Infinite Undiscovery

Test Christian Schönlein

Xbox 360 und japanische Rollenspiele sind zwei Begriffe, die eigentlich nicht viel miteinander zu tun haben. Tatsächlich lassen sich brauchbare Titel an einer Hand abzählen. Da freut man sich als Genre-Fan umso mehr, wenn sich Rollenspiel-Gigant Square Enix mit tri-Ace (Entwickler hochgelobter Serien wie Star Ocean und Valkyrie Profile) zusammentut, um der Xbox 360 ein exklusives Fantasy-Abenteuer zu bescheren. Auch das Setting macht richtig Lust: Der ruchlose Order of Chains hat den Mond mit gigantischen Ketten an die Erde gebunden, um seine Energie anzuzapfen. Diese wirkliche schöne Grundidee driftet nur leider schnell in gängige Rollenspiel-Klischees ab.
Beim Kampfsystem haben die Entwickler vom eigenen Titel Star Ocean abgekupfert. Das ist aber nicht schlimm, immerhin waren die Kämpfe dort schon schnell und actionreich. Beim Kampfsystem haben die Entwickler vom eigenen Titel Star Ocean abgekupfert. Das ist aber nicht schlimm, immerhin waren die Kämpfe dort schon schnell und actionreich.
WIE DENKT EIN SPIEL?

Wie immer ist es eine Rebellengruppe, die sich gegen die Schurken aufbäumt und wie immer rutscht ein nichtsahnender Jungspund, in dessen Rolle ihr schlüpft, wider Willen in diesen Konflikt hinein. Auch die Charaktere, auf die ihr während des Abenteuers trefft, sind größtenteils austauschbar und bisweilen profillos. Und selbst, wenn eine Figur Persönlichkeit zeigt, hält sich dies meist in vorhersehbaren Grenzen.
Selbst wenn die Charaktere Persönlichkeit durchblitzen lassen, bleibt dies immer im Rahmen gängiger RPG-Klischees. Selbst wenn die Charaktere Persönlichkeit durchblitzen lassen, bleibt dies immer im Rahmen gängiger RPG-Klischees. Man könnte Infinite Undiscovery daher als ein Rollenspiel für Genre-Neulinge klassifizieren, allerdings gibt es auf der anderen Seite einige undurchschaubare Stellen, die gerade diesen Kopfzerbrechen bereiten dürften. Als Spieler ist man oft auf sich allein gestellt und muss die "Denkweise" des Spiels erst einmal durchschauen. Doch ist dieser Schritt nach den ersten paar Spielstunden getan, blüht Infinite Undiscovery auf.

Hauptfigur Capel kann keine Magie nutzen, dafür aber Waffen kurzzeitig durch Items „veredeln“ und mit einer magischen Flöte die Heldengruppe beeinflussen. Hauptfigur Capel kann keine Magie nutzen, dafür aber Waffen kurzzeitig durch Items „veredeln“ und mit einer magischen Flöte die Heldengruppe beeinflussen.
FALSCH VERBUNDEN?

Ähnliches gilt für das Kampfsystem. Schnell und actionreich laufen die Echtzeitkämpfe ab, zu Beginn des Spiels ist man da verführt, die Gegner durch wildes Button-Mashing zu bezwingen. Das klappt während der ersten Spielstunden auch ganz gut, aber spätestens, wenn man auf streunende Oger trifft, sollte man von den Kombinationsmöglichkeiten der Angriffe Gebrauch machen. Mit euren Gruppenmitgliedern könnt ihr eine Verbindung eingehen (im Spiel nennt sich das "Connect") und sie so bestimmte Angriffe ausführen lassen oder diese mit euren eigenen Attacken verbinden. Diese Fähigkeiten sind aber nicht nur in Kämpfen von Nutzen. "Connected" ihr euch in einer Stadt mit einem bestimmten Charakter, erzählen euch Passanten vielleicht Dinge, die sie einer anderen Figur vorenthalten hätten. Der kleine Rico kann sogar mit Tieren kommunizieren. So gelangt ihr mitunter an Nebenmissionen, die euch sonst entgangen wären.
Nicht nur im Kampf “Connected” man mit befreundeten Charakteren. Rico kann in Städten beispielsweise mit Tieren kommunizieren. Nicht nur im Kampf “Connected” man mit befreundeten Charakteren. Rico kann in Städten beispielsweise mit Tieren kommunizieren.
Solche Sidequests sind aber vernachlässigbar und haben keinerlei Einfluss auf den roten Faden der Geschichte. Seltene Ausrüstungsgegenstände, die euch beispielsweise im Kampf gegen besonders knackige Bossgegner helfen, werdet ihr hier kaum ernten. Um eure Heldengruppe auszurüsten, reicht ein Besuch bei den örtlichen Waffen-, Rüstungs- und Item-Händlern. Leider gibt es auch hier einen Wermutstropfen: Eine Funktion, um gekaufte Rüstung sofort anzulegen oder gar einen Shortcut für das Anlegen der optimalen Ausrüstung gibt es nicht. Hier ist Handarbeit gefragt, was nicht schlimm, aber mitunter zäh ist.
Obacht beim Umherwuseln im Menü. Das Spiel läuft in Echtzeit weiter, die Gruppe ist also anfällig für Angriffe. Obacht beim Umherwuseln im Menü. Das Spiel läuft in Echtzeit weiter, die Gruppe ist also anfällig für Angriffe.
Und so schaut's aus

Auch technisch hinterlässt Infinite Undiscovery einen gespaltenen Eindruck. Grafisch darf die Xbox 360 die Muskeln leider nicht spielen lassen. Aber auch, wenn uns die Optik nicht vom Hocker gehauen hat, sieht Infinite Undiscovery immerhin ordentlich aus und erlaubt sich, bis auf einige wenige, wirklich vernachlässigbare Slowdowns, keine Schnitzer. Richtig gut sind hingegen der orchestrale Soundtrack von Motoi Sakuraba sowie die englischen Sprecher. Allerdings war es uns nicht möglich, alternativ den japanischen Originalsprechern zu lauschen, ein Feature, das eigentlich für die europäische Version angekündigt war.

Der Hersteller versicherte uns, dass unser Testmuster inhaltsgleich mit der Verkaufsversion sei. Wir müssen also leider davon ausgehen, dass dieser "Bonus" gestrichen wurde. Ebenso ominös: Nur etwa 80 % der Zwischensequenzen sind komplett vertont, der Rest muss, wieso auch immer, mit Untertiteln auskommen. Für die solltet ihr übrigens gute Englischkenntnisse mitbringen, denn Infinite Undiscovery ist komplett in Englisch.

Wertung zu Infinite Undiscovery (X360)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Keine Zufallskämpfe. Schnelles und actionreiches Echtzeit-KampfsystemToller, orchestraler Soundtrack von Motoi SakurabaDie Macken sind nicht so gravierend, dass es ein schlechtes Spiel wäre, ...
... doch das Spiel ist auch in keinem Element so richtig überzeugend.Austauschbare Charaktere. Echte Charakterköpfe sehen anders aus.Die drögen Text-Tutorials nehmen gerade RPG-Neulinge kaum an die Hand.
Fazit

Es macht nichts wirklich falsch, kann aber auch nichts so richtig gut

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