2.5 auch für PS3 und bald für PS4 erhältlichen) PSP-Abenteuers Birth by Sleep orientieren. Neben Schlüsselschwert-Angriffen und Magie-Attacken können wir etwa, wenn eine entsprechende Leiste gefüllt ist, bis zu 28 Feinde auf einmal anvisieren, per Druck auf den Dreieck-Knopf diverse Spezialattacken auslösen, die dadurch bestimmt werden, welche Aktion wir zuvor ausgeführt haben, und andere mächtige Kampf-Aktionen vollführen. Vor allem dadurch, dass wir diesmal oft gegen deutlich größere Gegnertruppen als in den bisherigen Spielen in die Schlacht ziehen, sehen diese Manöver richtig, richtig beeindruckend aus. Zusätzlich verfügt Aqua über nützliche Bewegungs-Möglichkeiten, die ihr auch außerhalb der Gefechte zugute kommen. So kann sie einen Doppelsprung ausführen, kurzzeitg durch die Luft sausen und mehr.

Ein kurzer Spaß

Meist rennen wir in den knapp drei Stunden Spielzeit durch lineare Gänge. Ab und an erwarten uns aber richtig coole Momente wie dieses Spiegel-Rätsel. Quelle: PC Games Meist rennen wir in den knapp drei Stunden Spielzeit durch lineare Gänge. Ab und an erwarten uns aber richtig coole Momente wie dieses Spiegel-Rätsel. Das Freier-Fall-System aus Dream Drop Distance hat es leider nicht ins Spiel geschafft, wäre angesichts des geringen Umfanges samt kleiner Gebiete aber wohl ohnehin redundant gewesen. Was man A Fragmentary Passage anmerkt, ist, dass es große Ambitionen hat, die in seinem engen Korsett aber nur bedingt aufgehen. Die Möglichkeit, immer wieder von vorne loszulegen, den Erfahrungslevel weiter nach oben zu treiben und neue Accessoires freizuschalten, ist zwar da, allerdings hält sich der Sinn davon in Grenzen. Schlussendlich ist der Spielspaß-Happen genau das: ein Appetitanreger, aber nichts, womit man sich lange die Zeit vertreiben kann - trotz einer wirklich sehr schönen Überraschung gegen Ende des Kurztrips.

Kingdom Hearts X: Back Cover

Die CGI-Qualität des Films ist nicht katastrophal, aber auch weit von der technischen Brillanz eines Kingsglaive - oder auch der meisten Kingdom Hearts-Zwischensequenzen - entfernt. Quelle: Square Enix Die CGI-Qualität des Films ist nicht katastrophal, aber auch weit von der technischen Brillanz eines Kingsglaive - oder auch der meisten Kingdom Hearts-Zwischensequenzen - entfernt. Kingsglaive: Final Fantasy XV, das letzte abendfüllende CGI-Filmabenteuer aus Square Enix' heiligen Hallen, sah grandios aus, war inhaltlich aber fast schon unbeschreiblich schlecht. Dieses Schicksal ereilt Kingdom Hearts X: Back Cover zum Glück nicht - gut ist er aber auch keineswegs, der in der HD-Col­lection enthaltene Film, der sich mit der Vorgeschichte des Browser- und Mobile-Spiels Kingdom Hearts X beschäftigt. Angesiedelt vor dem sogenannten Schlüsselschwert-Krieg - der in der Kingdom Hearts-Historie seinerseits bereits Jahrhunderte vor den Ereignissen der Spiele stattfindet -, erleben wir hier mit, wie es überhaupt zu der verheerenden Auseinandersetzung gekommen ist. Im Mittelpunkt stehen hierbei die maskierten Schlüsselschwertträger Ira, Invi, Aced, Ava, Gula und Luxu, die viel verschwörerisches Zeug plaudern, ab und an, aber viel zu selten, die Schwerter schwingen und die meiste Zeit herumspazieren und genauso wenig Ahnung haben wie wir, was gerade passiert und warum man sich dafür interessieren sollte.

Zugegeben: Im Vergleich zu Kings­glaive behält man, auch wenn man die Story-Hintergründe nicht versteht, über die Ereignisse an sich meist den Überblick und die vier Spieler, welche die durchgehende Kingdom Hearts-Handlung nach wie vor mitverfolgen, dürften das alles sogar ganz spannend finden. Wenig berauschend dürften aber auch diese Fans die durchschnittliche CGI-Qualität finden. Zudem besteht keine Möglichkeit, frei vor- und zurückzuspulen, wodurch es sehr unkomfortabel ist, wenn man eine verpasste Szene rasch noch einmal anschauen möchte. Mit knapp einer Stunde Laufzeit fällt der Spaß zudem recht kurz aus.

Meinung

Wertung zu Kingdom Hearts 2.8 HD Remix (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Cooler Einblick in Kingdom Hearts 3Dream Drop Distance mit netten Spiel-IdeenTolle Technik in A Fragmentary PassageGut verbesserte Grafik in Dream Drop Distance
Viel Backtracking in Dream Drop DistanceA Fragmentary Passage recht anspruchslosMäßig Interessanter CGI-FilmVergleichsweise wenig Umfang
Fazit

Gute Sammlung, aber schmaler bestückt als die HD-Vorgänger.

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk