Jump Force: Unite to Fight im Test: Kann das Beat em Up mit der Konkurrenz mithalten?

Test Giordano Braun
Jump Force: Unite to Fight im Test: Kann das Beat em Up mit der Konkurrenz mithalten?
Quelle: Bandai Namco

Zum Jubiläum des Jump-Manga-Universums treffen in Jump Force beliebte Shonen-Charaktere aufeinander, um die Welt zu retten. Das Beat 'em Up erscheint für PS4, PC sowie Xbox One und lockt mit einer Unmenge an spielbaren Charakteren. Wir klären im Test, ob sich dieses epische Ereignis auch tatsächlich für Fans lohnt.

Beat 'em Ups im Stile von oder mit Bezug auf einen Anime respektive Manga gibt es wie Sand am Meer. Nur wenige können jedoch auf voller Linie überzeugen. Umso gespannter waren Shonen-Fans daher, als der Nachfolger zu J-Stars Victory Vs auf der E3 angekündigt wurde. Das Spiel versprach ein episches Aufeinandertreffen beliebter Charaktere. Doch - wie es sich nun zeigt - fehlt es dem Prügelspiel leider an allen Ecken und Enden.

Auch Light Yagami und Ryuk sind im Story-Modus mit von der Partie. Welche Ziele verfolgen sie? Quelle: PC Games Auch Light Yagami und Ryuk sind im Story-Modus mit von der Partie. Welche Ziele verfolgen sie?

Klischeehafte Story

Die Handlung beginnt, als der Schurke Freeza aus dem Dragon Ball-Universum in das Unsrige gelangt und unseren zukünftigen Spielercharakter mit einer seiner Attacken trifft. Glücklicherweise werden wir aber durch einen sogenannten Umbra-­Kubus wiederbelebt. Durch diesen Vorgang werden unserer Figur jedoch übermenschliche Fähigkeiten verliehen, mit welchen wir fortan der titelgebenden Jump Force zur Seite stehen, um die Welt vor allerhand Bösewichten zu beschützen.

Diese Ausgangssituation bietet mehr als genügend Möglichkeiten, um eine spaßige Geschichte voller Fanservice zu erzählen. Allerdings greift Jump Force so weit in die Klischee-Kiste, dass man letztlich nach jeder Cutscene und Dialogzeile nur noch kopfschüttelnd vor dem Bildschirm sitzt. Zwar lässt sich darüber streiten, ob die Story eines Kampfspiels unterm Strich überhaupt von Belang ist. Doch legt Jump Force mit gut zehn bis zwölf Stunden Kampagne einen großen Fokus auf selbige, die durch ständiges Hin-und-her-Gerenne im Hub nochmals in die Länge gestreckt wird. Konkurrenten wie etwa die Injustice-Reihe haben bereits gezeigt, wie man in diesem Bereich glänzen kann.

Viele Figuren, wenig Persönlichkeit

Natürlich ist jedes Beat 'em Up nur so stark wie sein Roster an Kämpfern. Jump Force kann in diesem Punkt mit wenigen Ausnahmen überzeugen. 40 Charaktere stehen dem Spieler insgesamt zur Auswahl. Die Möglichkeiten reichen von Klassikern wie Goku oder Aizen aus Bleach und Freeza aus Dragon Ball – eine furchterregende Allianz. Doch wird von diesem Potenzial in der Story keinerlei Gebrauch gemacht. Quelle: PC Games Aizen aus Bleach und Freeza aus Dragon Ball – eine furchterregende Allianz. Doch wird von diesem Potenzial in der Story keinerlei Gebrauch gemacht. Vegeta aus Dragon Ball über Naruto oder Gaara aus Naruto bis hin zu Figuren wie Izuku Midoriya aus My Hero Academia. Auch wurden zwei ganz neue Recken von Akira Toriyama, dem Künstler hinter dem Dragon Ball-Manga, für das Spiel erschaffen. Einzig die Menge an weiblichen Charakteren lässt zu wünschen übrig. Trotz der enormen Auswahl an potenziellen Kämpferinnen finden nur drei Stück Einzug. Da Bandai Namco aber bereits DLCs mit zusätzlichen Kämpfern angekündigt hat, könnte diese Lücke womöglich zukünftig geschlossen werden. Weitaus enttäuschender ist indes, wie wenig Persönlichkeit die ganzen Figuren im Spiel aufweisen. Bei solch schillernden Charakteren sollte man erwarten, dass ihr Aufeinandertreffen im Story-Modus zu einigen interessanten Szenen führt. Jedoch ist auch dies eher eine Seltenheit. Das Ganze gilt für die selbsterstellte Figur gleich doppelt. Diese bleibt nämlich im Gegensatz zu den anderen Figuren, die mit ihren originalen japanischen Sprechern aufwarten, völlig stumm und wirkt daher nur wie ein unbeteiligter Beobachter.

Einsteigerfreundlicher Anspruch

Das Herz eines jedes Beat 'em Ups ist das Kampfsystem und im Fall von Jump Force ist dies sehr schlicht gestaltet - fast schon zu schlicht. Es gibt leichte und schwere Angriffe, die in Kombination mit den jeweiligen Spezialfertigkeiten einer Figur ausgeführt werden können. Der Fokus im Kampf liegt allerdings auf gekonntem Parieren sowie Ausweichen. Das führt bei gutem Timing zu einem interessanten Wechselspiel zwischen den Kontrahenten. Schließlich gibt es noch die Erwachensanzeige, die einen bei Aufladung eine mächtige Attacke ausführen lässt und manchmal sogar zu einer Änderung des Aussehens führt. All dies ist meist episch in Szene gesetzt und kommt mit einem bildschirmfüllenden Spektakel aus Licht sowie Partikeleffekten daher. Gekämpft wird in 3-vs-3-Teams, wobei sich alle Teammitglieder einen Gesundheitsbalken teilen und zwischen anderen Mitgliedern des Teams oder deren kurzzeitigem Support gewechselt werden kann.

Das Kampfsystem ist äußerst einsteigerfreundlich gestaltet, dürfte dadurch aber für eingefleischte Veteranen zu simpel sein, da es keine lernbaren Kombo-Varianten oder dergleichen gibt. Beim Meistern des Kampfs spielt das Konter-System, welches gutes Timing belohnt, die wichtigste Rolle. In der jetzigen Version des Spiels ist das Blocken jedoch viel zu übermächtig, sodass selbst die stärksten Fähigkeiten fast restlos geblockt werden können. Weiteren spielerischen Tiefgang erhält man nur durch Spielen mit dem eigenen Spielercharakter, da dieser nicht auf bestimmte Spezialattacken limitiert ist und jene durch neu erworbene austauschen kann. Dazu kommt noch die Möglichkeit, diese Angriffe mit Modulationen auszustatten, welche etwa die Angriffskraft erhöhen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, einzelne Perks auszuwählen, die man erhält, wenn man mit bestimmten Charakteren im Team spielt. Naruto beschwört Kurama und vernichtet damit seinen Gegner. Solche mächtigen Attacken sind immer wieder schön anzusehen. Quelle: PC Games Naruto beschwört Kurama und vernichtet damit seinen Gegner. Solche mächtigen Attacken sind immer wieder schön anzusehen. Jotaro Kujo und sein Stand – Star Platinum – machen sich zum Angriff bereit. Neben Dio ist er leider bislang der einzige Charakter aus Jojo’s Bizarre Adventure. Quelle: PC Games Jotaro Kujo und sein Stand – Star Platinum – machen sich zum Angriff bereit. Neben Dio ist er leider bislang der einzige Charakter aus Jojo’s Bizarre Adventure.

Viel Laden, nichts dahinter

Anstatt wie ein spielbarer Anime zu wirken, wählt Jump Force einen anderen Weg und verfrachtet uns in ein realistisches Szenario. Die Figuren wirken weniger wie direkt der Vorlage entsprungen, sondern wie Actionfiguren oder CGI-Charaktere aus einer schlechten Anime-Realverfilmung. Ihre Bewegungen muten steif an und Augen sowie Mund sind so ausdrucksstark wie ein Aufkleber. Einzig die Kämpfe sehen derweilen meist sehr schick aus und werden ihrer Vorlage gerecht. Wünschenswert wären allerdings mehr einzigartige Attacken wie jene von Naruto sowie eine größere Auswahl an Stages aus den jeweiligen Franchises gewesen. Sehr nervig sind die ellenlangen Ladezeiten, die das Spiel einem jedes Mal entgegenwirft, sobald irgendetwas passiert. Auch konnten wir während unserer Spielzeit auf der PS4 einige Lags und Glitches beobachten, wenn mal zu viel auf dem Bildschirm los war. Wir hoffen auf Patches in der Zukunft.

Koop und Online

Wenngleich keine wirkliche Langzeitmotivation besteht, machen Matches im lokalen Koop oder online gegen andere Spieler Spaß. Doch gestaltet sich das Match­making zu kompliziert, was durch die langen Ladezeiten nicht verbessert wird. Im Koop sorgt außerdem die sonst recht gute Kamera dafür, dass einer der Kämpfer manchmal kurzzeitig aus dem Sichtbereich des Spielers verschwindet. Ein großes Manko stellt zudem die fehlende Möglichkeit dar, Teams farbig zu kodieren. Wenn sich gleiche Charaktere auf dem Kampffeld befinden, werden diese nicht unterschieden, was bei dem hektischen Treiben sowie den ständigen Effektgewittern dazu führt, dass man die Übersicht verliert.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Jump Force: Unite to Fight (PC)

Wertung:

5.0 /10

Wertung zu Jump Force: Unite to Fight (PS4)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
Große Auswahl an CharakterenKampfsystem leicht zu erlernenSchicke Effekte bei AttackenOriginale japanische Synchronsprecher
Lange LadezeitenWenig ikonische StagesSchlechter Story-ModusKampfsystem mit wenig TiefePerformance-ProblemeCharaktermodelle wirken altbackenCharaktere haben keine PersönlichkeitNutzloser HubKein Dub
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk