Jet Force Gemini: Darum macht der Action-Titel auch heute noch Spaß - unser Retro-Special

Special Johannes Gehrling
Jet Force Gemini: Darum macht der Action-Titel auch heute noch Spaß - unser Retro-Special
Quelle: PC Games

Retro-Special zu Jet Force Gemini: Während Kino-Fans 1999 die Rückkehr von Star Wars auf die große Leinwand bewunderten, befreiten Nintendo-Zocker die Galaxie von bösartigen Insekten-Aliens. Kommt mit uns auf eine Zeitreise in die späten 1990er-Jahre und erfahrt in unserem Retro-Special, warum ihr Jet Force Gemini auch heute noch unbedingt spielen solltet.

Das Jahr 1999 dürfte vielen Science-Fiction-Fans wohl bis heute im Kopf geblieben sein. Erinnert ihr euch? 1999 war das Jahr, in dem George Lucas das Star Wars-Franchise mit dem Start der Prequel-Trilogie neu auflegte . Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung war vor knapp 20 Jahren in aller Munde und beförderte Science-Fiction ein weiteres Mal aus der dunklen Nerd-Ecke in die breite Öffentlichkeit.

Heutzutage sind wir da ohnehin etwas weiter, denn regelmäßig wird das Kinoprogramm geradezu von Science-Fiction-Titeln dominiert. Nach zehn Jahren Pause von 2005 bis 2015 wurde die Star Wars-Serie sogar ein weiteres Mal wiederbelebt, diesmal mit der Sequel-Trilogie, der nächste Teil erwartet uns schon 2019. 1999 erschien aber auch in der sonst meist kunterbunten und recht fröhlichen Nintendo-Welt ein Science-­Fiction-Spiel, das geradezu ungewöhnlich düster und dystopisch daherkam.

Science-Fiction-Manie

Zufall oder waren Ende der 1990er-Jahre auf einmal alle ganz scharf auf Science-Fiction? Wie dem auch sei, die Rede ist von Jet Force Gemini aus dem legendären britischen Hause Rare, welches besonders in den 90ern zahlreiche Hit-Titel für Nintendo-Konsolen produzierte. Ältere Semester werden den Titel vermutlich kennen, sollten jetzt aber ebenso weiterlesen wie der junge Teil unserer Leserschaft, der damals vielleicht noch nicht einmal geboren war. Denn Jet Force Gemini, das grafisch nicht ganz unbeschadet gealtert ist, ist ein wunderbares Weltraum-Spiel, das nicht nur die Herzen von SciFi-Freunden höher schlagen lässt.

Alle drei spielbaren Figuren Juno, Vela und Lupus besitzen besondere Fähigkeiten. Vela kann beispielsweise unbegrenzt unter Wasser tauchen. Quelle: PC Games Alle drei spielbaren Figuren Juno, Vela und Lupus besitzen besondere Fähigkeiten. Vela kann beispielsweise unbegrenzt unter Wasser tauchen. Ihr übernehmt in Jet Force Gemini die Kontrolle über das gleichnamige Weltraum-Team aus Juno, Vela und Lupus. Mit allen drei erfüllt ihr unterschiedliche Missionen in verschiedenen Bereichen, dabei befreit ihr nach und nach die gefangen genommenen Mitglieder des Tribal-Stamms, tötet die insektenartigen Kämpfer Mizars und sammelt neue, stetig bessere Ausrüstung wie beispielsweise besonders starke Waffen oder weitere Energie-Einheiten. Das Spiel findet auf verschiedenen fremden Planeten statt und ist von der Thematik her ein echtes Fest für Science-Fiction-Fans. Futuristische Waffen, gigantische Raumschiffe, Aliens: All das bekommt ihr in diesem Rare-Klassiker geboten. Gleich hier sollte aber erwähnt werden: Jet Force Gemini ist richtig, richtig, richtig anspruchsvoll und verlangt euch nahezu alles ab. Doch zunächst einmal zur Geschichte.

In einer weit entfernten Galaxie

Im Mehrspieler-Modus geht’s für maximal zwei Spieler kooperativ oder für maximal vier Spieler im brutalen Deathmatch oder Rennen ordentlich zur Sache. Quelle: PC Games Im Mehrspieler-Modus geht’s für maximal zwei Spieler kooperativ oder für maximal vier Spieler im brutalen Deathmatch oder Rennen ordentlich zur Sache. In einem nicht näher benannten Teil der Galaxie erobert der mächtige und extrem bösartige Unterdrücker Mizar Planet für Planet, ein interstellarer Krieg scheint geradezu unausweichlich. Die Protagonisten des Spiels - das Jet-Force-Gemini-Team, bestehend aus den Zwillingsgeschwistern Juno und Vela sowie ihrem Hund Lupus - bemerken auf einer ihrer Patrouillen das mittlerweile stark fortgeschrittene Ausmaß der Zerstörung. Sie eilen ihren befreundeten Völkern daher schnell zur Hilfe; diese werden von gigantischen Horden insektenartiger Aliens, die von Mizar ausgesandt wurden, in Gefangenschaft genommen.

Juno, Vela und Lupus teilen sich sodann auf, um jeweils ihre eigenen Missionen zu erfüllen, immer mit dem Ziel, die Mitglieder des Tribals genannten Volkes zu befreien. Das übergeordnete Ziel all ihrer Missionen sind die Eroberung der Festung Mizars und die Bezwingung des bösartigen Weltraum-Tyrannen. Als es schließlich zu diesem Kampf kommt, kann Mizar jedoch aus seiner Festung auf einen Asteroiden flüchten, den er auf Kollisionskurs mit der Erde bringt, woher auch Juno und Vela stammen.

Munitionsboxen füllen, wie der Name schon erahnen lässt, eure Munition wieder auf. Spezielle Munitionsboxen erweitern die Magazine der Waffen. Quelle: PC Games Munitionsboxen füllen, wie der Name schon erahnen lässt, eure Munition wieder auf. Spezielle Munitionsboxen erweitern die Magazine der Waffen. Zum Glück des Jet-Force-Gemini-Teams bedanken sich die Tribals für ihre Rettung gerade noch rechtzeitig, indem sie den Protagonisten ein besonders schnelles Raumschiff zur Verfügung stellen, mit dem sie Mizar einholen können. Was danach in Jet Force Gemini passiert? Was das Jet-Force-Gemini-Team mit dem Raumschiff anstellt? Das findet ihr am besten selbst heraus. Nur so viel: Der Rare-Klassiker verlangt euch bis zum Ende einiges an spielerischem Können ab und überrascht stellenweise immer noch Mal aufs Neue.

Rettet alle Tribals!

Die Spielwelten in Jet Force Gemini sind abwechslungsreich, strahlen aber immer die gleiche Atmosphäre einer dystopischen und kargen Zukunft aus. Quelle: PC Games Die Spielwelten in Jet Force Gemini sind abwechslungsreich, strahlen aber immer die gleiche Atmosphäre einer dystopischen und kargen Zukunft aus. Das ganze Spiel betrachtet ihr grundsätzlich durch die dritte Person, entweder mit etwas räumlichem Abstand oder im alternativen Steuerungs-Modus auch aus einer Perspektive direkt hinter der Figur. Egal, ob ihr Juno, Vela oder Lupus spielt, ihr könnt stets die gleichen Aktionen ausführen: ­laufen, seitlich laufen, springen, knien, hinlegen, schießen. Jede der Figuren besitzt zusätzlich eine ihr eigene besondere Fähigkeit. Juno kann ohne Schaden zu nehmen durch Magma laufen, Vela kann für unbegrenzte Zeit unter Wasser tauchen und Lupus ist in der Lage, nach einem Sprung für kurze Zeit zu schweben. Dadurch können bestimmte Gebiete im Spiel nur von einer der drei Figuren erreicht werden.

Im Mehrspieler-Modus habt ihr die Auswahl zwischen zwei Arten von Rennen. In der Draufsicht oder, wie hier, in einer für Rennspiele klassischen Ansicht in 3D. Quelle: PC Games Im Mehrspieler-Modus habt ihr die Auswahl zwischen zwei Arten von Rennen. In der Draufsicht oder, wie hier, in einer für Rennspiele klassischen Ansicht in 3D. Zu Spielbeginn steht euch lediglich Juno zur Verfügung, wobei ihr Vela und Lupus durch voranschreitenden Spielfortschritt relativ schnell freischaltet. Jede Figur startet auf einem anderen Planeten und muss zu einer Flugkapsel am Levelende gelangen, die sie zum nächsten Planeten bringt. Auf dem Weg dorthin evakuiert ihr die Tribals. Doch Vorsicht: Die niedlichen Stammes-Mitglieder sind ebenso verwundbar wie ihr selbst und können daher im Gefecht zu Tode kommen; gelegentlich schrecken auch Mizars böse Insekten-Horden nicht davor zurück, Tribals zu töten. Am Anfang habt ihr mit jeder Figur lediglich eine Pistole mit stark begrenzter Munition zur Verfügung, mit der Zeit sammelt ihr aber weitere Waffen und erweitert deren Magazine mit bestimmten Munitionsboxen. Am Ende des jeweils dritten Planeten müsst ihr mit jeder Figur einen Bosskampf absolvieren.

Nachdem ihr den Obermotz des Spiels, Mizar, erstmals erledigt habt, bekommt ihr für alle drei Figuren einen Raketenrucksack, mit dem ihr zuvor unzugängliche Level-Gebiete erreichen könnt. Voraussetzung dafür ist, dass ihr direkt im Level eine passende Ladestation findet. Außerdem könnt ihr nach dem ersten Bosskampf auch erstmals mit allen drei Figuren beliebige Planeten und Levels besuchen und seid bei der Auswahl nicht mehr wie zuvor festgelegt. An diesem Punkt ist es eure Aufgabe, die verbleibenden Planeten zu erkunden, alle Tribals zu retten und weitere Items zu finden, um euch schließlich Mizar ein zweites Mal zu stellen.

Spaß zu zweit

Stets werdet ihr von eurem kleinen fliegenden Roboter-Freund Floyd begleitet, sobald ihr alle seine Teile gesammelt und zusammengesetzt habt. Quelle: PC Games Stets werdet ihr von eurem kleinen fliegenden Roboter-Freund Floyd begleitet, sobald ihr alle seine Teile gesammelt und zusammengesetzt habt. Auch an einen Mehrspieler-Modus haben die Rare-Entwickler gedacht. Kurzer interessanter Fakt am Rande: Das gleiche Team, welches auch Blast Corps (lest dazu unser Retro-Special) entwickelt hat, zeichnet für Jet Force Gemini verantwortlich! Doch zurück zum Multiplayer: Ihr habt die Wahl zwischen einem kooperativen Mehrspieler-Modus für maximal zwei Personen, der abseits der Haupthandlung stattfindet und definitiv das Highlight des Multiplayer-Modus darstellt. Außerdem dürft ihr euch maximal zu viert in klassischen Deathmatches messen, die auf verschiedenen Karten ausgetragen werden. Zudem habt ihr zwei verschiedene Rennspiele zur Auswahl: eines mit 3D-Grafik und einem geteilten Bildschirm, ähnlich also wie bei Mario Kart, sowie eines mit einem zweidimensionalen Antlitz, das ein wenig an Micro Machines erinnert.

Wie bei anderen Nintendo-64-Spielen wie zum Beispiel Donkey Kong 64 (auch hier empfehlen wir unser Retro-Special!) ist der gesamte Mehrspieler-Modus eine nette Dreingabe, um das Spiel auch zusammen mit Freunden erleben zu können, der Fokus liegt aber ganz stark auf dem Einzelspieler-Modus, der deutlich mehr Spielspaß bereitet. Und das ist in diesem Fall auch absolut in Ordnung so, immerhin fesselt euch Jet Force Gemini als Allein-Spieler für einige Zeit an den Bildschirm.

Cineastisches Erlebnis

Die Tribals sind bärenähnliche Wesen, die von Mizars Horden in Gefangenschaft genommen wurden. Ihr müsst alle retten, um sie vor ihrem Tod zu bewahren. Quelle: PC Games Die Tribals sind bärenähnliche Wesen, die von Mizars Horden in Gefangenschaft genommen wurden. Ihr müsst alle retten, um sie vor ihrem Tod zu bewahren. Die grafische Qualität von Jet Force Gemini war Ende der 1990er-Jahre durchaus beeindruckend. Klar, heutzutage kann das Spiel kaum mehr mithalten, wenn ihr euch aber mal kurz überlegt, auf welchem Stand gängige Heim-Computer oder Technik im Allgemeinen 1999 war, dann erscheint das Ganze in einem anderen Licht. Tatsächlich hat Rare ganze Arbeit geleistet, wenn es um die Spezialeffekte sowie die Charakteranimation geht. Gelegentliche filmische Zwischensequenzen mögen heute vielleicht etwas albern wirken, ließen vor rund 20 Jahren aber durchaus ein kleines bisschen Kino-Gefühl aufkommen.

Auch die Lichteffekte, vor allem durch die Waffen in hitzigen Gefechten, sahen für die Kinder und Jugendlichen (angesichts der teilweise gezeigten Brutalität vielleicht besser Jugendliche und Erwachsene) kurz vor der Jahrtausendwende ungewohnt eindrucksvoll aus. Es wird für jüngere Leser, die mit der Wii U, Switch und anderen neueren Konsolen sowie Spielen gerade erst groß werden, vielleicht nur schwer zu begreifen sein, aber Jet Force Gemini hatte neben jeder Menge Action und Spielspaß damals einfach eins - um es mal etwas salopp auszudrücken: eine richtig geile Grafik!

In Hütten wie diese solltet ihr euch immer trauen und euch dort genau umschauen. Oftmals findet ihr darin wertvolle Items wie Munitionsboxen oder Energie. Quelle: PC Games In Hütten wie diese solltet ihr euch immer trauen und euch dort genau umschauen. Oftmals findet ihr darin wertvolle Items wie Munitionsboxen oder Energie. Doch die tolle Grafik geht leider auch mit technischen Schwierigkeiten einher. Immerhin ist das Nintendo 64 kein Hardware-Monster und kann nur auf eine (aus heutiger Sicht) extrem begrenzte technische Leistung zugreifen. So kommt es recht häufig zu massiven Einbrüchen in der Bildwiederholrate, was dann in actionreichen Abschnitten auch mal richtig nerven kann beziehungsweise gelegentlich sogar zum handfesten Problem mutiert, vor allem in Kombination mit der eher ungenauen und schwierigen Steuerung beim Zielen mit den Waffen. Doch neben den tollen grafischen Effekten gibt's einen weiteren Trost: Jet Force Gemini unterstützt das Spielen im damals noch nicht sehr verbreiteten 16:9-Videoformat, was actionhaltige Abschnitte und vor allem die Zwischensequenzen richtig cineastisch wirken lässt. Die Musik sowie die Soundeffekte sind nicht nur ein Genuss für die Ohren, sondern kommen auch noch per Dolby Surround auf eure Ohren, entsprechende Lautsprecher vorausgesetzt. Ziemlich fortschrittliche Technik für 1999, oder? Na ja, Jet Force Gemini ist ja auch ein Science-Fiction-Titel!

Steuerung für Profis

Die Start-Sequenz mit Aufnahmen aus Mizars Zentrale lässt nur erahnen, wie groß die Ameisen-Alien-Horden des zornigen Weltraum-Tyrannen sein müssen. Quelle: PC Games Die Start-Sequenz mit Aufnahmen aus Mizars Zentrale lässt nur erahnen, wie groß die Ameisen-Alien-Horden des zornigen Weltraum-Tyrannen sein müssen. Die Steuerung gehört leider nicht zu den Stärken von Jet Force Gemini. Während ihr mit der Standard-Pistole, die allen Figuren gleich zu Beginn zur Verfügung steht, keine allzu großen Probleme bekommt, da sie automatisch zielt, sieht das bei den besseren Waffen ganz anders aus. Hier müsst ihr den R-Button drücken und manuell mithilfe des Analog-Sticks zielen. Das funktioniert mit reichlich Übung zwar irgendwann ganz okay, aber leider niemals wirklich gut. Schlimmer noch: Zu Beginn werdet ihr einige Bildschirm-Tode über euch ergehen lassen müssen, weil es einfach richtig schwierig ist, präzise zu zielen. Ein durchgängig automatisch zielendes Visier bei allen Waffen wäre eine willkommene Steuerungsmethode gewesen. Immerhin gibt es an der Steuerung aber abseits davon nicht wirklich etwas auszusetzen.

Ein Spiel, das ankommt

In Jet Force Gemini trefft ihr zwar hauptsächlich auf Feinde und böse Aliens, gelegentlich begegnen euch aber auch wohlgesinnte Zeitgenossen wie dieser. Quelle: PC Games In Jet Force Gemini trefft ihr zwar hauptsächlich auf Feinde und böse Aliens, gelegentlich begegnen euch aber auch wohlgesinnte Zeitgenossen wie dieser. Sowohl bei der Spielerschaft als auch bei der Fachpresse kam Jet Force Gemini sehr gut an. Unser hauseigenes NintendoMagazin N-ZONE vergab dereinst eine Hit-Wertung von 87. Auf der Wertungen aggregierenden Website Metacritic kommt das Weltraumspiel auf einen Durchschnitt von 80 für eingetragene redaktionelle Wertungen. Allgemein wurde das Spiel meistens mit Wertungen zwischen 80 und 90 bedacht. Auch der Soundtrack fand seinerzeit großen Anklang und gilt als einer der besten aller N64-Spiele. Wenn ihr Lust auf Jet Force Gemini bekommen habt, könnt ihr das Spiel im Original auf dem Nintendo 64 spielen - schon für rund zehn Euro bekommt ihr den Titel als N64-Original -, oder im Rahmen von Rare Replay auf der Xbox One. Den Gegenwert eines durchschnittlichen heutigen Kinoticket-Preises ist das Weltraum-Abenteuer allemal wert. Und der Spaß ist nicht schon nach rund zwei Stunden vorbei, sondern begleitet euch deutlich länger.

Meinung

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